Junger Kammerchor Neuer Kammerchor wagt klangliche Experimente

Maddalena Ernst und Thomas Baur (Bildmitte) leiten den Jungen Kammerchor Ostwürttemberg, der sich in seinem Winterprojekt und abschließend in drei Konzerten „Klang-Experimenten“ hingibt.
Maddalena Ernst und Thomas Baur (Bildmitte) leiten den Jungen Kammerchor Ostwürttemberg, der sich in seinem Winterprojekt und abschließend in drei Konzerten „Klang-Experimenten“ hingibt. © Foto: jko
Heidenheim / HZ 05.01.2018
Das Winterprojekt des Vereins wird in diesem Jahr von Sängern vom „Vokalwerk“ Nürnberg unterstützt. Ein Werkstattkonzert auf Schloss Kapfenburg und drei Abendkonzerte in der Region sind geplant.

Gute Chöre stecken die meiste Arbeit in ihren Klang. Ein überaus spannendes Thema, denn dieselbe Harmonie oder Melodie klingt in einer Komposition aus der Renaissance ganz anders als in der Romantik oder gar in Jazz und Pop. In drei weltlichen Konzerten am Ende der Weihnachtsferien unternimmt der „Junge Kammerchor Ostwürttemberg“ deshalb „Klang Experimente“.

Im ersten Programmteil geht die Chorleiterin Maddalena Ernst zunächst von der deutschen Romantik aus, mit Liedern von Peter Cornelius und Robert Schumann. Danach wandert sie mit dem verträumten Song „MLK“ in unsere Zeit: Den von U2 bekannten Titel hat Bob Chilcott (Jg. 1955) eingerichtet. Es folgt „Who ist Sylvia“ von Jakko Mäntyjärvi (Jg. 1963). Der Junge Kammerchor hatte diesen finnischen Komponisten schon wiederholt im Programm.

Fanny Hensel, kongeniale Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy, findet erst seit einigen Jahren den ihr gebührenden Platz auf den Programmzetteln. Mit Giovanni Pierluigi da Palestrina landet der JKO beim italienischen Madrigal, dem vielleicht wichtigsten Ausgangspunkt der Vokalmusik bis in unsere Zeit.

Von Kanada bis Lettland

Nach einer Pause erschließt Chorleiter Thomas Baur jene Klangräume, die uns die Komponisten der Gegenwart geöffnet haben. Geht es in „MLK“ schon um Schlaf und Traum, so errichtet der Chor ein „Epitaph for Moonlight“ in einem Werk des Kanadiers Ray Murray Schafer (Jg. 1933). Es bleibt mit „Stars“ des Letten Ēriks Ešenvalds (Jg. 1977) geheimnisvoll nächtlich, bevor John Høybye (Jg. 1939) in skandinavischer Chortradition die „Magic Paintbrush“ schwingt.

Zum Klang kommt als Höhepunkt des Konzerts die Bewegung, wenn „O Täler weit o Höhen“ in einem Arrangement von Oliver Giess (Jg. 1973) und „Africa“ von Toto nach dem Vorbild des slowenischen Chors „Perpetuum Jazzile“ erklingt.

Im Rahmen der Initiative „Trafo – Modelle für Kultur im Wandel“ der Kulturstiftung des Bundes arbeiten die Opernfestspiele Heidenheim als „Musikwerkstatt OH! für alle“ mit weiteren Musik- und Bildungspartnern zusammen. So hat die Begabtenförderung der Musikwerkstatt mit dem Jungen Kammerchor und dem Vokalwerk Nürnberg zwei neue Partner für ihre Arbeit gefunden.

Von Profis inspiriert

Das Winterprojekt wird dabei intensiv durch Sänger des Vokalwerks Nürnberg begleitet, die im Chor und kleinen Ensembles mitsingen. Durch die intensive gemeinsame Arbeit am Konzertprogramm findet ein lebendiger Austausch statt, bei dem die jugendlichen Sängerinnen und Sänger von den Profis inspiriert und mitgerissen werden. Das Konzept befördert so auch die musikalische Qualität des Jungen Kammerchors Ostwürttemberg. Das Vokalwerk ist auf besondere Weise mit den Opernfestspielen und der Region Heidenheim verbunden.

Zum Abschluss der Probenwoche gibt es am morgigen Samstag, 6. Januar, ab 11 Uhr ein Werkstattkonzert auf Schloss Kapfenburg.

Die Abendkonzerte sind angesetzt für Freitag, 12. Januar, 19 Uhr im Prediger in Schwäbisch Gmünd, am Samstag, 13. Januar, 19 Uhr in der Neuen Stadtbibliothek in Heidenheim und am Sonntag, 14. Januar, 18 Uhr, im Speratushaus in Ellwangen.

Der Eintritt zu jedem der Konzerte ist frei. Spenden werden erbeten.