Ansturm Neue Heidenheimer Stadtbibliothek weckt eine neue Lust am Lesen

Die Fünftklässler der Hirscheckschule waren die ersten Schüler, die eine Führung durch die Bibliothek erhielten. Speziell von der Leseburg und der Jugendbibliothek waren sie angetan. Ihre neu ausgestellten Leseausweise sind nicht in der Bilanz inbegriffen.
Die Fünftklässler der Hirscheckschule waren die ersten Schüler, die eine Führung durch die Bibliothek erhielten. Speziell von der Leseburg und der Jugendbibliothek waren sie angetan. Ihre neu ausgestellten Leseausweise sind nicht in der Bilanz inbegriffen. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Karin Fuchs 22.11.2017
In der ersten Woche haben sich mehr Menschen einen Leseausweis geholt als davor im Jahr 2017. Die Debatte über die Öffnungszeiten ist nicht beendet.

Noch haftet der Stadtbibliothek der Zauber des Neuen inne. Weiterhin kommen viele Menschen, um sich das Stadtbild prägende Bauwerk im Herzen von Heidenheim endlich einmal von innen anzusehen. Mehr als 20 000 Besucher wurden an den Funkschranken am Eingang in der ersten Woche gezählt, einschließlich des Eröffnungswochenendes.

2000 Menschen am Tag

Am ersten regulären Öffnungstag vorigen Dienstag kamen 2000, am Samstag während der drei Stunden Öffnungszeit 1200 Menschen. „Wir haben schon geglaubt, dass die Stadtbibliothek in Erfolg wird, aber mit dem Andrang haben wir nicht gerechnet“, sagt Pressesprecher Wolfgang Heinecker zur Bilanz nach der ersten Öffnungswoche.

Die Menschen kommen nicht allein zum Anschauen. Viele entdecken auch ihre Lust am Lesen oder Hören neu. Allein in der ersten Woche haben die Mitarbeiter der Bibliothek 630 Leseausweise für neue Nutzer ausgestellt.

Die Zahl sagt umso mehr aus, wenn man sie in Relation stellt. In diesen fünf Tagen kamen mehr neue Leser hinzu als im übrigen Jahr 2017, als vor dem Umzug 608 Ausweise ausgestellt worden waren. Dabei sind noch nicht einmal Schulklassen dabei gewesen.

Dass ganz neue Zielgruppen angesprochen wurden, zeigt sich an manchen Reaktionen. Heinecker berichtet davon, dass einige unsicher waren, ob man das Gebäude auch ohne Ausweise oder Eintrittskarte betreten dürfe. „Es wird sich bestimmt schnell herumsprechen, dass das hier ein Bürgerhaus für alle ist“, sich Bibliothekar Klaus-Peter Preußger sicher.

Computerraum sehr gefragt

Schnell bemerkt haben dies schon die Schüler: Die Computerbereiche und Studienräume seien fast immer belegt, berichtet Preußger, ebenso der Gamingraum, der nur an zwei Nachmittagen offen hat. Preußger freut sich über die vielen positiven Reaktionen, wie zum Beispiel die einer 93-jährigen Dame, der das Gebäude von außen nicht gefallen habe, vom Innern jedoch umso mehr begeistert war.

Längere Öffnungszeiten? Stadt will noch abwarten

Alles neu in der Bibliothek – nur die Öffnungszeiten sind die alten. Gerade wegen des guten Anklangs wird der Wunsch nach längeren Öffnungszeiten lauter. Und schon bei den Führung hieß es von städtischer Seite, die aktuellen Zeiten seien auf Dauer wohl nicht haltbar.

Offiziell tut sich das Rathaus mit Aussagen zum Thema aber schwer. Stadt-Sprecher Wolfgang Heinecker bestätigt, dass man am Samstag um 13 Uhr viele Besucher hinausbitten musste. Die Öffnungszeiten seien aber eine politische Entscheidung, noch warte man ab.

Abwarten will auch Bibliothekar Klaus-Peter Preußger, der davon ausgeht, dass der Andrang im Neubau auch wieder nachlässt. Klar macht Preußger die Grenzen für das Personal der Bibliothek: „Wenn wir einen Tag länger öffnen wollen, dann benötigen wir dafür 1,8 Stellen mehr“.