Veeh-Harfe Veeh-Harfe: Das Instrument, das keine Noten braucht

Zusammen macht es mehr Spaß: In einem Spielkreis treffen sich die Hobby-Musiker, um gemeinsam mit ihren Veeh-Harfen zu musizieren. Auch für Auftritte wird im Api-Gemeinschaftszentrum geprobt.
Zusammen macht es mehr Spaß: In einem Spielkreis treffen sich die Hobby-Musiker, um gemeinsam mit ihren Veeh-Harfen zu musizieren. Auch für Auftritte wird im Api-Gemeinschaftszentrum geprobt. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Tina Lischka 25.10.2018
Das Instrument kann man auch ganz ohne Notenkenntnisse spielen. Im Gemeinschaftszentrum der Apis in Heidenheim haben sich Gleichgesinnte in einem Spielkreis zusammengefunden.

Einmal zupfen – ein zweites Mal: Und schon wird wieder die Stimmgabel gezückt. Der Ton stimmt noch nicht ganz, und so geht es weiter – von Saite zu Saite, solange bis Gisela Schlumpberger gefühlvoll von links nach rechts über die Harfe in ihrer Hand streicht, und der bekannte Klang des Instruments ertönt.

Beim Veeh-Harfen-Spielkreis im Heidenheimer Zentrum des Altpietistischen Gemeinschaftsverbandes weiß man: Das Stimmen der Harfe ist das A und O. „Manche Harfen lassen sich leicht stimmen, für andere braucht man aber Geduld“, sagt Kursleiterin Gisela Schlumpberger. Es ist ein empfindliches Instrument, da sind sich die acht Teilnehmer einig. Sowohl Raumtemperatur als auch Luftfeuchtigkeit wirken sich auf den Klang aus.

Etwa einmal im Monat kommen die rund 14 Musiker des Spielkreises zusammen, um miteinander zu musizieren und sich auf Auftritte vorzubereiten. In erster Linie wird hier aber gemeinsam gespielt, weil es zusammen doppelt so viel Spaß macht. „Viele Menschen trauen sich nicht, in höherem Alter noch ein Instrument zu lernen“, weiß Schlumpberger. Und genau für solche Menschen seien die Veeh-Harfe und der Spielkreis besonders geeignet. Denn: Es handelt sich dabei um ein Instrument, für das man keine Notenkenntnisse braucht.

Einfach den Linien folgen

Wie das geht? Ganz einfach. Hinter die Saiten der Harfe wird ein spezielles „Notenblatt“ gelegt. Dabei handelt es sich nicht um Noten im herkömmlichen Sinne, sondern um feine Linien, die mit Punkten durchzogen sind. Diese Punkte markieren die Stellen, an denen gezupft werden muss. Dafür folgt der Spieler den Linien einfach von oben nach unten und bei jedem auftauchenden Punkt wird an der Saite gezupft.

Ganz so leicht, wie es sich anhört, ist es dann aber doch nicht. Denn: Dazwischen führen immer wieder Pfeile zurück zum Anfang der Linien, wodurch Wiederholungen gekennzeichnet werden. Außerdem gibt es für die andere Hand zusätzliche Begleittöne. Einmal weggeschaut, und schon weiß man nicht mehr, wo man gerade war. Für Einsteiger gibt es deshalb die Seite A auf dem Notenblatt, auf der ausschließlich die Melodie zu finden ist. Die kann mit einer Hand gespielt werden. Auf Seite B kommt dann die Begleitung hinzu und man spielt die Harfe mit beiden Händen.

Eine weitere Steigerung wäre die sogenannte Bass-Harfe. „Wir hätten hier gerne eine“, sagt Schlumpberger. Denn das sei, so die Teilnehmer, der „Porsche“ unter den Harfen. Dieses Veeh-Harfen-Modell hat mehr Saiten als das Standard-Modell. So kann man tiefere Stimmen spielen und das Ganze klinge fülliger, sagt Schlumpberger.

„Wir müssen innerlich mitzählen und besser betonen“, unterbricht Schlumpberger die Proben. Wenn man ein Lied bereits kenne, sei das Zählen und Im-Takt-bleiben viel leichter. Bei unbekannten Liedern hingegen müssten die Teilnehmer erst ein Gehör für die Melodie und das Stück bekommen. Die Technik ist dabei jedem selbst überlassen. Ob man mit dem Zeigefinger oder dem Mittelfinger spielt, ist völlig egal. Nur lange Fingernägel sollte man nicht haben.

Außerdem hat der Spielkreis auch ein Leihinstrument. Wer schnuppern möchte, ist jederzeit willkommen. „Die Musik tut einem gut. Sie entspannt, und man kommt runter“, sagt Gisela Schlumpberger. Vor allem das Musizieren in der Adventszeit sei mit der Veeh-Harfe eine besondere Erfahrung – auch weil man die Weihnachtslieder ja bereits oft kenne.

Was ist eine Veeh-Harfe?

Die Veeh-Harfe ist benannte nach ihrem Erfinder, dem Landwirt Hermann Veeh aus Gülchsheim in Maittelfranken. Er hat versucht, ein Instrument zu entwickeln, mit dem sein behinderter Sohn Andreas musizieren kann, ohne Noten zu lesen. Seit 1992 gibt es die Veeh-Harfe. Es gibt drei Grundmodelle. Statt Noten gibt es Notenschablonen die unter den Saiten liegen und denen man beim Spiel folgen kann. Vor allem bei Kindern, Senioren und Menschen mit Beeinträchtigung ist die Veeh-Harfe deshalb beliebt.

Die „Apis“ (Altpietistischer Gemeinschaftsverband) sind der „Evangelische Gemeinschaftsverband Württemberg e.V.“ mit Sitz in Stuttgart. Es handelt sich um ein freies Werk innerhalb der evangelischen Landeskirche Württemberg.

Im Api-Geimeinschaftszentrum in Heidenheim gibt es seit 2015 einen Veeh-Harfen-Spielkreis. Hier trifft man sich einmal im Monat dienstags um 19 Uhr. Der nächste Termin ist am 20. November. Infos bei Gisela Schlumpberger, E-Mail: g.schlumpberger@die-apis.de

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