Heidenheim / Manfred Allenhöfer  Uhr
Ein Quintett hat Wolfgang Weiss bei der Organisation der Naturtheater-Reihe "Kultur im Café" abgelöst. Weiss hatte für sich die unbeschränkte „Intendantenfreiheit“ beansprucht und musste aufgeben.

Weiss hat das 15 Jahre lang gemacht „und eine verdienstvolle Reihe initiiert und mit viel Leben gefüllt“. Wieviel Arbeit und Zeit und Energie er in das Projekt gesteckt habe, das traditionell die ersten Wochen eines neuen Jahres mit Kultur zu bestücken helfe, „das merken wir erst jetzt“, so Oliver von Fürich.

Wolfgang Weiss hatte im letzten Jahr verkündet, dass er die Reihe nicht mehr weiter organisieren wolle: „Der Verein hat sich überlegt, dass nach 15 Jahren womöglich eine gewisse Verjüngung der Reihe angebracht sein könnte“, meint von Fürich. Weiss hingegen hat für sich die unbeschränkte „Intendantenfreiheit“ beansprucht; und so war klar, dass es neue Köpfe bei der Organisation braucht – „oder die Reihe wäre eingeschlafen“.

Als die letzte Veranstaltung 2013 der bislang insgesamt erfreulich erfolgreichen Reihe beendet war und sich an Weiss' Entschluss nichts änderte, fand sich ein Fünferteam zusammen, das bereit war, diese Aufgabe zu übernehmen: Neben der Lehrerin Ulrike Valentin und Oliver von Fürich, der bei der Stadtverwaltung arbeitet, waren das Sonja Fritz, die im Naturtheater hauptberuflich für die Kostüme zuständig ist, der Fahrer Christoph Harkai und die Sozialarbeiterin Katharina Wagner, von Fürichs Lebensgefährtin

Fritz: „Wir haben uns zunächst inhaltliche und konzeptionelle Gedanken gemacht und uns überlegt, was gut ins Naturtheater passt“. Nächstes war die Festlegung der Daten und auch die Absprache mit weiteren Naturtheater-Abteilungen wie der Technik oder Bewirtung. Von Fürich: „Wir haben auch die Kontakte von Weiss nutzen können. Einige der Auftretenden waren schon mal da. Aber beispielsweise die Gastspiele der Profikollegen vom Aalener Stadttheater sind neu.“ Und neu sei auch, dass es „Themen-Wochenenden“ gibt: Eine Einteilung, die die sechs Wochenenden sehr übersichtlich strukturiert – und hinter der eine Menge Arbeit stecken dürfte. Die sechs Wochenenden stehen unter den Titeln Musik – Theater – Heidenheim – Literatur – Naturtheater – „und zum Abschluss gibt's noch einen Kessel Buntes“, schmunzelt Ulrike Valentin. Es tritt ein Augsburger Kabarettist auf („So gut eingeführt ist unsere Reihe, dass wir auch Anfragen bekommen – in diesem Fall hat sich eine Agentur gemeldet“). Und den Abschluss macht dann der Geislinger Journalist und Krimiautor Manfred Bomm, der bei „Kultur im Café“ auch schon aufgetreten ist, am 15. Februar aber sogar eine „Premierenlesung“ anbieten kann: „Das ist doch was“, meint Sonja Fritz.

Die Reihe muss sich tragen: Mit den Einnahmen sind die Honorare und die weiteren Kosten zu begleichen. „Fürs Naturtheater darf das kein Draufzahlgeschäft werden“, weiß von Fürich. Zu den Eintrittsgeldern kommen noch die Einnahmen vom Trinken und Essen: Der Raum fasst 80 Plätze („und hat noch ein paar Stehplätze – es dürfen halt höchstens 99 Besucher sein“, von Fürich) und wird mit Tischen versehen sein. „Man kann immer davor oder zwischendurch oder danach auch was trinken oder essen; das Ambiente soll stimmen“, meint Harkai.

