Wind Windpark Nattheim: Windräder sollen 159 Metern hoch werden

Noch nicht in Serie sind die neuen Windräder des Typs Enercon E-141 EP4, weshalb es bislang auch nur diese Grafik zur Abbildung der Anlage gibt.
Noch nicht in Serie sind die neuen Windräder des Typs Enercon E-141 EP4, weshalb es bislang auch nur diese Grafik zur Abbildung der Anlage gibt. © Foto: Enercon GmbH
Kreis Heidenheim / Silja Kummer 20.01.2017
Die Stadtwerke gehen eine Partnerschaft mit dem Hersteller Enercon ein und planen an der A7 neun Windenenergieanlagen mit einer Nabenhöhe von 159 Metern.

Neuer Plan, neue Dimension: Der von den Stadtwerken Heidenheim konzipierte Windpark Nattheim soll weitaus größere Windräder bekommen als bislang geplant. Die Windenergieanlagen mit einer Nabenhöhe von 159 Metern wären sogar die höchsten in weitem Umkreis. Sie sollen bald auf Heidenheimer und Nattheimer Gemarkung stehen. Die Stadtwerke AG teilte auf Anfrage mit, dass der geplante Windpark Nattheim an der A 7 mit dem Windenergieanlagenhersteller Enercon als Partner und mit neun Windrädern des Typs Enercon E-141 EP 4 gebaut werden soll. Diese Anlagen für windschwache Standorte gehen gerade erst in Serienproduktion, bislang gibt es nur eine Prototypen-Anlage in Mitteldeutschland.

Laut Hersteller sorgen hohe Nabenhöhen sowie ein vergrößerter Rotordurchmesser für eine Steigerung des Energieertrags. Gleichzeitig sollen die Windräder leise sein, was Enercon durch gezackte Kanten an den Rotoren, den sogenannten „Trailing Edge Serrations“, erreichen will. Die Rotoren haben einen außergewöhnlich großen Durchmesser von 141 Metern. Die gesamten Anlagen erreichen so eine Gesamthöhe von rund 230 Metern. Zum Vergleich: Die Spitze des Ulmer Münsters befände sich auf Nabenhöhe dieser Anlagen.

Größere Höhe, mehr Leistung

Bereits im Dezember 2013 erhielten die Stadtwerke den Zuschlag für den Windpark Nattheim, der erst kürzlich als Konzentrationsfläche für Windkraft ausgewiesen wurde. Die Stadtwerke haben die Fläche gepachtet. Die geplanten neun Anlagen grenzen südlich an Nattheim, im Norden und Osten an die Bebauung von Rotensohl, Kleinkuchen und Großkuchen.

Bei der Vorstellung des Projekts im Großkuchener Ortschaftsrat im August 2015 war die Rede von elf Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe von 141 Metern und einer Leistung von 2,4 Megawatt. Neun Anlagen wurden vom Landratsamt Heidenheim im immissionsschutzrechtlichen Verfahren genehmigt. „Seither hat sich die Technik verbessert und wir können mit einem modernen Anlagentyp eine Nennleistung von 4,2 Megawatt erreichen“, so die Sprecherin der Stadtwerke-Unternehmensgruppe Viktoria Mayer. Insgesamt sollen im Windpark Nattheim jährlich rund 81 Millionen Kilowattstunden Strom produziert werden. Das entspricht dem Bedarf von 27 000 Haushalten mit einem Verbrauch von je 3000 Kilowattstunden.

Nicht zuletzt wird die Leistungssteigerung auch durch die zusätzliche Höhe der Anlagen erreicht: Während der Windatlas Baden-Württemberg für die Fläche an der A 7 auf 140 Meter Höhe eine mittlere Windgeschwindigkeit zwischen 5,75 und 6,25 Metern pro Sekunde ausweist, steigert sich die Geschwindigkeit am selben Standort auf 160 Metern Höhe auf 6 bis 6,5 Meter pro Sekunde.

Neu ist auch, dass nicht mehr die Stadtwerke, sondern Enercon die Projektrechte besitzt. Das Unternehmen hat bereits im Dezember einen Genehmigungsantrag nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz beim Landratsamt Heidenheim gestellt. Da die Unterlagen aber nicht vollständig waren, wurde dieser zunächst zurückgeschickt, damit er ergänzt werden kann. Trotzdem rechnen Stadtwerke und Enercon mit einer Genehmigung im ersten Quartal 2017 und einem nachfolgenden Baubeginn, so dass der Windpark 2018 in Betrieb genommen werden soll.

