Kinder Nachfrage nach Tageseltern für Kleinkinder bleibt hoch

Karin Keller und ihr Team vom Kindertagespflegeverein sind immer auf der Suche nach Tageseltern. Die Nachfrage reißt nicht ab.
Karin Keller und ihr Team vom Kindertagespflegeverein sind immer auf der Suche nach Tageseltern. Die Nachfrage reißt nicht ab. © Foto: privat
Heidenheim / Elena Kretschmer 07.06.2017
Immer mehr Eltern fragen nach einem Betreuungsplatz für ihr Kind, doch es fehlt geschultes Fachpersonal.

Seit einem guten Jahr verschärft sich die Situation beim Kindertagespflegeverein Heidenheim. „Weil die Fluktuation bei uns so hoch ist, suchen wir ständig neue Tageseltern“, erklärt Geschäftsführerin Karin Keller. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach freien Plätzen ungebrochen – nicht zuletzt deshalb, weil seit 2013 ein rechtlicher Anspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder ab dem ersten Geburtstag besteht. „Immer mehr Eltern wünschen sich einen Betreuungsplatz für ihr Kind, gleichzeitig gestaltet sich die Suche nach neuen Tagespflegepersonen schwierig“, schildert die Geschäftsführerin weiter.

Zahlen missverständlich

Demnach seien die Zahlen, die in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses vorgestellt wurden, missverständlich interpretiert worden. „Die Nachfrage geht in keinster Weise zurück“, betont Keller. Im Gegenteil, die Zahlen seien seit 2014 konstant. „Es ist aber so, dass die Zahl der Kindergarten- und Schulkinder zurückgeht und die Zahl der unter Dreijährigen steigt.“

Bestmögliche Betreuung für alle

Da diese Altersgruppe ein hohes Maß an pädagogischen Fähigkeiten erfordere, führe das oft dazu, dass sich Kapazitäten verschieben. „Dann kümmert sich eine Tagesmutter, die eigentlich fünf Kinder versorgen könnte, lieber nur um drei – einfach, um die bestmögliche individuelle Betreuung zu gewährleisten.“ Damit der Verein dann allerdings noch mehr Kinder unter drei Jahren unterbringen kann, braucht er wiederum mehr Tagespflegepersonen. Ein Teufelskreis.

Ein weiteres Problem sind die Ganztagesplätze. „Von sieben oder acht bis 17 oder 18 Uhr, das bieten nicht alle Tagesmütter so umfangreich an“, erläutert Fachberaterin Sandra Hirner. In einer Krippe ist ein freier Platz klar definiert. „In der Tagespflege erteilt das Jugendamt eine Genehmigung, wie viele Kinder eine Tagesmutter gleichzeitig betreuen kann“, so Keller. Doch entscheide jede Tagesmutter für sich, wie viele Kinder und zu welchen Zeiten sie innerhalb dieses Rahmens betreuen möchte. Außerdem sei die Kindertagespflege eine sehr individuelle Betreuungsform, weshalb auch die „Chemie zwischen Eltern und Tageseltern stimmen muss“.

Wo soll die Reise hingehen?

Wo die Reise mit der Kindertagespflege hingeht, weiß Karin Keller nicht. Doch dadurch, dass sie nebenbei ehrenamtlich im Vorstand des Landesverbandes tätig ist, bekommt sie auch mit, was auf politischer Ebene passiert. So bemüht sich der Landesverband gerade intensiv darum, dass der Aufwandsersatz für Tagespflegepersonen erhöht wird und dass die Einstufung bei der Krankenversicherung so erhalten bleibt, wie sie jetzt ist.

In Sachen Personal hat der Kindertagespflegeverein mit Alexandra Geier jetzt jedenfalls Verstärkung bekommen. Die 40-jährige Herbrechtingerin kümmert sich seit Mai unter anderem um die Öffentlichkeitsarbeit. „Wir haben heuer vom Land einen Zuschuss bekommen und damit mehr Personalkapazität für die Suche nach Tageseltern“ – für Keller ein Hoffnungsschimmer.

Zahlen im Überblick

Beim Kindertagespflegeverein arbeiten derzeit sechs Sozialpädagoginnen, die Tageseltern und Eltern fachlich beraten und begleiten. Zudem betreuen 98 aktive Tageseltern 247 Kinder, davon 149 unter drei Jahren. Männliche Tagespflegepersonen gibt es lediglich zwei. Zur hohen Fluktuation sei erwähnt, dass vor zwei Jahren 39 Tagesmütter ausschieden, 43 neue kamen dazu. 2016 drehte sich der Spieß um: 39 schieden aus, nur 35 neue kamen.