Heidenheim Mondfinsternis in Heidenheim: Ziemlich lange in die Röhre geguckt

Besser in Schwarz-Weiß als gar nicht: Zum Schluss ließ sich der Mond dann doch noch blicken.
Besser in Schwarz-Weiß als gar nicht: Zum Schluss ließ sich der Mond dann doch noch blicken. © Foto: Michael Brendel
Heidenheim / Michael Brendel 30.07.2018
Längst nicht überall konnte das Jahrhundertereignis Mondfinsternis ausgiebig bestaunt werden. Beispiel: Reutenen.

Die Aussichten waren geradezu himmlisch. Seit Tagen kaum ein Wölkchen am Himmel, tropische Temperaturen und dann die Erwartung eines Dreifach-Spektakels: die längste Mondfinsternis des Jahrhunderts, ein spektakulärer Blick auf den Mars und die Internationale Raumstation gut sechs Minuten lang und so hell wie selten über Heidenheim.

Kein Wunder also, dass sich am Freitag viele auf eine unvergessliche Nacht vorbereiteten. Auch auf den Reutenen. Auf Terrassen und Balkonen wurde über das Kommende gefachsimpelt, Korken ploppten, kühle Getränke lösten sich wie die ebenfalls vorhergesagten Sternschnuppen in nichts auf.

Und auf der Heide entlang des Richtung Ugental führenden Schotterwegs saßen zahlreiche Schaulustige erwartungsfroh im Dämmerlicht. Ein Pärchen lag eng umschlungen auf einer Decke, den Blick beharrlich nach oben gerichtet, hatte er doch versprochen, ihr an diesem Abend die Sterne vom Himmel zu holen . . .

Wolken am Himmel

Und dann das: Wie Sie sehen, sehen Sie nichts! Dunst und Wolken verschleierten die Szenerie. Gibt's den Mann im Mond tatsächlich, er dürfte reichlich amüsiert die sich breitmachende Unruhe beobachtet haben. Hatten nämlich in der Hitze des zu Ende gehenden Tages die Straßen in dem Mergelstetter Wohngebiet wie ausgestorben gewirkt, wuchs jetzt von Minute zu Minute die Zahl derer, die auf der Suche nach dem Erdsatelliten um die Häuser strichen, um vielleicht von einer anderen Stelle aus etwas zu sehen.

Allein, der Mond hielt sich bedeckt. Irgendwann waren die euphorischen Erwartungen dann Enttäuschung gewichen, die Decken eingerollt, die Gläser ein letztes Mal geleert, die meisten Partys beendet. Auch der Berichterstatter wollte sich schon zur Ruhe begeben und tröstete sich damit, wenigstens die ISS auf ihrem Überflug ausgiebig verfolgt zu haben.

Ein letzter Blick zum Himmel – und dann war er doch noch da: der Mond! Freigegeben von den Wolken hatte er sich bereits angeschickt, den Kernschatten der Erde wieder zu verlassen. Eher schwarz-weiß als blutrot. Aber zusammen mit dem etwas tiefer stehenden und viel kleineren Mars wie ein spät eingelöstes Versprechen wirkend.

Dumm nur, dass das Stativ schon abgebaut war und das nächste Wolkenband zu nahen schien. Also schnell ein paar mehr oder weniger verwackelte Fotos aus der Hüfte geschossen – nicht so makellos wie die tausendfach von Sternwarten aus angefertigten.

Aber dem Otto Normalhimmelsgucker auf den letzten Drücker gelungen und für ihn schon deshalb von besonderer Bedeutung, weil in den Sternen steht, ob er das nächste vergleichbare Ereignis 2123 noch erleben wird.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel