Konzert Neuer Kammerchor begeistert bei "Missa Gloriosa"

Der 17-jährige Heidenheimer Gymnasiast Sören Gieseler hat die „Missa Gloriosa“ als sein „Opus 62“ komponiert. Der Neue Kammerchor des Schiller-Gymnasiums sorgte jetzt für die Uraufführung in der Christuskirche.
Der 17-jährige Heidenheimer Gymnasiast Sören Gieseler hat die „Missa Gloriosa“ als sein „Opus 62“ komponiert. Der Neue Kammerchor des Schiller-Gymnasiums sorgte jetzt für die Uraufführung in der Christuskirche. © Foto: Hans-Peter Leitenberger
Heidenheim / Hans-Peter Leitenberger 30.12.2013
Zwei Opern hatte Sören Gieseler bereits geschaffen, bevor er sein „opus 62“ schrieb. „Mir blieb die Spucke weg“, beschrieb Dirigent Thomas Kammel seine erste Wahrnehmung der „Missa Gloriosa“.

Der 17-jährige SG-Schüler Sören Gieseler und werdende Abiturient übernahm den Klavierpart, doch zur Einstimmung erklangen zwei „Klassiker“ des Chors, darunter der „Segen“ von John Rutter.

Schon beim „Kyrie“ der „Missa“ konnte man feststellen, dass Sören Gieseler aus einem enormen Fundus an Gehörtem aus dem Kammerchor schöpfte und davon inspiriert wurde. Die Melodik in E-Dur hatte Grazie und Schwung, klang mitreißend und fröhlich, ohne dabei den Ernst der Materie zu vernachlässigen.

Der Chor arbeitete unter dem sensiblen, aber fordernden Dirigat von Thomas Kammel mit seiner gewohnten sängerischen Kompetenz. Klar und offen kamen die Soprane und Tenöre, dezent und mit Esprit die Altstimmen und Bässe, dazu zeichnete hohe Sicherheit bei den Besonderheiten in Dynamik und Phrasierung die Arbeit des Chores aus.

Bis auf wenige Ausnahmen artikulierte der Chor sauber und taktgenau. Schwungvoll, ja fast poppig erklang das „Gloria“, von lebendigen Streicherfiguren begleitet. Bei den schnellen Achtelpartien waren kleine Unsicherheiten mehr als verzeihlich, denn Sören verlangte „seinem“ Chor Einiges ab, etwa bei „Tu solus Dominus“. Die Präzision und Intonationssicherheit beeindruckte überwiegend sowie die inspirierte Art der Stimmengestaltung.

Hochkultiviert und mit einer hohen Ausdrucksintensität kamen die Stimmen, die zudem mit rhythmischer Präzision und einer fast unbeschwerten Lebendigkeit das ungemein farbige und klangprächtige Werk darboten. Mit einer virtuosen Selbstverständlichkeit agierte Sören Gieseler am Flügel in dem Bewusstsein um das Können des Chores.

Im hochkomplexen „Credo“, das fast folkloristische Figuren zeigte, waren kleine intonatorische Schwierigkeiten zu bemerken, die aber den Gesamteindruck der hohen sängerischen Leistung vor allem bei der dynamischen Ausgestaltung nicht störte. Man war hingerissen von der wunderbaren Melodik und den zwei expressiv und klangrein agierenden Sopranistinnen bei „Et incarnatus est“. Kleine Schwächen in den Höhen waren kaum zu bemerken und die dramatische Spannung steigerte sich bei „Crucifixus“.

Zuversicht und Freude war bei „Et ressurexit tertia die “ zu spüren. Ein wunderbares und mit beachtlicher Intensität wie Hingabe erklingendes Sopransolo beeindruckte bei „Hosanna in excelsis“ im „Sanctus“. Mit dem stellenweise achtstimmigen Schwergewicht hatte der Chor wohl seinen schwierigsten Part zu meistern, was aber dem erfahrenen Klangkörper nur wenige Schwierigkeiten bereitete. Mit fast schlagerhaften Figuren begann das Klavier den „Benedictus“, bei dem der Solotenor mit einer tragfähigen Stimme bei den Haltetönen beeindruckte. Die Solostimmen hatten durchweg Substanz und Klangkultur; und beim „Agnus Dei“ konnte man über ein kultiviertes Sopransolo staunen, das mit exakter Phrasierung glänzte und das sich bis zum gloriosen Schluss „Dona nobis pacem“ taktsicher in das Geschehen einfügte.

Es war ein großartiges Erlebnis, das Werk eines jungen Komponisten kennenzulernen, der mit Klangsinn und Lockerheit zugleich wunderbare Melodien geschaffen hatte, die bei allem konzertanten Schwung und fröhlichen Klangfarben, flotter Rhythmik und mit knisternder Virtuosität zur geistigen Durchdringung des Messetextes fähig war.

Sören Gieselers inspiriertes Werk, dazu die sängerische Intelligenz des Neuen Kammerchors zeigten ein lebendiges Gesamtkunstwerk voller Vitalität und Wärme. Eine „Missa Gloriosa“ im wahrsten Sinne. Die Zugaben mit Spirituals, aber auch einem innig dargebotenen „Es ist ein Ros' entsprungen“ und wohltuend unverkitscht und feinsinnig intonierten „Stille Nacht“ machten den Abschied von Messe, Komponist und einem großartigen Chor nicht einfacher.

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