Noerpel übernimmt Heidenheimer Spedition Kentner

Der Name bleibt, der Eigentümer wechselt: Dr. Wolfgang Kentner hat Stammwerk und Logistikpark (links) seiner Spedition an die Ulmer Firma Noerpel verkauft. Stefan Noerpel-Schneider (rechts) und Dr. Wolfgang Kentner (ganz rechts) sind zufrieden mit der Nachfolgeregelung.
Der Name bleibt, der Eigentümer wechselt: Dr. Wolfgang Kentner hat Stammwerk und Logistikpark (links) seiner Spedition an die Ulmer Firma Noerpel verkauft. Stefan Noerpel-Schneider (rechts) und Dr. Wolfgang Kentner (ganz rechts) sind zufrieden mit der Nachfolgeregelung.
09.07.2012
Name und Betrieb bleiben erhalten, und dennoch endet eine Ära: Rückwirkend zum 30. Juni hat Dr. Wolfgang Kentner seine Heidenheimer Spedition an die Ulmer Branchenkollegen der Firma Noerpel verkauft.

Von der „wichtigsten Entscheidung meines Berufslebens“ spricht Firmenchef Dr. Wolfgang Kentner, für den der Verkauf gleich mehrere gute und seit Langem bekannte Gründe hat. „Ich bin bereits im Rentenalter“, so Kentner – seine beiden Töchter wiederum haben sich nach ihren wirtschaftswissenschaftlichen Universitätsstudien für andere Berufswege entschieden.

Gleichzeitig beobachtet Kentner, der in seinem Berufsverband auch bundesweit hochrangige Funktionen einnimmt, den Trend zu immer mehr Größe: „Europa ruft“, so Kentner gegenüber unserer Zeitung. In der Logistik sind Zusammenschlüsse im Trend.

Ein größerer Partner sollte her – freilich nicht irgendeiner. „Ich habe gut zwei Jahre intensiv nach einem Übernehmer gesucht“, sagt Kentner. Dabei sei es nicht in erster Linie um den Kaufpreis gegangen. „Manche Private-Equity-Firmen haben mir mehr geboten, doch ich wollte einen Mittelständler“. Wählerisch durfte Kentner nach eigenen Worten sein: „Es ist ja nun kein Notverkauf, wir haben solide Zahlen geschrieben und einen Gewinn gemacht“.

Die Wahl fiel schließlich auf die Ulmer C.E. Noerpel GmbH. Am vergangenen Freitag ging es zum Notar, Noerpel übernimmt rückwirkend zum 30. Juni die Wilhelm Kentner Kraftwagen-Spedition GmbH & Co. KG.

„Ich freue mich, den Betrieb in vertrauensvolle Hände zu übergeben. Als mittelständisches Familienunternehmen teilt Noerpel die gleichen Wertevorstellungen und wird die Geschäfte zweifelsfrei in meinem Sinne erfolgreich fortführen“, so Kentner. Dies bestätigt Stefan Noerpel-Schneider, Geschäftsführer des Logistikdienstleisters aus Ulm, in einer Pressemitteilung: „Mit Kentner haben wir ein Unternehmen gefunden, das unser Angebot im Osten Baden-Württembergs optimal erweitert. Wir werden alle Mitarbeiter übernehmen, da diese sehr mit ihrem Betrieb verbunden und dadurch äußerst engagiert sind.“ Noerpel-Schneider betont, dass Kentner mit seiner umfassenden Erfahrung im Bereich Luft- und Seefracht den süddeutschen Spitzenreiter im Landverkehr gut ergänze. Darüber hinaus verfüge Kentner über einen eigenen hochwertigen Fuhrpark.

Ein besonderes Anliegen von Dr. Wolfgang Kentner in Hinsicht auf die Weiterführung seines Unternehmens war die Übernahme aller Mitarbeiter. Auch am Namen und der Rechtsform ändere sich bei Kentner nichts, so Dr. Wolfgang Kentner gegenüber unserer Zeitung. Bemerkenswert sei auch, dass die beiden bisherigen Geschäftsführer nach dem Ausscheiden Kentners keinen neuen „Dritten Mann“ von Noerpel an die Seite gestellt bekommen.

Auch die neuen Eigentümer stellen Kontinuität und die guten Beziehungen den Kentner-Mannschaft zu ihren Kunden in den Vordergrund: „Die Erfolgsfaktoren einer solchen Zusammenarbeit wollen wir in jedem Fall erhalten. Kontinuität in Leistung und Qualität stehen auch für uns im Mittelpunkt“, so Stefan Noerpel-Schneider.

Der Verkauf betrifft die Kentner-Zentrale in Heidenheim und den Logistikpark in Herbrechtingen mit zusammen rund 250 Mitarbeitern. Die Kentner-Betriebe in Bochum und Dresden (jeweils rund 50 Mitarbeiter) werden weiterhin von Dr. Wolfgang Kentner als geschäftsführendem Gesellschafter betrieben.

Die gigantische Anlage in Herbrechtingen war laut Dr. Wolfgang Kentner ein Trumpf im Verkauf: Durch die Akquise stehen Noerpel zusätzliche 50 000 Quadratmeter Lagerfläche sowie eine Schwerguthalle zur Verfügung. „Ab September bringt Noerpel hier noch einen neuen Kunden mit und belegt dann auch die Halle 4“, so Kentner,

Strategisch wollen sich die beiden Firmen ergänzen: Durch sein engmaschiges Netzwerk und den Vorsprung im europäischen Landverkehr würden die Dienstleistungen von Kentner ergänzt und verbessert, heißt es in einer Pressemitteilung: „Beispielsweise in Hinsicht auf Laufzeiten und die IT-Anbindung“ Im Gegenzug profitiere Noerpel vom umfangreichen Produktportfolio von Kentner im Bereich Luft- und Seefracht. Noerpel-Schneider sieht zudem Vorteile durch die Integration des Fuhrparks: „Dank des hohen Engagements und Verantwortungsbewusstseins der Fahrer ist die Dienstleistungsqualität von Kentner beachtlich.“

Durch die Übernahme von Kentner beschäftigt Noerpel nun insgesamt über 1200 Mitarbeiter. 2012 wird sich der Gesamtumsatz des Unternehmens auf circa 200 Millionen Euro belaufen.

Noch einige Wochen will Dr. Wolfgang Kentner den Eigentümerwechsel als Geschäftsführer begleiten, danach ist sein Wechsel in den Beirat geplant.

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