Stück Naturtheater: Wie funktioniert der Bühnenumbau?

Heidenheim / Marita Kasischke 11.08.2016
Das Bühnenbild des Naturtheaters teilen sich "Feuerzangenbowle" und "Die kleine Hexe". Doch es gibt ein paar durchaus wesentliche Unterschiede, und die müssen vor den Aufführungen sorgsam umgebaut werden.

Das Babenberg des „Schölers Pfeiffer mit drei f“ und der Blocksberg von Oberhexe und Muhme Rumpumpel sind in dieser Saison fröhlich vereint auf dem Schlossberg.

Wobei „vereint“ nicht ganz der richtige Ausdruck ist: Denn schließlich verwandelt sich die Bühne des Naturtheaters schön nacheinander zu Babenberg, nämlich freitags und samstags, und mittwochs und sonntags zum Blocksberg.

Das Bühnenbild aber teilen sich „Feuerzangenbowle“ und „Die kleine Hexe“. Aber auch das stimmt nicht so ganz: Denn es gibt ein paar durchaus wesentliche Unterschiede, und die müssen vor den Aufführungen sorgsam umgebaut werden.

Beispiele gefällig? Nun, was sollte wohl die kleine Hexe mit Schulbänken? Der Hexenrat stellt sie zwar vor einige Aufgaben, aber die müssen nicht an der Tafel gelöst werden.

Und das wäre das nächste: die Tafel. Die brauchen Schnauz und Zeus und Pfeiffer, aber Muhme Rumpumpel, mag sie auch noch so belehrend sein, braucht sie nicht.

Und dagegen: Der Schriftsteller Dr. Johannes Pfeiffer führt in der „Feuerzangenbowle“ zwar so manchen aufs Eis, eine Eislaufbahn aber braucht er dafür gar nicht. Die braucht natürlich die kleine Hexe; und dafür wird diese künstliche Schlittschuhbahn eigens immer wieder aufgebaut und wieder abgebaut. „Und die ist ganz schön schwer“, bekunden Lara Tschabrun, Co-Regisseurin der „Feuerzangenbowle“, und Julius Ferstl, der den Dr. Pfeiffer spielt. Sie und viele andere Ensemblemitglieder kommen früher, um aufzubauen, und bleiben länger, um abzubauen.

Genauso gilt das natürlich auch für das Ensemble der „kleinen Hexe“, die ebenfalls mitanpacken.

Und gleich im Gegenzug sagen könnten, dass das Schultor es auch ganz schön in sich hat. Das braucht das Gymnasium zu Babenberg, aber wiederum die kleine Hexe nicht. Und auch da benötigt man ein paar Hände, die mitanpacken.

Und da braucht es die Pyrotechnik, denn die muss jeweils vor der Aufführung der „kleinen Hexe“ dafür sorgen, dass alle ihre Hexereien vom Ästeregen für die Waldfrauen über den Toilettenpapiersegen bis hin zum großen Finale auch funktionieren und auch die „Feuerzangenbowle“ plakativ züngelnde Flammen wirft für die Schlussszene.

Das ist natürlich jedes Jahr so, dass vom Kinderstück mittwochs für die Vorstellungen des Erwachsenenstücks umgebaut werden muss, und umgekehrt vom Erwachsenenstück samstags auf das Kinderstück sonntags.

In dieser Saison ist der Umbau aber – schweres Schultor hin, mächtige Eislaufbahn her – wenig problematisch. Da gab es schon ganz andere Umbauten in der bewegten Geschichte des Naturtheaters.

„Biene Maja“ beispielsweise wird da gerne genannt, die in der Saison 2007 neben „Don Camillo“ ihren großen Auftritt hatte. Das war herausfordernd, und zwar zunächst mal für den Bühnenbildner Christian Horn: Wie um alles in der Welt wird ein italienisches Fischerdorf zu einem Bienenkorb?

Die Lösung war: Blumen. Riesige Blumen und Bienenwaben, die in das Fischerdorf gesteckt wurden, so dass letzteres völlig in den Hintergrund geriet. Geniale Idee, gewiss, aber der Umbau war denn auch sehr viel aufwändiger als die Verwandlung Babenbergs in den Blocksberg.

Da mussten viele, viele Blüten geschleppt, gesteckt und auch wieder abgepflückt werden.

Ganz wegfallen wird der Umbau wohl nie: Denn Pfeiffers Bude muss nun einmal ganz anders aussehen wie das Hexenhäuschen der kleinen Hexe, auch wenn sie sich gewissermaßen eine Wohnung teilen. Und ohnehin müssen ja vor jeder Aufführung die Requisiten und Kostüme parat stehen, sei es nun Pfefferkorns Laden, der Grill des Maroni-Mannes oder auch die Kostüme von Dr. Johannes Pfeiffer und seiner süßen Eva.

Denn beide müssen sich während einer Aufführung rasend schnell umziehen. Glücklicherweise sind auch da immer wieder helfende Hände zur Stelle.

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