Heidenheim Naturschutz: Ziegen knabbern die Heide schön

Nach und nach sollen die Ziegen das Gehölz auf der Grünfläche im Osterholz abfressen.
Nach und nach sollen die Ziegen das Gehölz auf der Grünfläche im Osterholz abfressen. © Foto: Vanessa Liebrich-Krismann
Heidenheim / Tina Lischka 13.08.2018
Im Osterholz setzen die Stadt und der Landschaftserhaltungsverband auf Beweidung mit Tieren, um Biotope zu vernetzen und zusätzlichen Lebensraum für Pflanzen und Insekten zu schaffen.

Bis zu einer gewissen Höhe ist das Geäst abgeknabbert. Auch ein kleiner Apfelbaum sieht an den unteren Zweigen ziemlich kahl aus. Überall wo die Ziegen, die das Gelände im Osterholz beweiden, hinkommen, ist die Rinde sichtbar abgefressen. Im Juli war die 80-köpfige Herde, die zur einen Hälfte aus Schafen und zur anderen aus Ziegen besteht, für vier Wochen zur Beweidung dort. Im nächsten Jahr geht es weiter. Grund dafür sind die vom Landratsamt und der Stadt Heidenheim angestoßenen Maßnahmen zur Biotopvernetzung.

Ein Teil des umfangreichen Konzepts der Stadt und des Landschaftserhaltungsverbands beinhaltet die Wiederherstellung der Wacholderheide, die sich direkt an der Osterholzstraße befindet. Im Moment ist hier noch alles stark zugewachsen mit Büschen, Schlehen und anderem Gehölz. „Die Fläche wurde wohl vor 25 Jahren zum letzten Mal beweidet“, erklärt Vanessa Liebrich-Krismann vom Landschaftserhaltungsverband. Im Zuge der Bebauung ist das Areal für Schäfer und ihre Herden zunehmend schwerer zu erreichen gewesen.

Tier-Wanderungen ermöglichen

Um der Tier- und Pflanzenwelt zusätzlichen Lebensraum zu bieten, sei es besonders wichtig, die Heide wiederherzustellen, so Anna Löhri von der Stadtverwaltung. Mit dem Konzept sollen die Biotope, die rund ums Osterholz liegen, vernetzt werden. Das Ziel: durch die dabei entstehende Wacholderheide, Tier-Wanderungen ermöglichen.

Um für Wildbienen, Reptilien, Käfer und Vögel diesen Platz zu schaffen, ist zunächst der Appetit der Ziegen gefragt. Schäfer Rainer Fiedler wurde von der Stadt beauftragt, einmal im Jahr mit seiner Herde ins Osterholz zu ziehen. Im Juli wurde der Anfang gemacht. Einziges Problem: In erster Linie waren nur die Ziegen gefragt. Schafe fressen ausschließlich Gras, die Ziegen hingegen drängen das Gehölz zurück.

Neuer Landschaftspflegestall

Nach vier Wochen, musste die Herde weiterziehen, weil nicht mehr genügend Gras für die Schafe da war – eigentlich waren zwei Monate geplant. Bis 2021 wird die Herde nun einmal pro Jahr im Osterholz weiden. Dann sollen Büsche und Zweige so weit abgefressen sein, dass man mit Motorsägen und Co. den Rest machen kann. Einzelne Gehölze sollen selbstverständlich erhalten bleiben – eine typische Wacholderheide eben, so Löhri und Liebrich-Krismann. Um effizienter vorgehen zu können, plant die Stadt einen kommunalen Landschaftspflegestall, der bis Ende des Jahres stehen soll. Somit soll Fiedler die Möglichkeit haben, seine Herde in Heidenheim unterzustellen und nicht wie bislang in Bolheim. Dann könnte man die Herde aufstocken und im Osterholz nur noch mit Ziegen beweiden.

Immerhin hat der Schäfer mit der Fläche im Heidenheimer Wohngebiet 1,8 Hektar mehr zu beweiden. Auch wenn das Projekt nur bis 2021 laufen soll, ist danach kein Ende der Beweidung geplant. „Wenn man dort 30 Jahre nichts macht, buscht alles zu und die Schlehen nehmen die Fläche ein“, sagt Liebrich-Krismann. Die Landschaftspflege soll hier also langfristig weiterbetrieben werden.

Was beinhaltet das Biotopvernetzungs-Konzept?

Die Biotopvernetzung beinhaltet in Heidenheim insgesamt drei Landschaftspflege-Maßnahmen. Die größte ist die im Osterholz. Hinzu kommt eine Feuchtwiese, die in Aufhausen hergestellt wird und die Aufwertung eines Teichs im Viehtal.

Neben der Stadt Heidenheim sind die Gemeinden Dischingen und Nattheim beteiligt. Federführend war dabei die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt. Nachdem die Beteiligten gemeinsam Ideen gesammelt haben, waren die Stadt und die Gemeinden gefragt und mussten jeweils für sich Förderanträge stellen.

Finanziert wird das Ganze unter anderem durch Ausgleichszahlungen durch die Windenergie. Die Förderung in Heidenheim erfolgt zu 70 Prozent die restlichen 30 Prozent werden von der Stadt getragen.

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