Heidenheim / Holger Scheerer In der alten DH sorgte Jo Aldingers Downbeatclub für ordentlich Schwung – das quirlige Jazztrio überzeugte sowohl als Einheit als auch mit den jeweiligen solistischen Finessen.

Mit Jo Aldingers Downbeatclub mischte am Freitagabend ein junges, frisches, quirliges Jazztrio die alte DH gehörig auf. Die rund 100 anwesenden Besucher bekamen ausschließlich Eigenkompositionen präsentiert, allesamt Instrumentalstücke mit teils skurrilen Titeln. Die Musiker Konni Behrendt (Gitarre), Jo Aldinger (Hammondorgel) und Claas Lausen (Drums) konzentrieren sich auf das Wesentliche.

Der musikalische Kopf des Ganzen ist der Namensgeber der Formation, alle Kompositionen stammen aus einer Feder. In seinen beiden Mitstreitern stößt der ursprünglich aus Stuttgart stammende Dozent für Klavier und Musiktheorie an der Hochschule Carl Maria von Weber in Dresden allerdings auf völlig eigenständige und kongeniale Musikerpersönlichkeiten, die immer wieder mit kreativen Drehs Akzente zu setzen wissen, ohne den Gesamtsound auseinanderfallen zu lassen. Trotz ihrer solistischen Ausflüge, die sich gekonnt abwechseln, schießt hier niemand über das Ziel hinaus, sodass sich der atmosphärische dichte Sound des Trios stets als eine Einheit präsentiert.

Warum sich der Downbeatclub als „psychedelisch“ ankündigt, vermag der geneigte Zuhörer auch nach einigem Rätseln nicht zur ergründen. Es sei denn, man wollte einen solchen Effekt in den wabernden, dichten Klangteppichen erkennen, die Aldinger mit Hammond und Leslie zu evozieren weiß.

Solistische Finessen und Groove

Im Prinzip groovt nämlich die Mucke, die die drei strukturierten Chaoten hier zum Besten geben, wie die Hölle. Dafür sorgt vor allem Schlagzeuger Lausen, der zwar in seinen solistischen Eskapaden durchaus Finessen zutage legt, sich dann jedoch wieder einfach auf unendliches Swingen und Grooven verlegt. Insbesondere die Bassdrum in Verbindung mit dem Bass-Synthesizer, den Aldinger spielt, legt hier ein treibendes Rhythmusfundament, das die Stücke, obwohl allenfalls im Midtempo angesiedelt, ordentlich voranschiebt und für den Funk im Jazz sorgt.

Das Sahnehäubchen sind ohne Zweifel die teils kreissägenartigen, kantigen 70er-Jahre Blues- und Jazzriffs von Gitarrist Behrendt, der live mit gehörig Verzerrung zu Werke geht und damit für den Rock sorgt im Jazz – ganz unpsychedelisch im Übrigen; atmosphärisch, schwebend ist der Sound des Trios schon, sphärisch eher nicht. Dafür ist das Ganze viel zu ebenerdig direkt und auf die Zwölf gespielt. Die drei Musiker spielen live überhaupt wie entfesselt und sind wirklich bis in die Haar- und Fingerspitzen perfekt aufeinander eingespielt. Insbesondere Behrendt und Lausen geben sich auf der aktuellen CD „Turkey“ aus dem Jahr 2018 um einiges handzahmer, sodass man sich die Scheibe durchaus zum Relaxen auflegen kann, während live die Hufe der Zuhörer im Rhythmus merklich scharren, oder anders ausgedrückt, der Downbeatclub wäre durchaus tanzbar, wären die zahlenden Seelen nicht an ihre Sitzplätze gefesselt.

Ein Abend fürs Gedächtnis

Bei aller Liebe zum Detail lassen die Musiker die innere Dramaturgie der Stücke nie außer Acht. Sind Tempowechsel eher selten, so ist das Spiel mit der Dynamik fundamental, insbesondere Lausen haut hier mitunter in die Felle, dass es nur so scheppert.

Spätestens dann ist der geneigte Zuhörer aus seiner Trance erweckt, in die ihn, einmal richtig eingegroovt, die Klangwellen des Downbeatclubs durchaus versetzen können. So wird nicht nur die elementare Kraft, sondern auch die Lautstärke des Trios den Heidenheimern noch eine Weile im Gedächtnis bleiben.

Konzert mit „The J.A.M. Cartel“

Am 22. März findet der jährliche Jazz-Workshop für Schüler im Werkgymnasium statt.

Der Verein „Jazz Heidenheim“ unterstützt das Projekt seit Jahren mit einem Konzert der Jazz-Dozenten. Dieses Mal sind dies junge Jazz-Profis.

Der Bassist Andreas Schmid hat seine Formation „J.A.M. Cartel“ wieder zusammengebracht, in der drei Musiker spielen, die aus Heidenheimer Schulen hervorgegangen sind. Dazu gehören neben Schmid auch Jan Jäger und Martin Sörös.

Der Berliner Markus Ehrlich ist ebenso mit von der Partie wie Markus Ambrosi am Schlagzeug. Eine besondere Note gibt Tomás Peréz aus Puerto Rico mit Latin-Percussion.