Blinde Millionen-Zuschuss für Betreuung von Erwachsenen mit Behinderung

Der ehemalige Johanneskindergarten auf dem Zanger Berg: Seit dem Umzug ins benachbarte Gemeindezentrum steht das Gebäude zur Disposition, und nach dem im Sommer geplanten Abbruch entsteht hier ein Neubau der Stiftung Nikolauspflege.
Der ehemalige Johanneskindergarten auf dem Zanger Berg: Seit dem Umzug ins benachbarte Gemeindezentrum steht das Gebäude zur Disposition, und nach dem im Sommer geplanten Abbruch entsteht hier ein Neubau der Stiftung Nikolauspflege. © Foto: Archiv/olv
Heidenheim / Erwin Bachmann 19.04.2017
Das Land macht den Weg für die Erweiterung der Behinderteneinrichtung auf dem Zanger Berg frei. Es geht um die Betreuung von Erwachsenen.

Menschen mit Behinderungen soll es erleichtert werden, ihr Leben unabhängiger zu führen und besser an der Gesellschaft teilhaben zu können. So sagt es die Landesregierung, die sich dieses erklärte Ziel auch etwas kosten lässt.

Im Falle Heidenheims macht sie jetzt rund 1,225 Millionen Euro locker, die in ein von der Nikolauspflege geplantes Neubauvorhaben zur Betreuung blinder und sehgeschädigter Erwachsener mit Mehrfachbehinderung fließen.

Acht Jahre Suche nach einem Grundstück

Die Planung für diese Erweiterung reicht weit zurück. Acht Jahre lang hatten Lebenshilfe und Nikolauspflege in Heidenheim nach einem Grundstück für eine gemeinsame Behinderteneinrichtung gesucht, bevor sich die beiden Träger dann 2015 – aus unterschiedlichen Gründen – von diesem Gedanken verabschiedeten und getrennte Wege gingen. Der von der Nikolauspflege eingeschlagene Weg führte in Richtung Iglauer Straße, wo man nunmehr beabsichtigt, auf dem von der evangelischen Kirchengemeinde erworbenen Areal des Johanneskindergartens einen Neubau zu errichten.

Neues auf dem Kita-Areal

Als Übergangslösung war dieses neben dem Johannesgemeindehaus stehende Gebäude vom Landkreis für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt worden.

Seit dieser Mietvertrag im September vergangenen Jahres ausgelaufen ist, hat in diesen Räumlichkeiten nur noch eine kleine Gruppe des Schulkindergartens der in Trägerschaft der Nikolauspflege stehenden Königin-Olga-Schule ihren Platz: gleichfalls ein Provisorium, denn im Sommer dieses Jahres werden diese Kinder nach Mergelstetten wechseln, wo die Nikolauspflege mit der evangelischen Kindertagesstätte Pusteblume, einem Regelkindergarten, einen Kooperationspartner gefunden hat und ihre inklusiven Angebote erweitern wird.

Nach dem Umzug soll das an der Iglauer Straße gelegene Kindergarten-Gebäude abgebrochen werden und dem Neubau der Nikolauspflege Platz machen, dessen Gesamtkosten auf etwa 5,5 Millionen Euro veranschlagt werden.

Unter dem Dach dieses barrierefrei und sehbehindertengerecht gestalteten Hauses wird die Anschlussbetreuung für Erwachsene eingerichtet, die aus dem Schulbereich am Siebenbürgenweg kommen. Konkret geplant sind 24 Wohnungen und 32 Plätze in der Tagesbetreuung: Betreuungs- und Förderformen, wie sie an anderen Standorten der Stiftung, wie Stuttgart, Welzheim, Mannheim und Weinheim, so bereits existieren.

Hohe Zuschüsse vom Land

Der Baubeginn in Heidenheim ist für Herbst terminiert, was bedeutet, dass die neue Einrichtung 2019 eröffnet werden kann. Die Chancen dafür stehen gut und haben sich mit den gestern von Sozial- und Integrationsminister Manfred Lucha freigegebenen Landesmitteln nochmals erhöht.

Das Geld stammt aus dem Landeshaushalt und aus der Ausgleichsabgabe von Betrieben, die mehr als 20 Arbeitsstellen anbieten, aber nicht die gesetzlich vorgeschriebene Zahl schwerbehinderter Menschen – fünf Prozent der Belegschaft – beschäftigen. Der Zuschuss für Heidenheim ist Teil der ersten, sechs Millionen Euro umfassenden Tranche von Landeszuschüssen für die Modernisierung von Wohnheimen und Werkstätten von Behinderteneinrichtungen.

Vom Grünen-Landtagsabgeordneten Martin Grath wird diese Finanzspritze ausdrücklich begrüßt. „Unser Ziel ist es, dass Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam in den Kommunen leben wohnen, arbeiten und die Freizeit verbringen können,“ lässt der Grünen-Politiker wissen: Für die Träger und Einrichtungen bedeute dies, dass sie ihre Infrastruktur möglichst dezentral ausgestalten – wie eben jetzt in Heidenheim geplant.

Auch Heidenheims Oberbürgermeister Bernhard Ilg „freut sich mit der Nikolauspflege über die höchste Fördersumme des Landes. Die Nikolauspflege leistet hier vorbildliche Arbeit und hat in Heidenheim eine Heimat gefunden, wo sie sich weiterentwickeln kann.“