Partei Moralische Appelle beim Sommerfest der Grünen

Heidenheim / Günter Trittner 26.06.2016
Grün-Schwarz: Dies politische Farbenspiel nahm in Heidenheim meteorologische Züge an. Dem Sommerfest der Grünen drohten schwarze Wolken.

Im grünen Herzen Heidenheims, im Brenzpark, hatten die Grünen alles für ihre zweites Sommerfest beim Treffpunkt Grün vorbereitet, als gegen 17.30 Uhr eine tiefschwarze Gewitterwolke nichts anderes als eine rasche Flucht ins Gebäude übrig ließ. Fritz Kuhn, der Stuttgarter Oberbürgermeister hatte während seiner Rede schon besorgt immer wieder nach oben geschaut.

Dabei war die erste Begegnung mit einem „Schwarzen“ an diesem Samstagnachmittag eine ganz erfreuliche gewesen. Oberbürgermeister Bernhard Ilg (CDU) mischte sich herzlich begrüßt in die grüne Runde. Überhaupt die Farbechtheit: Von Fritz Kuhn ist bekannt, dass er, bevor er 1980 Gründungsmitglied der Grünen im Land wurde, das Parteibuch der Sozialdemokraten einstecken hatte und er sogar heute noch, wenn auch in ganz anderer Hinsicht, ein Roter ist. In Memmingen aufgewachsen, so Kuhn, sei er ein Fan des FC Bayern geworden und bis heute geblieben. Das, so Kuhn, habe er aber den Stuttgartern gesagt als es 2012 um das Amt des Oberbürgermeisters von Stuttgart ging. Im zweiten Wahlgang hatte es Kuhn geschafft.

Inzwischen fiebert Kuhn aber auch mit dem VfB und um dessen Rückkehr in die erste Bundesliga. „Ich hoffe, dass es nicht an Heidenheim scheitert, dass wir aufsteigen“, ließ er die Runde wissen. Das Angebot des Kollegen Ilg nahm Kuhn aber gerne an, zum Spiel des 1. FCH gegen den VfB nach Heidenheim zu kommen. Immerhin, so Ilg, sei Heidenheim vor zehn Jahren zu Zeiten der Landesgartenschau ja als heimliche Landeshauptstadt bezeichnet worden. „Ich glaube das immer noch gern“, meinte Ilg mir einem Schmunzeln.

Aber Kuhn, der in wenigen Tagen 61 wird, wollte auch ernste Themen ansprechen: zuallererst den „grottenfalschen“ Austritt der Briten aus der EU, der teils Folge einer nicht ehrlich geführten Diskussion in Großbritannien gewesen sei. Aber für Kuhn gehen die Wurzeln des Zwistes noch tiefer bis in das Selbstverständnis der EU. Europa werde nach dem Taschenrechner bewertet, wie viel Geld es zu holen gebe. „Das kann aber keine leitende Idee sein.“ Europa müsse zu seinen inneren Werten eines sozialen Zusammenhalt und einer gemeinsamen Kultur finden, seiner Identität. Der Grüne zitierte dazu noch mit dem ehemaligen Bundeskanzler Kohl einen Schwarzen. „Europa ist eine Sache von Krieg und Frieden.“

Zweites Anliegen von Fritz Kuhn, der zwischen 2000 und 2002 die Bundespartei geführt hatte: der Zusammenhalt derer, welche den politischen Anstand pflegen, gegen die AfD. Denn diese Partei habe einen rassistischen Kerngehalt.

Und noch ein Appell von Kuhn die Welt nicht mit Scheuklappen zu sehen. Baden-Württemberg lebe von Innovationen. „Wenn wir nicht laufend Neues entwickeln, brechen wir ein. Dies ist das Schicksal dieses Landes.“ Innovationen aber gelängen nur, wenn man den Blick weite, wenn man offen sei für Andere und andere Kulturen. „Ich bin kein Multi-Kulti-Schwärmer“, bekannte Kuhn. Aber nur, wenn man eine in jedem Sinn vielfältige Kultur fördere und pflege, könne man innovativ sein. „Dann schaffen wir das.“ Das schwarze Gewitter zollte prasselnd Beifall.

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