Und wenn dann der 16. Februar angebrochen sein wird, wird das neue Organisationsquintett wissen, ob es eine Fortsetzung der 16. Reihe „Kultur im Café“ geben wird: „Nur, wenn unsere Angebote auch angenommen werden“, so von Fürich. Der Vorverkauf startete übrigens bereits – zeitgleich mit dem der Hauptproduktionen im Sommer.

Das Programm für den Winter 2014 im Einzelnen: Den Auftakt macht am Freitag, 10. Januar, die hiesige Folkband „Giants Causeaway“, die nicht das erste Mal im Naturtheater auftritt. Tags drauf gibt eine „P-Lounge“ ein „Clubkonzert“. Dahinter steckt maßgeblich der Profimusiker Markus Braun, der bei den Naturtheater-„Blues Brothers“ im Sommer 2014 die musikalische Leitung innehat. „Ich hab' die Gruppe schon zweimal erlebt, die ist richtig gut“, meint Fritz. Die Musiker stammen aus dem Aalener, Gmünder und Stuttgarter Raum.

Das „Theater-Wochenende“ (von Fürich: „Wir wollten unbedingt Theater im Theater“) wird weitgehend von Aalener Kräften ausgestaltet: Am Freitag, 17. Januar, kommt der „Drama Club“, das sind fünf Mädchen zwischen 15 und 20 Jahren, die sich bei „19 Minuten“ mit dem Massaker an der Columbine Highschool in den USA befassen.

Und dann kommen zweimal Profis vom Aalener Stadttheater: „Wir haben Kontakt aufgenommen mit dem neuen Intendanten, der gleich angetan war von der Idee“. Warum er zwei Produktionen hier präsentiert, wo es doch für Heidenheimer kein Problem sein kann, sich in Aalen Stücke anzuschauen? „Vielleicht will der Intendant einige Skeptiker überzeugen.“

Er kommt mit einer Zwei- und einer Ein-Personen-Produktion: Jeweils kurz nach den Premieren sind am Samstag „Der Krawattenclub“ und am Sonntag „Die große Erzählung“ zu sehen.

„Heidenheim“ vertritt am Folgewochenende „Bernd Elsenhans solo“, der schon einiges fürs Naturtheater getrommelt hat, freitags. Am Samstag treten Freywolf und Klaus-Peter Preußger auf, am Sonntag „Axel Nagel 360 Grad“. Mit dabei hat der Musiker, der grad für die aktuelle Aalener Produktion engagiert ist, Markus Braun („Blues Brothers“!) und Steffen Köble.

Bernd Merkle, Silvia Stolzenburg und Klaus-Peter Preußger bestreiten dann das folgende, das literarische Wochenende.

Dann kommt der Naturtheater-Block: „Wir haben gerade keine eigene Produktion, so wie früher etwa mal den ,Kontrabass', die wir zeigen könnten“, meint von Fürich. Und so bestreite die erste Hälfte des ersten Abends der Naturtheaterchor, dann kommen die beiden Naturtheater-Gewächse Matthias Wagner und Johannes Voogdt („Eisengesicht“) , die als „2 Dates 4 Judy“ den „Heidenheim Contest“ gewannen und in der Folge als Vorband von „Boss Hoss“ im Brenzpark auftraten.

Die Theaterjugend präsentiert am Samstag das Werkstattstück „Weibsbilder“ mit „Improvisationen rings ums Thema Weiblichkeit“, meint Valentin.

Das Schlusswochenende bestreiten dann der Augsburger Kabarettist Martin Sierp („Zum Anbeißen“) und schließlich der Geislinger Lokaljournalist Manfred Bomm mit seiner Premierenlesung: Sein regionaler Lokalkrimi „Machtkampf“, der unter anderem ins nahe Böhmenkirch führt, wird am 15. Februar noch ganz druckfrisch sein.