Heidenheim Greifvogelstation kritisiert: Baulärm schadet Tieren und bringt Verluste

Vor Beginn der Baumaßnahmen am Klinikum war in der Greifvogelstation noch alles in Ordnung: 2015 fanden sich zahlreiche Besucher bei den regelmäßigen Flugvorführungen auf dem Schlossberg ein, die Vögel waren noch gesund und drehten ihren Runden.
Vor Beginn der Baumaßnahmen am Klinikum war in der Greifvogelstation noch alles in Ordnung: 2015 fanden sich zahlreiche Besucher bei den regelmäßigen Flugvorführungen auf dem Schlossberg ein, die Vögel waren noch gesund und drehten ihren Runden. © Foto: Archiv/Oliver Vogel
Heidenheim / Andreas Uitz 05.09.2018
Auch nach einem Gespräch mit der Klinik-Leitung zeichnet sich für den Betreiber der Heidenheimer Greifvogelstation keine Verbesserung der Situation für seine Tiere ab.

Verändert hat sich nichts in der Greifvogelstation, und die Probleme, die Betreiber Burkhard Hellmann seit dem Frühjahr hat, sind nicht behoben. Schon Anfang Mai hatte er beklagt, dass aufgrund der Großbaustelle für das neue Bettenhaus am Klinikum seine Vögel stark irritiert sind.

Die Greifvogelstation, die im Wildpark Eichert liegt, ist nur an die hundert Meter Luftlinie von der Baustelle entfernt, die Baukräne sind von dort aus zu sehen und auch der Lärm ist zu hören. Das bliebe von den Vögeln in den Volieren nicht unbemerkt, so Hellmann. Schon im Frühjahr habe diese Entwicklung für ihn gravierende Folgen gehabt: Ein Schleiereulen-Zuchtpärchen verließ sein Gelege, so dass es auskühlte und starb, auch die Nachzucht von Wanderfalken starb.

Ein touristischer Faktor

Darüber hinaus, erklärt Hellmann, verweigerten viele seiner Vögel die Teilnahme an den regelmäßigen Flugvorführungen, was sich natürlich auf die Zahl der Besucher auswirke. „Wir sind auch ein gewisser touristischer Faktor auf dem Schlossberg“, so der Betreiber, de sich nicht nur durch das Wegbleiben von Zuschauern finanziell geschädigt fühlt.

In der vergangenen Woche trafen sich Hellmann und der Geschäftsführer des Klinikums, Udo Lavendel, zu einem Gespräch. „Wir haben uns unterhalten, aber im Ergebnis gibt es nichts Neues“, so Lavendel.

Das wird auch von Hellmann so bestätigt. Er habe die Möglichkeit genutzt, von seinem Schwierigkeiten angesichts der Großbaustelle zu berichten. Sein großes Problem sei, dass die Greifvogelstation, die inmitten der Natur liegt, ihren Flair verloren habe. Auch das wirke sich auf die Besucherzahlen aus. „Wir sind ein ganz normales wirtschaftliches Unternehmen, auch wenn wir klein sind. Deshalb müssen wir auch schwarze Zahlen schreiben“, sagt Hellmann. Doch die wirtschaftlichen Einbußen durch die Klinikum-Baustelle seien enorm.

Rechtlich alles gesichert

Lavendel kann die wirtschaftlichen Nöte des Stationsbetreibers nachvollziehen. Aber ob die Baustelle für den gestörten Flugbetrieb ursächlich verantwortlich ist, lasse sich nicht zweifelsfrei feststellen.

Das Klinikum jedenfalls habe alle Baugenehmigungen ordnungsgemäß beantragt und auch erhalten. „Wir hatten grünes Licht von den Behörden, also haben wir angefangen“, so Lavendel. Daran, den Betreiber der Greifvogelstation vor dem Baustart zu informieren, damit dieser vielleicht Vorsichtsmaßnahmen hätte ergreifen können, um seine Vögel zu schützen, habe man nicht gedacht.

Hellmann hätte für den ihm entstandenen wirtschaftlichen Schaden gerne eine Entschädigung. Dabei macht er durch Einnahmen von Besuchern und den Tod einiger Vögel und Gelege rund 25 000 Euro geltend.

„Über Entschädigungszahlungen kann man nicht verhandeln“, betont Lavendel, vor allen Dingen weil mehrere Institutionen involviert seien. „Ich habe Herrn Hellmann zugesagt, dass ich versuchen werde, auch Verantwortliche von Seiten der Stadt und des Landratsamts an einen Tisch zu bringen, um sich über die Situation zu unterhalten“, erklärt der Klinik-Geschäftsführer. Denn sie alle spielten eine Rolle und seien involviert.

Burkhard Hellmann indes sieht sich derzeit seiner wirtschaftlichen Grundlage beraubt: „Die Situation ist für mich sehr schwierig geworden.“ Deshalb sei aktuell auch nicht sicher, ob die Greifvogelstation eine Zukunft auf dem Schlossberg haben wird. „Ich habe einen Vertrag bis ins Jahr 2020, und den werde ich auf jeden Fall erfüllen.“ Wie es danach weitergeht, sei jedoch noch offen.

Auffangstation für verletzte Tiere

Die Greifvogelstation im Wildpark Eichert wurde Ende des Jahres 2007 eröffnet. Ihr Angebot beschränkt sich nicht nur auf Flugvorführungen. Vielmehr kümmert man sich unter anderem auch um die Nachzucht.

Genau 31 Greifvögel verschiedener Gattungen sind derzeit in der Station beheimatet. Zwischen sieben und zehn nehmen an der Flugvorführungen teil, die an Feiertagen, Wochenenden und in den Ferien täglich stattfinden.

Auch wilde verunfallte und verletzte Greifvögel werden hier betreut, denn die Einrichtung auf dem Schlossberg ist auch Auffangstation. Hierzu gibt es eine Kooperation mit dem Landratsamt und dem Kreistierschutzverein.

Der Eigentümer Burkhard Hellmann führt die Greifvogelstation als Ein-Mann-Betrieb. Er wird jedoch von derzeit acht ehrenamtlichen Helfern im Alltag und und bei den Flugvorführungen mit den Vögeln unterstützt.

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