Noroviren im Landkreis Heidenheim auf dem Durchmarsch

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erwin bachmann 17.02.2012
Auf die Kälteperiode folgt die Grippewelle. Schlimmer noch: Neben der Influenza zieht der Norovirus durch den Landkreis – eine Brech-Durchfall-Erkrankung, die im besonderen Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen sowie Altenheime das Fürchten lehrt.

Dass der Erreger jetzt verstärkt umgeht, kommt nicht überraschend, zeigen die Noroviren doch gerade im Herbst und im Winter einen saisonalen Gipfel. Ausgeprägt ist freilich die Intensität, mit der die Magen-Darm-Infektion in diesem Jahr daherkommt. So hat man in der unterm Dach des Heidenheimer Landratsamtes angesiedelten Gesundheitsbehörde seit 1. Januar bis Ende dieser Woche 66 solcher Infektionen registriert, wobei diese Zahl nur jene Fälle umfasst, bei denen der Norovirus durch einen Labornachweis gesichert ist.

Spiegelt die von Amts wegen geführte Statistik angesichts der Diagnostik-Problematik also nur die Spitze des Eisbergs dar? – Fachbereichsleiter Christoph Bauer bestätigt, dass die ihm aktuell auf dem Tisch liegenden Zahlen lediglich einen Teil des Geschehens abbilden, „in keiner Weise“ die Wirklichkeit widerspiegeln. Tatsächlich gehen die meisten dieser Erkrankungen trotz der Meldepflicht schlicht an den Behörden vorbei. Nach schon früher getroffenen Einschätzungen des Landesgesundheitsamtes in Stuttgart geht lediglich ein Fünftel der Betroffenen zum Arzt – so mancher im Innern schwer durchgeschüttelte Zeitgenosse kommt erst gar nicht darauf, dass es der Norovirus sein könnte, der ihm da auf den Magen schlägt. Und selbst, wenn ein Infizierter zum Arzt geht, aber sein Stuhl nicht untersucht wird, taucht er ebenfalls nicht in der Statistik auf.

Zum Phänomen dieser Infektion gehört die Gruppenerkrankung, von der man spricht, wenn mehrere Menschen in einer Gemeinschaftseinrichtung gleichzeitig ins Bett geworfen werden. Tatsächlich breitet sich der längst zum Schreckgespenst von Kindergärten, Schulen und Heimen gewordene Virus gern dort aus, wo sich viele Personen unter einem Dach bewegen, wo also die Berührungspunkte zahlreich sind und der Boden gut bereitet ist für die Ansteckung, die über Schmierinfektion erfolgt. Besonders gefährdet sind betagte Menschen mit ohnehin schlechtem Allgemeinzustand, die denn auch zu den Risikopatientengruppen zählen. Speziell in den Alten- und Pflegeheimen weiß man um diese Gefahr. Um zu verhindern, dass die hochansteckende Brech-Durchfall-Erkrankung rasant um sich greift, müssen die Hygienestandards schon beim ersten Verdacht hochgefahren werden.

Im Klinikum Heidenheim sieht man sich weit davon entfernt, von einer Erkrankungswelle zu sprechen, bewegt sich die saisonbedingte Zahl der dort wegen Norovirus behandelten Patienten bislang doch auf deutlich niedrigerem Niveau als im Vorjahr. Längst nicht immer werden diese Patienten mit schon bestehendem Durchfall aufgenommen, denn öfter kommt es erst im Verlauf einer stationären Behandlung wegen anderer Erkrankungen zu Norovirus-verdächtigen Symptomen. In solchen Fällen werden die Kranken sofort von anderen Patienten isoliert, soweit erforderlich auf die Intensivstation gebracht. Bei stark ausgeprägtem Krankheitsverlauf erhält ein Patient Infusionen, damit er nicht dehydriert und Mineralstoffe erhält. In der Regel dauert die akute Erkrankung zwischen zwei und drei Tage.

Nach Angaben von Klinikum-Pressesprecher Günther Berger kommen dank der etablierten Hygiene- und Isoliermaßnahmen im Haus Übertragungen mit dem Virus nur sehr selten vor. Ganz ausschließen lasse sich die Ansteckungsgefahr aber nicht, reiche doch schon ein einzige Person aus, den Virus hineinzutragen. Deshalb sein an die Besucher gerichteter Tip: Den Händedesinfektionsspender im Eingangsbereich benutzen.