Serie: Spitzenreiter Mit 73 Jahren der älteste Musikschüler in Heidenheim?

„Will der einen Zittermann wie mich überhaupt unterrichten?“ Der 73-jährige Hans Rödter ist Schüler von Eric Mayr. Der freut sich jede Woche auf die halbe Stunde mit seinem betagten Eleven.
„Will der einen Zittermann wie mich überhaupt unterrichten?“ Der 73-jährige Hans Rödter ist Schüler von Eric Mayr. Der freut sich jede Woche auf die halbe Stunde mit seinem betagten Eleven. © Foto: chr
Heidenheim / Claudia Hammer-Rehm 18.08.2017
Der Heidenheimer Hans Rödter ist Schüler bei Eric Mayr und mit seinen 73 Jahren womöglich der älteste Musikschüler in Heidenheim

Dieses Fis. Dieses vermaledeite Fis mal wieder. Das will nicht so recht.“ Kein schöner Land in dieser Zeit: Es klingt schon ganz gut – bis es kommt, das Fis. Und dann hängt Hans Rödter wieder und kämpft mit Fingern und Tasten.

Der 73-Jährige ist wahrscheinlich der älteste Musikschüler im Landkreis. Seit dreieinhalb Jahren nimmt er Musikunterricht an der Musikschule der Stadt Heidenheim bei Eric Mayr, Lehrer für Klavier und Komposition. „Ich habe gefragt, ob er so einen Zittermann wie mich überhaupt noch unterrichten will“, erinnert sich der ehemalige Ingenieur. „Der Geist ist im Alter ein bisschen eckig geworden, aber mit Mayr als Lehrer lerne ich langsam, schneller Fortschritte zu machen.“

Wöchentlich 30 Minuten dauert der Unterricht, das genügt Hans Rödter. „Länger will und kann ich mich nicht konzentrieren. Außerdem will ich den armen Herrn Mayr nicht ewig quälen.“

Sein Lehrer lacht. Eric Mayr unterrichtet gerne Erwachsene, „denn die kommen zum Unterricht, weil sie Lust dazu haben und nicht, weil die Eltern sie schicken. Ich freue mich jede Woche auf die halbe Stunde mit Herrn Rödter“, sagt er, „auch wenn er meint, er müsse sich immer von seiner schönsten Seite zeigen.“

„Das Klavier stand halt so rum“

Mit Klarinette und Saxophon war Hans Rödter schon früh vertraut. Das hat er in jungen Jahren gelernt. Aber dann stand da das Klavier seiner Tochter „so rum“.

„Ich mag es nicht, wenn Sachen einfach so rumstehen“, erklärt er. Die Tochter, eines von drei musikalischen Kindern, hatte das Klavier zum Studium nach Hannover nicht mitnehmen können. Das unbenutzte Instrument war dem rüstigen Heidenheimer ein Dorn im Auge, und irgendwann beschloss er: „Dann spiele halt ich darauf“ – und meldete sich bei der Musikschule an, bei der auch die beiden Töchter und der Sohn schon gelernt hatten. „Wenn man im Unruhestand ist, dann hat man Zeit und braucht eine Beschäftigung. Musik ist eine wunderbare Beschäftigung“, strahlt Rödter, fügt aber zähneknirschend hinzu: „Es ist was dran an dem Satz – was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“

Ganz so schlimm ist es freilich nicht, auch wenn der 73-Jährige manchmal mit seinem Klavierspiel hadert. „Es gibt so viele Stolpersteine: das Fis, der Fingersatz, das Notenlesen. Aber man muss üben, üben, üben und darf nicht aufgeben.“

Dass er nicht aufgibt, dafür sorgt die Familie. Zu Weihnachten oder bei Familienfesten bildet der lebhafte Rentner gemeinsam mit Kindern und Enkeln ein kleines Familienorchester. Wenn er da nicht mehr mitspielen würde, gäbe es Ärger: „Da muss ich zeigen, dass der Opa kein schlapper Typ ist, der nur eine große Gosch' hat. Da wird Durchhaltevermögen erwartet; und ich würde mich schämen, wenn ich da nicht mehr mitmachen würde.“ Also setzt er sich mehrmals täglich, wenn er daran vorbeikommt, ans Klavier, das gar kein Klavier, sondern ein Flügel ist.

Allerdings nur an guten Tagen, wenn das Üben gut klappt. Es gibt nämlich noch ein elektrisches Piano – auch ein Instrument, das „so herumsteht, seit die Kinder aus dem Haus sind“. Auf dem wird gespielt, wenn Hans Rödter mit sich unzufrieden ist und den guten Flügel mit seinem „Geklimpere“ verschonen will.

Eckig gewordener Geist?

Am liebsten spielt der wohl älteste Musikschüler im Heidenheimer Kreis Volkslieder: „Mein Ziel ist es, dass ich ein Lied auf dem Klavier durchspielen kann und nicht auf halbem Weg zusammenbreche. Ich will von Anfang bis Ende mitsingen können.“

Noch kämpft er mit Tasten, Noten und dem „eckig gewordenen Geist“. Noch läuft es nicht so flüssig, wie er es gerne hätte, aber er ist zuversichtlich: „Ich werde besser. Langsam zwar, aber ich werde besser.“ Die Enkel, die im Hintergrund beobachten, ob der Opa das auch schafft, die Lust an der Musik und sein geduldiger Lehrer Eric Mayr werden auch weiterhin dafür sorgen.

Sie sind gefragt

In unserer Serie „Die Spitzenreiter“ sind wir auf der Suche nach den Superlativen im Kreis Heidenheim. Diesmal haben wir Ihnen den wohl ältesten Musikschüler im Landkreis, den 73-jährigen Hans Rödter, vorgestellt, der Klavierunterricht an der Musikschule der Stadt Heidenheim nimmt. Kennen Sie einen noch älteren Musikschüler? Dann melden Sie sich bei uns. Schreiben Sie eine E-Mail an redaktion@hz-online.de

Stichwort Spitzenreiter.