Heidenheim/Honduras / Hendrik Rupp  Uhr
Voith hat die Lieferung für einen Wasserkraft-Auftrag in Honduras gestoppt. Der dortige Kunde ließ womöglich eine Aktivistin umbringen.
Honduras hält einen traurigen Rekord: Das bettelarme Land in Mittelamerika hat die höchste Mordrate der Welt. Über 7000 Morde wurden 2013 gezählt – zum Vergleich: In Deutschland mit mehr als zehnmal so viel Einwohnern waren es 2013 nur 282 Morde gewesen.

Der Mord an Berta Cáceres aber machte Schlagzeilen. Am 3. März, einen Tag vor ihrem 43. Geburtstag, war die international renommierte  Menschenrechts- und Umweltaktivistin von maskierten Tätern in ihrer Heimatstadt regelrecht hingerichtet worden. Cáceres, Mitbegründerin einer Gesellschaft zur Wahrung der interessen der indigenen Bevölkerung in Honduras, hatte unter anderem auch gegen Staudammbauten am Gualcarque-Fluss gekämpft. Eines davon: Das Kraftwerk Aqua Zarca, das vom honduranischen Energiekonzern Desa gebaut wird. Sein Turbinenzulieferer: Voith Hydro.

Noch im März hatte sich Voith angesichts der Kritik von Umweltorganisationen in ener Stellungnahme zum Tod von Berta Cáceres und einem ihrer Mitstreiter geäußert, der ebenfalls im Frühjahr ermordet wurde. Man hoffe auf Aufklärung, hieß es bei Voith. Dass die Täter gefunden würden, war damals aber höchst unwahrscheinlich.

Razzien führen zu Festnahmen

Ende April aber wurden in einem Aufbäumen des Staates gegen Korruption und Sumpf zahlreiche führende Polizeichefs des Landes gefeuert – und am vergangenen Montag gelang der Polizei das Unerwartete: In mehreren Razzien wurden landesweit vier Männer festgenommen, die Berta Cáceres getötet haben sollen.

Und erste Medienberichte bergen Zündstoff: Nach Angaben honduranischer Tageszeitungen befinde sich unter den Verhafteten ein Angehöriger der Armee und ein ehemaliger Militär – aber auch mindestens ein Mitarbeiter des Energieunternehmens Desa – dem Geschäftspartner von Voith also. Der britische „Guardian“ vermeldete gar, auch einer der Ex-Militärs sei bei Desa als Sicherheitsbeauftragter in Lohn und Brot gestanden.

Die Nachricht, die am Montagabend Europa erreicht hatte, sorgte auch hierzulande für Kritik – und das auch an deutschen Zulieferern wie Voith: Mit der Desa kooperierende Firmen „tragen Mitschuld an Menschenrechtsverletzungen“, so die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam in einem Statement.

Das lässt Voith nicht auf sich sitzen: „Wir haben unseren Kunden Desa nach eingehender Prüfung der Situation informiert, dass wir aufgrund des gegen aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter von Desa bestehenden Tatverdachts bis auf Weiteres alle Lieferungen für das Projekt einstellen“, teilte Voith am Mittwoch mit. Voith habe den honduranischen Kunden aufgefordert, mit den Behörden zu kooperieren und zu einer schnellen Klärung des Sachverhaltes beizutragen.

Attentate machen betroffen

„Abhängig vom weiteren Verlauf und den Ergebnissen der Ermittlungen werden wir entscheiden, ob die Lieferungen wieder aufgenommen werden können“, so das Statement: „Voith verurteilt jede Art von Gewalt und toleriert keinerlei Form von gesetzwidrigem Verhalten.“ Die Attentate in Honduras hätten Voith „tief betroffen gemacht“.

Steigt Voith tatsächlich aus dem Geschäft aus? Dass das absolut möglich ist, hatte Voith-Konzernchef Dr. Hubert Lienhard erst kürzlich im Gespräch mit der HZ erklärt: Mit ausdrücklichem Verweis auf das Beispiel in Honduras hatte Lienhard erklärt, dass der Konzern sich in letzter Konsequenz auch aus zweifelhaften Geschäften zurückziehen könne und werde. Wie lange es bis zur endgültigen Entscheidung über das Geschäft dauern wird, teilt Voith noch nicht mit.

 Die Aufträge beim honduranischen Kraftwerk Agua Zarca haben laut Angaben von Voith ein Volumen von rund acht Millionen Euro – für ein Kraftwerksprojekt eher ein kleiner Fisch.