Heidenheim / Holger Scheerer  Uhr
Gleich zwei Jubiläen hatte der Montessori-Pädagogik-Förderkreis Heidenheim am Samstag zu feiern. Zum einen das 20-jährige Bestehen des Vereins, zum anderen das 10-jährige Bestehen des Montessorizuges an der Mittelrainschule.

Zum Festakt in der Aula der Dualen Hochschule war eine ganze Reihe geladener Gäste am Samstag gekommen, darunter Bürgermeisterin Simone Maiwald und Jörg Hofrichter, der Leiter des Göppinger Schulamtes.

Die Moderation übernahmen die langjährige Schulleiterin und Vorsitzende des Förderkreises, Ursula Sonn und Lea Gnosa, die seit 2017 Schulleiterin ist. Trotzdem ließ es sich Hofrichter nicht nehmen, durch eine symbolische Stabübergabe – in Form eines jungen Bambussprosses im Blumentopf – den längst vollzogenen Wechsel in der Schulleitung der Öffentlichkeit noch einmal bildlich darzustellen.

Quasi aus dem Nichts entstanden

Obwohl es Hofrichter in seinem Amt mit unterschiedlichen Schulformen zu tun hat, konnte er seine persönliche Begeisterung von der Montessori-Pädagogik nicht verbergen. Er lobte das umfassende Engagement beim Aufbau des Montessorizuges an der Mittelrainschule.

Quasi aus dem Nichts sei in zehnjähriger Wühlarbeit und durch hohes elternschaftliches Engagement eine Schulform geschaffen worden, die die Kultuslandschaft entsprechend bereichere. Er dankte sowohl der alten wie der neuen Schulleiterin für ihre hervorragende pädagogische Arbeit und der Stadt Heidenheim als dem Schulträger für die stete Unterstützung.

Freiarbeit und altersgemischte Klassen

Dies ließ sich Bürgermeisterin Simone Maiwald natürlich gefallen, hatte sie sich in ihrer Begrüßungsansprache doch ebenfalls als Fan der Montessorischule geoutet. Nicht zuletzt seit ihrem Besuch im Mittelrain vor wenigen Wochen, wo sie sich unter anderem von dem Freiarbeitskonzept in den altersgemischten Klassen angetan zeigte, scheint ihre Begeisterung noch gewachsen zu sein.

Die versammelten Montessoris selbst machten den Eindruck, dass sie sich bei der studierten Erziehungswissenschaftlerin gut aufgehoben und nicht zuletzt auch rein fachlich verstanden fühlen. Sonn und Gnosa betonten, dass einem glücklichen Umstand zufolge der Kontakt des Förderkreises zum Rathaus von Anfang an sehr gut gewesen sei.

2009 war das Jahr des Neubeginns

In der Tat war die Idee einer Montessorischule vor fast 20 Jahren auch schon bei Maiwalds Vorgänger Rainer Domberg auf positive Resonanz gestoßen. Zehn Jahre lang blieb das Projekt tatsächlich nur eine Idee, bis im Jahr 2004 der Stadtrat die Einführung eines Montessorizuges genehmigte. Im Jahr 2009 wurde aus der Idee endlich Wirklichkeit.

Die erste Montessoriklasse an der Mittelrainschule startete mit zwölf Kindern. Dafür hatten die Eltern und Mitglieder des Förderkreises lange gekämpft. Durch Öffentlichkeitsarbeit und Vorträge in den Kindergärten, aber auch durch schlichtes Klinkenputzen hatte man endlich so viel Vertrauen geschaffen, „dass die Eltern zwölf Kinder an einer Schule anmeldeten, die es eigentlich noch gar nicht gab“, wie Sonn die Situation in ihrem Anfang beschrieb.

Sehr zu Recht also fand das Geburtstagsfest nach dem Ende des offiziellen Teils seine Fortsetzung auf dem Schulgelände, zu der alle ehemaligen Montessori-Schüler eingeladen worden waren.

Hilf mir, es selbst zu tun

Die Montessori-Pädagogik beruht auf einem Menschenbild, das die Eigenverantwortlichkeit des Kindes in den Mittelpunkt der Arbeit stellt, um somit dem Kind mehr Motivation und Freude am gemeinsamen Lernen zu vermitteln. Der berühmte Grundgedanke von Maria Montessori lautet dabei: „Hilf mir, es selbst zu tun.“

Seit dem Jahr 2012 wird neben dem Regelvollzug an der Mittelrainschule in allen vier Montessori-Grundschulklassen unterrichtet. Noch im gleichen Jahr startete ein Montessorizug am Grünewaldkindergarten. Seit 2019 gibt es auch eine Kinderkrippe. Und mit 42 angemeldeten Kindern für das aktuelle Schuljahr erleben die Montessoris gerade so etwas wie einen Höhepunkt in ihrer Arbeit. hs