Heidenheim / Marita Kasischke  Uhr
Die Sommersaison im Naturtheater ist zwar schon vorbei, dennoch war am Samstag viel geboten auf der Freilichtbühne: Das Gesangsensemble „Ma'cappella“ hatte sich diesen Ort für sein erstes Open-Air-Konzert ausgesucht.

Und an diesem Abend war alles groß: das Bühnenareal ohnehin und bekanntermaßen, die von der Truppe selbst an zwei Tagen aufgebaute Bühne in ihren Ausmaßen beeindruckend. Und groß auch das Zuschauerinteresse: Über 900 Besucher pilgerten auf den Schlossberg, um die Jungs von „Ma'cappella“, die ja allesamt aus der Region stammen, zu erleben.

Die ließen allerdings zunächst einmal auf sich warten. Bis Jens Schauz, Dani Schmid, Nicolas Köhler, Gerrit Illenberger und Jan und Sebastian Jäger erschienen, und das war immerhin gut eine Viertelstunde später als angekündigt, hatte das Publikum ausgiebig Gelegenheit, die Bühnenaufbauten zu bewundern wie auch den Mann, der dort mit Besen noch das letzte Krümelchen von den übergroßen Buchstaben des Bandnamens zu fegen.

Und schließlich kamen sie, die Jungs von „Ma'cappella“, mit großem „Hallo“ – einem gesungenen „Hallo“ nämlich, mit dem sie das Publikum sofort in ihren Bann zogen.

Und so blieb das auch über den Rest des brutto dreistündigen Abends. „Ma'cappella“ sang Altes wie eben das „Hallo“, Neues wie das Lied vom „unerstrebenswerten Star-Sein“, eine Eigenkomposition von Dani Schmid übrigens, Eigenes wie das Lied vom „Sinn des Lebens“, der, wenn es nach „Ma€cappella“ geht, in „Kuscheln, Sex und Händchenhalten“ zu sehen ist, aber auch Stings „Fields of Gold“ oder Michael Jacksons „Billie Jean“ mit traditionell „verkackter“ Performance, wie Moderator Sebastian Jäger nicht vergaß zu erwähnen.

Das Publikum sah über solche Fehler großzügig hinweg, amüsierte sich vielmehr darüber und ließ sich auch durch dann und wann danebengegangene Töne nicht von der Begeisterung abbringen, die die bis hin zur sehr bodenständigen und lässigen Moderation Jägers, der schon auch mal vom Schweinebraten beim Großvater schwärmte, durchdachten und stimmigen Show mit vielen augenfälligen und aufwändigen Lichteffekten hervorrief. Da wurde das – noch stehende – Bühnenbild des Naturtheaters einbezogen, da wurde der „Klang der Stille“ im Vorfeld lyrisch rezitiert, bevor denn der „Sound of Silence“ erklang, in eben jenen präzisen und stimmigen Harmoniegesängen, für die das Publi-kum „Ma'cappella“ schätzen gelernt hat.

Die Mischung aus Gesang und Beatbox, die die sechs jungen Männer liefern, die kam richtig gut an, egal, für welche Stilrichtung sie genutzt wurde. Es gab einen Mix aus AC/DC's „TNT“ mit dem „Bemberle“ der „Stumpfes“, ein spontan eingespieltes „Skyfall“ auf der Loop-Station, Reminiszenzen an die Backstreet Boys ebenso wie an die „Münchner Freiheit“.

Es gab Vergnügliches wie den „4-Chord-Song“, aber auch Andächtiges wie „Lux aeterna“ und „Nearer by good to thee“, die dafür sorgten, was die milden Temperaturen der Septembernacht vermieden hatten: Da kam sie dann doch, die Gänsehaut.

Groß war denn auch die Begeisterung: beim Publikum, das seinen Schlussapplaus meist im Stehen gab, und bei den Künstlern angesichts dieser Beifallsbekundungen für ihr erstes Open-Air-Konzert in den sieben Jahren ihres Bestehens, und das auch noch „in der geilsten Location Heidenheims“, wie Sebastian Jäger bekundete. Da dürfte denn auch die Begeisterung beim Naturtheater groß gewesen sein.

Link: Hier gibt es mehr Beiträge über das Naturtheater Heidenheim.