Heidenheim Nachhaltigkeit im Alltag lernen und erfahren

Holger Nagel, Schulleiter des Hellenstein-Gymnasiums freut sich auf die Teilnahme am Modellprojekt im Rahmen der Agenda 2030, sieht aber auch die enormen Herausforderungen, die auf seine Schule zukommen.
Holger Nagel, Schulleiter des Hellenstein-Gymnasiums freut sich auf die Teilnahme am Modellprojekt im Rahmen der Agenda 2030, sieht aber auch die enormen Herausforderungen, die auf seine Schule zukommen. © Foto: Archiv/Markus Brandhuber
Heidenheim / Andreas Uitz 09.10.2018
Zwei Heidenheimer Schulen beteiligen sich an einem Modellprojekt des Kultusministeriums im Arhmen der Agenda 2030, das Nachhaltigkeit fördern soll.

Für eine gerechte Welt und mehr Nachhaltigkeit wollen sich die Vereinten Nationen mit der Agenda 2030 einsetzen. Anfang des Monats sind der Landkreis und die Stadt Heidenheim gemeinsam offiziell dieser Agenda beigetreten.

Da es das in dieser Konstellation im ganzen Land noch nirgends gibt, richtet auch das Kultusministerium ein ganz besonderes Augenmerk auf die Stadt. Und hier insbesondere auf zwei Schulen und drei Schularten: das Hellenstein-Gymnasium sowie die Grundschule und die Gemeinschaftsschule der Friedrich-Voith-Schule.

Große Ziele für die Schulen

Achim Beule ist Nachhaltigkeitsreferent im Stuttgarter Kultusministerium. Er kümmert sich um die Planung des Modellprojekts, das mit Beginn des zweiten Schulhalbjahres beginnen soll. Im Wesentlichen gehe es um den Unterpunkt 4.7 der Agenda 2030, erläutert Beule. Dessen Umsetzung wolle man an den Heidenheimer Schulen vorantreiben. Der Punkt besagt, dass bis 2030 alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Qualifikation zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben sollen, unter anderem durch Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Lebensweisen, Menschenrechte und Geschlechtergleichstellung. Es geht auch um eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Weltbürgerschaft und die Wertschätzung kultureller Vielfalt und den Beitrag der Kultur zu nachhaltiger Entwicklung.

Große Ziele also, die sich die Schulen vornehmen wollen. Doch wie lässt sich das umsetzen? „Es geht darum, den nachhaltigen Gedanken nicht nur in AGs zu vertiefen, sondern die gesamte Schule, den Lehrplan und das schulische Leben mit einzubinden“, so Beule. „Nachhaltigkeit soll nicht nur unterrichtet, sondern auch gelebt werden.“

Wie genau das funktionieren soll, was dafür notwendig ist, und in welche Bereiche das eingreifen würde, ist noch offen. „Genau das wollen wir in den Schulen im Modellprojekt ja herausfinden“, so Beule. Zu diesem Zwecke müsse zunächst eine Bestandserhebung gemacht werden. Dabei geht es darum, herauszufinden, wo die Schulen in Bezug auf Nachhaltigkeit stehen, „wir klopfen die ganze Einrichtung diesbezüglich ab“, erklärt Beule.

Wenn es dann darum geht, die Schulen weiter zu entwickeln, müssen sich alle daran beteiligen. „Da sind dann die Schulleiter, die Lehrer, die Schüler, die Eltern, die Hausmeister und auch der Träger, sprich, die Stadt Heidenheim gefragt“, sagt Beule. Bei diesem Prozess sollen die Beteiligten so gut wie möglich betreut, aber auch finanziell unterstützt werden. „Bisher gibt es so etwas noch nicht in Baden-Württemberg“, sagt Beule, deshalb werde man auch mit externen Partner zusammenarbeiten und die Fachberater für Schulentwicklung mit einbinden.

In Heidenheim wolle man das bewusst an drei verschiedenen Schularten versuchen. Das Hellenstein-Gymnasium spielt dabei ein wichtige Rolle, weil es die erste Fair-Trade-Schule im ganzen Land war. „Natürlich beteiligen wir uns sehr gern an dem Modell“, sagt Schulleiter Holger Nagel. Auch wenn er die Auswirkungen und die Vorgehensweise noch nicht vorhersehen kann. „Das ist sicherlich ein sehr schwieriges und vielschichtiges Thema“.

Große Hoffnung

Nagel setzt große Hoffnungen in das Projekt. Es gehe nämlich auch um qualitativ hochwertigen Unterricht und dessen Bemessung. „Vielleicht kann man das auch daran messen, wie Bildungsinhalte vermittelt werden und nicht nur, wie bisher, anhand von Noten.“ Als Herausforderung sieht er den Ansatz, Nachhaltigkeit nicht nur in Schüler-Projekten zu praktizieren, sondern tatsächlich in den Schul- und Unterrichtsalltag einzubetten. „Da wird man sich etwa die Frage stellen, wie man Sportunterricht nachhaltig machen kann“, so Nagel. Die Nachhaltigkeit greife aber auch in den Umgang mit den Gebäuden, in die Materialbeschaffung, den Energieverbrauch und das Verhalten im Schulalltag ein. Wie das funktionieren soll? Noch gibt es für all diese Fragen keinerlei Antworten. Die nämlich gilt es, im Rahmen des Modells erst zu finden.

Die 17 Ziele der Agenda 2030

Die Stadt und der Landkreis Heidenheim sind gemeinsam der Agenda 2030 beigetreten, eine weit und breit bisher einmalige Konstellation. Auch deshalb befinden sich die Modellschulen in Heidenheim.

Die Agenda 2030 umfasst 17 Punkte: Keine Armut, Kein Hunger, Gesundheit und Wohlergehen, Hochwertige Bildung, Geschlechtergleichheit, Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen, Bezahlbare und saubere Energie, Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum, Industrie Innovation und Infrastruktur, Weniger Ungleichheiten, Nachhaltige Städte und Gemeinden, Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion, Maßnahmen zum Klimaschutz, Leben unter Wasser, Leben an Land, Frieden Gerechtigkeit und starke Institutionen sowie Partnerschaften zur Erreichung der Ziele.

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