Rekord Naturtheater 2016: Mehr Besucher als je zuvor

Nor ein wänzeger Schlock – und ein riesiger Erfolg: „Die Feuerzangenbowle“ (hier ein Szenenbild mit Oliver von Fürich als von der alkoholischen Gärung geplagter Professor Crey) verdrängte die „Blues Brothers“ von Platz zwei der bestbesuchten Hauptstücke des Naturtheaters.
Nor ein wänzeger Schlock – und ein riesiger Erfolg: „Die Feuerzangenbowle“ (hier ein Szenenbild mit Oliver von Fürich als von der alkoholischen Gärung geplagter Professor Crey) verdrängte die „Blues Brothers“ von Platz zwei der bestbesuchten Hauptstücke des Naturtheaters. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Manfred F. Kubiak 02.09.2016
Nun lässt auch „Die kleine Hexe“ den Besen ruhen. Mit gleich zwei Vorstellungen des Kinderstücks nach Otfried Preußler ging am vergangenen Samstag die lange Sommerspielzeit im Naturtheater zu Ende. Und die hatte mehr Besucher als jemals zuvor.

„Die Feuerzangenbowle“ war ja bereits eine Woche zuvor, wenn man so will, ausgetrunken gewesen. Aber vielleicht hat man auf dem Schlossberg ein paar Schlückchen zurückbehalten, um nun damit anstoßen zu können. Denn es gibt Grund zum Feiern: Mit insgesamt 47.914 Besuchern steht am Ende der Saison 2016 ein neuer Zuschauerrekord.

Übertroffen wurde in diesem Jahr die alte Bestmarke von 2001, als 47.463 Besucher die Stücke „Sister Act“ und „Pünktchen und Anton“ gesehen hatten. Und auf Rang drei der „ewigen Bestenliste“ – die Statistiken des Naturtheaters werden erst seit 31 Jahren archiviert – fällt damit die Spielzeit 2012 zurück, als bei „Michel aus Lönneberga“ und „Das Wirtshaus im Spessart“ 47.375 Zuschauer gezählt worden waren.

Michel bleibt ungeschlagen

Apropos Lönneberga: Die Michel-Saga bleibt mit 27.715 Besuchern im Jahr 2012 das bislang bestbesuchte Kinderstück im Naturtheater. Daran konnte auch „Die kleine Hexe“ nichts ändern, die ab sofort mit 25 859 Zuschauern allerdings auf dem immer noch sehr beachtlichen Rang fünf der Bestenliste geführt wird. Die insgesamt 25 Vorstellungen des Kinderstücks 2016 wurden im Schnitt von 1034 Zuschauern besucht, was unterm Strich einer Auslastung von 100,8 Prozent bedeutet. Das Naturtheater verfügt über 1026 reguläre und bei enormem Andrang über maximal 64 zusätzliche „Notplätze“.

Solche wurden während der gerade beendeten Spielzeit von der Kundschaft auch bei Vorstellungen gern in kauf genommen, in denen der berühmte „Pfeiffer mit drei f“ in Aktion trat. Die 21 Vorstellungen von „Die Feuerzangenbowle“ sahen im Schnitt 1050 Besucher, was einer Auslastung von sogar 102,4 Prozent entspricht. Insgesamt zählte man 22.055 Besucher. Dies bedeutet Platz zwei in der Bestenliste. Den Platz an der Sonne nimmt in dieser Statistik nach wie vor „Sister Act“ aus der Saison 2001 ein, als in 23 Vorstellungen 24.370 Besucher gezählt wurden. Auf Platz drei verdrängt finden sich ab sofort die „Blues Brothers“ wieder, die 2014 in 21 Vorstellungen 21.528 Zuschauer lockten.