Bevor dies geschieht, muss aber noch einmal das gesamte Genehmigungsverfahren durchlaufen werden, rund 25 Träger öffentlicher Belange müssen Stellung nehmen. Darunter sind Fachbehörden wie die Naturschutz- und Forstbehörde, aber auch die Gewerbeaufsicht und die betroffenen Kommunen Heidenheim und Nattheim. Für das Verfahren ist ein Zeitrahmen von drei Monaten vorgesehen.

Keine Infos für Großkuchen

Der Umgang mit der Information über die neue Planung ist in den betroffenen Kommunen unterschiedlich: In Nattheim wurde nach einer Vorantragsbesprechung im Juli 2016 der Gemeinderat informiert. Dieser hat entschieden, auch der geänderten Planung zuzustimmen. „Die Hauptsache ist, das die Vorschriften für die Lärmemissionen eingehalten werden“, sagt Bürgermeister Norbert Bereska. Ansonsten habe man nichts gegen einen höheren Anlagentyp einzuwenden.

Anders in Heidenheim: Großkuchens Ortsvorsteher Josef Weber wurde bislang noch nicht über die neue Planung informiert, obwohl auch Vertreter der Stadt Heidenheim bei der Vorbesprechung vor sechs Monaten mit am Tisch saßen. Grundsätzlich sei er der Meinung, dass besser „ein paar Meter höher gebaut werden soll, als dass mehr Windräder aufgestellt werden“, so Weber. Jedoch würde er sich wünschen, besser informiert und in die Planungen einbezogen zu werden – schließlich sind in erster Linie die Bürger seines Ortes betroffen. Bislang würden glücklicherweise die Mehrzahl der Bürger der Windkraft positiv gegenüberstehen.

Aus dem Heidenheimer Rathaus gibt es keine Stellungnahme zu dem Thema. Man verweist darauf, dass „Anzahl, Anlagentyp und Leistung von Windenergieanlagen von Privatunternehmen geplant werden“ und das Landratsamt die Genehmigungsbehörde sei.

Längerfristige Zusammenarbeit?

Zur Partnerschaft mit Enercon heißt es bei den Stadtwerken: „Es freut uns sehr, dass es uns gelungen ist, modernste und zuverlässige Technik mit regionalen Interessen zu vereinen.“ Das Vorgehen, neue Anlagen auf eigenes Risiko zu projektieren und anschließend Partnern Beteiligungen anzubieten, sei dabei üblich. Der Windpark Nattheim soll nur der Anfang einer Zusammenarbeit zwischen Enercon und den Stadtwerken, die zu 100 Prozent der Stadt Heidenheim gehören, sein. „Wir möchten weitere Zukunftsmodelle im Bereich der dezentralen Energieversorgung und der Sektorkopplung vorantreiben“, so Dr. Heiko Rüppel, Projektentwickler bei Enercon.

Der größte deutsche Hersteller von Windenergieanlagen als Partner

Als weltweit führend bezeichnet sich der Windenergieanlagen-Hersteller Enercon aus Aurich (Ostfriesland). In Deutschland ist die GmbH der größte Hersteller von Windenergieanlagen. Weltweit hat das Unternehmen seit Gründung 1984 nach eigenen Angaben mehr als 26 500 Onshore-Windenergieanlagen installiert. Das entspricht einer Leistung von weltweit mehr als 43,5 Gigawatt. Im Offshore-Bereich ist das Unternehmen nicht tätig.

An der A 7 baut Enercon derzeit zusammen mit der Wind Energien GmbH den Windpark Ellwanger Berge. Dort entstehen zehn Hybridtürme mit 149 Meter Nabenhöhe, die eine Leistung von mehr als 20 Gigawatt erreichen sollen.

Neue Dimensionen erreicht die Firma Enercon mit dem Windrad E-141 EP4, das 230 Meter hoch aufragt. Es soll nicht nur im Windpark Nattheim, sondern etwa auch in Hambergen bei Bremen, in Gerichstetten bei Tauberbischofsheim oder im Arnsberger Wald bei Soest gebaut werden. Zum Teil wehren sich Bürgerinitiativen gegen den neuen Typ von Windanlagen.

Die Windräder der Firma Enercon gelten nach einem Bericht des Wirtschaftsmagazins Brand eins zu den teuersten, aber auch zu den besten. Das Erfolgsrezept des Unternehmens wird beschrieben mit „Technologieführerschaft, umfassender Service und Dezentralität“. Bekannt sind aber auch Schwierigkeiten mit Gewerkschaften und Betriebsräten: So beklagte die IG Metall, dass die Betriebsratsarbeit im Unternehmen Enercon behindert werde. Diesem Vorwurf widersprachen eine ganze Reihe von Betriebsräten in der Enercon-Firmenzeitschrift „Windblatt“.

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