Job Müllkutscher brauchen starke Nerven

Leonid Titke (rechts) und Frank Mas-Casellas sorgen mit ihrem Mülllaster seit Jahren dafür, dass  die bereitgestellten Abfälle schnell und sauber abgeholt und entsorgt werden.
Leonid Titke (rechts) und Frank Mas-Casellas sorgen mit ihrem Mülllaster seit Jahren dafür, dass die bereitgestellten Abfälle schnell und sauber abgeholt und entsorgt werden. © Foto: Kreisabfallwirtschaftsbetrieb
Heidenheim / HZ 15.04.2017
Seit 23 und 14 Jahren arbeiten Leonid Titke und Frank Mas-Casellas beim Kreisabfallwirtschaftsbetrieb. Bei der Müllabfuhr haben sie schon Einiges miterlebt.

Punkt sechs Uhr morgens steuert Leonid Titke seinen orangefarbenen Mülllaster in die erste Straße. Sein Kollege Frank Mas-Casellas springt ab und wuchtet die Grünabfall-Bündel vom Straßenrand in die Presse. „Solange nicht mehrere schwere Bündel zusammengebunden sind, ist das gut machbar“, so Mas-Casellas.

Schwieriger wird es, wenn Unwetter dazwischen kommen, wie beispielsweise im Juni 2016. Nach Sturzregen, Hagel und damit einhergehenden Überschwemmungen hatte der Kreisabfallwirtschaftsbetrieb kurzfristig zusätzliche Sperrmüll-, Elektro- und Grünabfall-Touren in Auftrag gegeben.

Innerhalb von zwei Wochen waren im Mergelstetter Entsorgungszentrum über 350 Tonnen Sperrmüll und bei einer Sondertour weitere 17 Tonnen Elektrogroßgeräte zusammengekommen. Mengen, die selbst das erfahrene Team an seine Grenzen brachten.

„Wir waren allesamt platt nach diesen Touren“, erinnert sich Titke. Umso schöner sei die Anerkennung der Bürger gewesen, die sie lobten und ihnen für ihre Hilfe dankten. „Einige haben uns für die Schufterei sogar ein Trinkgeld in die Hand gedrückt“, freut sich Mas-Casellas, der sich beim Heben der schweren Elektrogeräte sogar eine Zerrung am Oberarm zuzog.

Der Job fordert nicht nur vollen körperlichen Einsatz, sondern mitunter auch großes fahrerisches Können. Etwa dann, wenn Fahrer Titke seinen Mülllaster rückwärts in enge Straßen manövrieren muss. Besonders ärgerlich sei es, wenn Bewohner trotz bekannter Abfuhrtermine ihre Autos wild parkten und damit ein Durchkommen unmöglich machten.

Doch weil der 57-jährige Titke bereits seit 23 Jahren beim Unternehmen Hörger tätig ist und der 45-jährige Mas-Casellas seit 14 Jahren, haben sie starke Nerven. Da können ihnen auch mit volle Kartons, die im Regenwetter reißen, nichts anhaben.

Selbst wenn mal wieder blaue, abbaubare Plastiksäcke oder Eimer bereitgestellt werden, obwohl eigentlich nur Papier erlaubt ist, bewahren sie die Ruhe. Ebenfalls tabu sind Nylonschnüre, Draht, Metallklammern oder Klebebänder zum Schnüren, da diese bei der Aufbereitung des Grüngutabfalls stören. Stattdessen sollten Naturmaterialien wie Baumwolle, Sisal- oder Hanfschnüre verwendet werden.

Sind Äste und Zweige nicht gebündelt, verzögert und erschwert das die Arbeit für Titke und Mas-Casellas massiv. Deshalb bleiben diese in der Regel liegen. Und wenn Äste stärker als zehn Zentimeter oder Baum-, Strauch- und Heckenschnitt länger als 150 Zentimeter sind, gibt es Probleme beim Einwerfen in die Presse. So verwundert es auch nicht, dass Baumstämme, Wurzeln und Wurzelballen nicht mitgenommen werden.

Zwar gebe es immer wieder uneinsichtige Zeitgenossen, denen diese Spielregeln nicht bekannt zu sein scheinen und die den Müllmännern dann Dinge wie „Dann schmeiße ich die Wurzelballen eben in den Wald“ nachrufen, bleiben die Männer zwar unaufgeregt, aber entschieden.

„Wenn wir damit anfangen, gefüllte Plastiksäcke auszuleeren, werden wir einfach nicht mehr fertig“, so Mas-Casellas. Sobald er dabei beobachtet würde, dass er einen einzelnen Plastiksack leert, könne er sicher sein, dass der Nachbar ankomme und seine zehn Plastiksäcke ebenfalls geleert haben möchte. „Und dann ist für uns eben Schluss“, erklärt Mas-Casellas. Titke versichert: „Wer etwas Humor hat und gute Nerven, der packt das.“

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