Umbau Nach Verzögerung: Klinikum vor der nächsten Bauphase

Das Klinikum Heidenheim ist in ständiger Veränderung, das Provisorium ist Programm: Der neue Bauabschnitt mit dem Bettenhaus B1 entsteht zwischen dem bestehenden Funktionsbau (links im Bild) und dem neuen Haus C (rechts). Dafür muss der alte Erweiterungsbau (Bildmitte, grünes Dach) und Teile der sich links anschließenden alten Personalcafeteria weichen.
Das Klinikum Heidenheim ist in ständiger Veränderung, das Provisorium ist Programm: Der neue Bauabschnitt mit dem Bettenhaus B1 entsteht zwischen dem bestehenden Funktionsbau (links im Bild) und dem neuen Haus C (rechts). Dafür muss der alte Erweiterungsbau (Bildmitte, grünes Dach) und Teile der sich links anschließenden alten Personalcafeteria weichen. © Foto: Geyer-Luftbild
erwin bachmann 20.06.2016
Auf dem Schlossberg bereitet man sich auf die Fortsetzung des Klinikum-Umbaus vor. Die Termine sind bereits gesetzt – das grüne Licht steht noch aus.

Mit dem zweiten Bauabschnitt kommt ein sehr gewichtiges Investitionsprogramm ins Rollen. Die reinen Neubaukosten belaufen sich auf rund 57 Millionen Euro, die ohne die Hilfe des Landes nicht zu schultern sind. In Stuttgart sind denn auch 35 Millionen Euro in Aussicht gestellt, doch um an die Fördertöpfe zu kommen, braucht es auf Heidenheimer Ebene erst mal einen Baubeschluss: Je früher, desto besser, weil im Zuge der Vorabbaumaßnahmen bereits einige Millionen Euro – man spricht von sechs – vorfinanziert werden mussten.

Im Wissen darum hätte dieser Baubeschluss denn auch schon im März dieses Jahres gefasst werden sollen. Nicht vom Aufsichtsrat, wie zu erwarten war, sondern von der durchweg mit Kreisräten besetzten Gesellschafterversammlung der gGmbH, deren Alleingesellschafter Landrat Thomas Reinhardt ist. Eben dieser hatte dann aber entschieden, die Angelegenheit zu vertagen. Aus „formalen Gründen“, so seine Erklärung auf Anfrage unserer Zeitung, habe das damals tagende Gremium den Baubeschluss nicht fassen können.

Was wirklich dahinter steckt, ist schwer zu fassen. Deutlich wurde, dass die mit dieser Weichenstellung verbundene Verzögerung nicht nur auf politischer Ebene zu einigen Irritationen geführt hat. Im Mai machte Heidenheims Bürgermeister in einer Kreistagssitzung Druck und sprach von Gerüchten, die in der Ärzteschaft des Klinikums kursierten, wonach es mit den Baumaßnahmen nur schleppend vorangehe und – schlimmer noch – die derzeitigen politischen Akteure einen Abschluss in ihrer Amtszeit nicht mehr erleben würden. Landrat Thomas Reinhardt wollte von solchen Mutmaßungen allerdings nichts gehört haben und bekräftigte, am Baubeschluss festzuhalten: „Wir ziehen das Ding so gut wie möglich durch.“

Offenbar herrschten unterschiedliche Auffassungen darüber, welches Gremium denn nun eigentlich am Zug ist, grünes Licht für das millionenschwere Projekt zu geben. Manche Verantwortlichen sahen hier den Aufsichtsrat in der Pflicht, dem neben den dominierenden Mitgliedern des Kreistages unter anderem auch Vertreter des Klinikums-Betriebsrates angehören. Der Landrat räumt ein, dass der Aufsichtsrat nach der Satzung tatsächlich zuständig ist, und dem Vernehmen nach soll dieses Gremium denn auch schon seine Zustimmung zum Fortgang des Bauprogramms erteilt haben. Gleichzeitig weist Reinhardt aber darauf hin, dass auch die Möglichkeit besteht, wichtige und grundsätzliche Entscheidungen auf die Ebene der Gesellschafterversammlung hochzuzonen – was er im vorliegenden Fall nicht zuletzt gerechtfertigt sieht, weil auch der erste Bauabschnitt von diesem Organ beschlossen worden worden war. Darüber hinaus hält er die vom Kreistag besetzte Gesellschafterversammlung deshalb für richtig, weil sich – erstmals – auch der Landkreis an den Baukosten beteiligt: mit jeweils 2,5 Millionen Euro im Jahre 2017 und 2018.

Die Frage, ob dieses Engagement des Alleingesellschafters an seinem unverändert in den roten Zahlen operierenden Klinikum angemessen oder eher unzureichend ist, wird unterschiedlich beurteilt, wobei sich insbesondere die Sichtweisen zwischen Krankenhauspolitik und Krankenhauspraxis unterscheiden. Einig ist man sich jedoch darüber, dass der Baubeschluss jetzt rasch gefasst werden muss, damit die schon abrufbaren Landesmittel in Fluss kommen und keine weiteren Verzögerungen eintreten, die dem Klinikum teuer zu stehen kommen könnten. Dieser Zielsetzung entspricht jetzt der neue Fahrplan, demzufolge die Beschlussfassung am 11. Juli im Doppelpack vorgesehen ist: Unmittelbar bevor die Gesellschafterversammlung die Baumaßnahmen absegnet, wird der Kreistag über den Landkreis-Zuschuss befinden.

Für die Zukunft des Klinikums und die regionale Gesundheitsversorgung ist dieser Tag von großer Tragweite. Im 8. Jahr des auf insgesamt 132 Millionen Euro veranschlagten XXL-Bauprogramms wird über eine Bauphase entschieden, die zentrale Funktionen des Klinikums berührt. Herz des Ganzen ist das neue Bettenhaus B1, das anstelle des im Frühjahr 2017 auf der Abbruchliste stehenden Erweiterungsbaus aus dem Jahre 1980 entstehen wird. In diesem 6600 Quadratmeter umfassenden Neubau werden ab Ende 2020 auf sieben Ebenen die neue Radiologie, der neue OP-Bereich samt der zentralen Sterilgutversorgung sowie zwei bettenführende Stockwerke Platz finden. Die hohen Kosten dieses Bauteils erklären sich nicht zuletzt durch die vielen hochinstallierten Bereiche.