Oldtimer Nach 26 Jahren: Wahl-Bus rollt wieder

So sahen die öffentlichen Omnibusse einst im Landkreis Heidenheim aus, bis der Busunternehmer Wahl spektakulär pleite machte. Frühere Mitarbeiter trafen sich zu einer Oldtimer-Spritztour.
So sahen die öffentlichen Omnibusse einst im Landkreis Heidenheim aus, bis der Busunternehmer Wahl spektakulär pleite machte. Frühere Mitarbeiter trafen sich zu einer Oldtimer-Spritztour. © Foto: Foto: Joachim Bozler
Heidenheim / Karin Fuchs 09.12.2015
Die blau-rote Omnibus-Flotte des Heidenheimer Busimperiums Wahl und Söhne ist 1986 mit dem Firmenzusammenbruch aus dem Stadtbild verschwunden. 26 Jahre später drehte ein alter Wahl-Reisebus hier wieder seine Runden. Eingestiegen waren ehemalige Wahl-Mitarbeiter.

Der Bus ist mit seinen 32 Jahren mittlerweile ebenso ein Oldie wie die früheren Mitarbeiter. Fast alle sind schon in Rente, früher standen sie einmal im Dienste von Fritz Wahl. Dieser hatte das vom Großvater gegründete Busunternehmen zum größten Europas ausgebaut. 600 Mitarbeiter waren in den Glanzzeiten angestellt und fuhren teils durch ganz Europa, bis dem Busunternehmen das Geld ausging und es Konkurs machte. Firmenchef Wahl war drei Jahre lang untergetaucht und wurde in Mexiko schließlich verhaftet. In Deutschland wurde er zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Zeit im Gefängnis kehrte er nach Mexiko zurück, wo er 2008 starb.

Ein Zeitzeuge dieser spektakulären Unternehmenspleite ist Henk de Jong. Fritz Wahl hatte ihn zusammen mit anderen Busfahrern in Holland angeheuert. De Jong zog nach Heidenheim und blieb hier. Nach dem Ende von Wahl war er bis 2003 Busfahrer bei der daraus entstandenen Heidenheimer Verkehrsgesellschaft (HVG).

Auch wenn die Geschichte schon lange zurück liegt, so ist doch ein Kern von Wahl-Mitarbeitern bis heute miteinander in Kontakt geblieben. Ein ganz besondere Verbindung gibt es nach England. Dort hatte Fritz Wahl einst das Busunternehmen Webb übernommen. Der Sohn des Unternehmensgründers kam daraufhin von England nach Heidenheim, um ebenfalls für Wahl zu arbeiten. Anders als De Jong blieb Webb nach dem Wahl-Ende nicht in Heidenheim, sondern kehrte zurück in seine englische Heimat nördlich von London.

Geschichte entstaubt

Dort hat nun der Sohn Richard Webb die Wahl-Geschichte in Form eines Omnibusses entstaubt. Vor sechs Jahren kaufte er für 50 000 Euro einen Mercedes 303. Eigens für den englischen Linksverkehr gebaut, soll es der letzte Bus gewesen sein, den Fritz Wahl nach England in sein Tochterunternehmen geschickt hatte. Richard Webb restaurierte den Bus und bietet den Oldtimer nun an als Gefährt für Fest- und Hochzeitsgesellschaften oder sonstige besondere Anlässe. Noch immer sind die blau-roten Farben und der Wahl-Schriftzug auf dem Bus zu sehen, selbst die Firmenadresse von Wahl, dem heutigen Sitz der HVG, ist noch auf die Türe gedruckt.

Hoher Tachostand

Über eineinhalb Millionen Kilometer weit ist der Oldtimer-Bus mittlerweile gefahren. 2400 Kilometer davon fallen auf die erste Auslandsfahrt des alten Wahl-Busses vor einer Woche, die Heidenheim als Ziel hatte. Also den Ort, von dem der Bus einst nach England geschickt worden war. Dreieinhalb Tage lang dauerte die Tour in die Vergangenheit, die gleichzeitig auch eine Junggesellen-Abschiedsfahrt war. Vor der Hochzeit kurz vor Weihnachten machte sich Richard Webb gemeinsam mit Freunden und anderen englischen Busunternehmern auf die historische Fahrt nach Heidenheim.

Und dort traf er auch auf früherer Kollegen des Vaters. Einige Wahl-Mitarbeiter sind auch fast 30 Jahre nach dem Konkurs in Kontakt, treffen sich regelmäßig zum Stammtisch. Kurzerhand organisierten sie ein Treffen mit den englischen Gästen – Spritztour im Wahl-Bus eingeschlossen.

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