Leben Mit dem eigens umgebauten Auto mobil

„Ich kann alles machen, was ich will“, sagt Natascha Baumann. Die kleinwüchsige Frau hat sich ein selbstständiges Leben eingerichtet und ist berufstätig.
„Ich kann alles machen, was ich will“, sagt Natascha Baumann. Die kleinwüchsige Frau hat sich ein selbstständiges Leben eingerichtet und ist berufstätig. © Foto: Heidrun Bäuerle
Heidenheim / Heidrun Bäuerle 15.05.2016
Natascha Baumann ist 1,25 Meter groß. Sie empfindet sich als klein – aber nicht als behindert. Im Alltag kommt sie gut zurecht.

Natascha Baumann, schickes Outfit, strahlende fröhliche Augen, ist 23 Jahre alt und wohnt nun ziemlich genau ein halbes Jahr in ihrer eigenen Wohnung. Der Empfang ist herzlich, die Wohnung gemütlich eingerichtet. Dass die junge Frau ein sehr gutes Gefühl für Farben, für Dekoration, für Mode und für Einrichtung hat, das sieht man überall. Farblich passend ist vieles aufeinander abgestimmt. Ihr Kostüm aus Rock und schickem Jäckchen, die Deko passend zur Einrichtung und auch ihr Auto, wie sich später herausstellt, sind individuell und passen ausgezeichnet zu ihrer Besitzerin.

Natascha Baumann ist Bürokauffrau und arbeitet im Klinikum Heidenheim. Die Arbeit am Computer macht ihr sehr viel Spaß und sie ist sehr zufrieden mit ihrer Berufswahl. Eigentlich wollte sie Erzieherin werden. Mit einer Ausbildung im Kindergarten hat es dann allerdings nicht geklappt, weil man ihr wegen ihrer Größe nicht zutraute, den Anforderungen des Berufes gewachsen zu sein. Kurzentschlossen und da sie nicht einfach so zu Hause bleiben wollte, absolvierte Frau Baumann stattdessen eine Qualifizierung zur Tagesmutter und betreute anschließend Kinder.

Nach einem Jahr fand sie dann einen Ausbildungsplatz zur Bürokauffrau. Ihr Ausbildungsträger war die Eva Heidenheim, die praktische Ausbildung fand in der Brenzblick-Residenz in Mergelstetten statt, der Schulbesuch in der Kaufmännischen Schule.

Mit der Arbeitsstelle hat es nach der Ausbildung gleich geklappt. Ihr Arbeitgeber erhielt im ersten halben Jahr einen Zuschuss. Die Arbeit im Klinikum bereitet ihr sehr viel Freude, was auch an ihrem tollen Chef und den super Kolleginnen liegt, für die ihr Handicap nie ein Thema war.

Auf die Frage, ob sie sich selbst als behindert bezeichnen würde, kommt ein klares Nein: „Ich bin halt klein, aber sonst fühle ich mich eigentlich nicht behindert. Ich kann ja alles machen, was ich will“, sagt Natascha Baumann. Sie führt ihr eigenes Leben, ist ausgesprochen selbstständig, selbstbewusst, weiß, was sie will und was sie kann.

Und mobil ist sie auch: Vor der Haustür steht ihr eigenes Auto. Mit Hilfe einer Pedalverlängerung, einer Schalthebelverlängerung und einer Handbremsenverlängerung ist es optimal auf sie zugeschnitten. Die etwas abgewandelte Ausstattung hat eine Firma installiert, die sonst auch Fahrschulautos umrüstet. Und so hat sie auch die Fahrprüfung absolviert. Ihr eigenes Auto wurde einfach für die Dauer der Fahrstunden umgerüstet, der Fahrlehrer nahm in ihrem Auto auf dem Beifahrersitz Platz.

Auch ihre Wohnung unterscheidet sich kaum von anderen Wohnungen. Die Küchenzeile mit der Arbeitsplatte und den Küchengeräten ist etwas niedriger als sonst, aber um bis zu den oberen Küchenschränken zu kommen, da macht es Natascha Baumann wie viele andere Frauen auch: Sie nimmt einen Hocker zur Hilfe.

Und wie ist sie nun so selbstbewusst geworden? Weil sie ein ganz normales Mitglied einer ganz normalen Familie ist, sagt sie. Natascha Baumann hat drei leibliche Geschwister, eine ältere Schwester, einen jüngeren Bruder und einen Zwillingsbruder. Und nicht zu vergessen, noch zwei Pflege-Geschwister, die in der Familie aufwachsen. Und vielleicht das Wichtigste: Ihre Mutter, die sie immer unterstützt und immer für sie da ist. Und bei Bedarf auch für sie gekämpft hat, wenn es nötig war, um in der Gesellschaft integriert und anerkannt zu werden.

Ihre Träume? Ein eigenes Haus und Familie! Ihr Albtraum? Kein Job, keine Herausforderung!

Und auf die Frage, ob sie etwas wirklich stört, da fällt ihr ganz spontan ein: „Beim Einkaufen, dass die Lebensmittel oft weit oben liegen und es einfach zu hoch für mich ist.“ Und früher habe es sie gestört, von Leuten wegen ihrer Größe angestarrt zu werden, heute sei das nicht mehr so. Aber sonst selbst schicke Schuhe in Größe 29, die so gar nicht wie Kinderschuhe aussehen, sind heutzutage zu finden.

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