Arbeit, die sich gelohnt hat

Was nun der Naturtheater-Vorsitzende Norbert Pfisterer von der Spielzeit 2016 hält, kann man angesichts dieses Zahlenahlenmaterials unschwer erraten: „Es war eine hervorragende Saison“, lautet das Fazit. Wobei Pfisterer hier nicht bloß die Statistik ins Feld geführt haben möchte. „Am Ende wird zwar zusammengezählt, das ist schon wahr. Ich nehme aber auch die großartigen Leistungen aller Spieler mit, das sichtliche Vergnügen der Zuschauer und die ausnehmend gute Stimmung in den Ensembles. All die Arbeit hat sich gelohnt.“

Immerhin 60 Prozent aller Besucher kommen übrigens von außerhalb des Landkreises Heidenheim ins Naturtheater, wo sich der Publikumserfolg in den vergangenen Jahren regelrecht eingenistet hat. Dies liegt nach Einschätzung von Norbert Pfisterer zum einen daran, „dass wir mit unserer Stückauswahl bei den Leuten ankommen“. Den Hauptgrund sieht der Vorsitzende allerdings in der Tatsache, „dass die Leute inzwischen von all den Medien, mit Hilfe derer man alles abrufen kann, überfüttert sind und in einer Reaktion darauf wieder das Ursprüngliche suchen und nicht alles via Mattscheibe, sondern Menschen aus Fleisch und Blut auf einer Bühne sehen wollen.“

Diese Tendenz, sagt Pfisterer, mache sich ja nicht nur im Naturtheater bemerkbar. „Auch die Opernfestspiele schräg gegenüber verzeichnen stetig mehr Besucher und haben jetzt im dritten Jahr hintereinander einen neuen Zuschauerrekord aufgestellt.“ Ein Umstand, über den sich Norbert Pfisterer übrigens von Herzen freuen kann.

„Ich lege ja persönlich großen Wert darauf, dass sich diese beiden großen Kulturinstitutionen der Stadt in Freundschaft begegnen. Dass sich Naturtheater und Opernfestspiele in früheren Zeiten eher gegeneinander abgeschottet haben, hat mich immer schon gestört. Denn wir machen hier auf dem Schlossberg alle Kultur. Dass wir in der abgelaufenen Saison in einigen Bereichen nun schon eine regelrechte Kooperation hatten, war mit eine besondere Freude. Die Zusammenarbeit hat bestens geklappt und soll, zum Beispiel im technischen Bereich, weiter ausgebaut werden.“

500 Mitglieder, darunter viele junge

Doch nicht nur in dieser Hinsicht sieht Norbert Pfisterer das Naturtheater „auf dem richtigen Weg“. Auch die Mitgliederentwicklung des Vereins, der 2019 sein 100jähriges Bestehen feiern wird, kann sich sehen lassen. 500 Mitglieder zählt der Verein inzwischen. „Darunter viele junge Leute. Und wenn ich ganz abgesehen davon beobachte, wieviele Kinder bei uns mit Feuereifer bei der Sache sind, dann sind wir nicht bloß ein Theaterverein, sondern, was ich für ganz wichtig halte, auch ein Sozialverein.“

Mit dem Ende der Spielzeit kehrt auf dem Areal des Naturtheaters übrigens nicht unbedingt Ruhe ein. Zur Aufführung gelangt ab demnächst das mit viel Lärm und mit mehr als nichts befasste Stück „Baustelle“. Denn die Handwerker rücken an. Im großen Stil umgebaut wird dann der rechterhand des Bühnenareals liegenden Verwaltungsteil des Naturtheaters, von dem, wie man ihn jetzt kennt, letztendlich nur der Theatersaal bestehen bleiben wird. Neu gestaltet werden nicht nur die Bühne des Saals, sondern die Küche, die Maske, die Duschen, die Schneiderei, die Gaststätte und der Kostümverleih.

Kostümverleih wandert in die WCM

Letzterer wird für die Zeit der mit Kosten von 1,2 Millionen Euro veranschlagten Baumaßnahme, die die Stadt als Grundstücks- und Immobilienbesitzerin und das Naturtheater gemeinsam stemmen, in die WCM und da in die Räume der früheren Tanzschule Wrede ausgelagert. Dort wird dann auch das diesjährige Herbststück des Naturtheaters gezeigt werden. Premiere hat „Liebe Jelena Sergejewna“ am 8. Oktober.

Und weil nach der Saison immer auch vor der Saison ist, weiß man, was dann im Sommer 2017 der Spielplan des Naturtheaters bereithält, ja auch schon: Marita Kasischke und Petra Pfisterer werden als Hauptstück „My Fair Lady“ inszenieren – und Oliver von Fürich kümmert sich für Kinder um den „Zauberer von Oz“.

 

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