Heidenheim / hz  Uhr
Zu den Leserbriefen über Georg Elser („Verneige mich vor Rommel“, HZ vom 16. April und „Opfer waren alte Kämpfer“ vom 29. April)

Die Auffassung von Herrn Reppin: „Der Gute (Elser) durfte die ganz Bösen in der Nähe des Diktators töten“ macht es sich viel zu einfach und ist falsch. Es geht um die Zulässigkeit des Tyrannenmordes. Das ist für Christen ein großes ethisches Problem; lässt sich indes mit Luther und Bonhoeffer bejahen. Rechtlich könnte der Anschlag auf Hitler unter einen übergesetzlichen entschuldigenden Notstand fallen.

Vor einem rechtsstaatlichen Gericht hätte Elser insoweit auf Straffreiheit hoffen können. Das kann man nicht annehmen hinsichtlich der Tötung der „alten Kämpfer“. Zu überlegen wäre, dass die Mordmerkmale heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln bei dem verfolgten Ziel des Tyrannenmordes im Wege einer teleologischen Reduktion entfallen könnten und Schuldsprüche wegen Totschlags richtig gewesen wären.

Hinsichtlich der Kellnerin, die nicht Ziel des Anschlags war, verbliebe es bei fahrlässiger Tötung. So genial und bewundernswert die Tat auch war: Ein Tyrannenmörder trägt das Risiko des Gelingens und steht theoretisch hinsichtlich der Verletzung anderer Rechtsgüter nicht außerhalb der Rechtsordnung.

Dr. Peter Brause, Sindelfingen