Heidenheim Mehrere Frakturen im Gesicht zugefügt: 19-Jähriger verurteilt

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Heidenheim / Michael Brendel 08.02.2019
Weil er einem anderen mehrere Gesichtsknochen brach, wurde jetzt ein 19-Jähriger verurteilt.

Private Partys zum 18. Geburtstag, die unter Security-Aufsicht ablaufen. Für ältere Semester kaum vorstellbar, heutzutage aber kein großer Aufreger. Diesen Eindruck vermittelte eine Verhandlung, die sich gestern vor dem Amtsgericht abspielte.

Ebenso unverständlich dürfte für viele sein, wie roh es allen Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz bei privaten Feiern mitunter zugeht. Zum Beispiel am 27. Oktober vergangenen Jahres im Schützenhaus am Kleinen Bühl.

Schwere Verletzungen

Erfahrungsgemäß gehen, zumal bei einer zeitlichen Verzögerung von einem Vierteljahr, Schilderungen rückblickend weit auseinander, wenn reichlich Alkohol im Spiel war, ehe die Situation aus dem Ruder lief. So liegt nach der gerichtlichen Vernehmung dreier Zeugen dieser Ablauf nahe: Vor dem Schützenhaus belästigt ein stark alkoholisierter Jugendlicher eine junge Frau. Deren 20 Jahre alter Freund kommt ihr zu Hilfe.

Der anschließende Disput zwischen den Männern verlagert sich Richtung Parkplatz, wo die verbalen Muskelspiele plötzlich umkippen. Der 20-Jährige erhält unvermittelt einen Faustschlag ins Gesicht.

Mit erheblichen Folgen: Ärzte stellen später unter anderem einen dreifachen Nasenbeinbruch, einen Jochbeinbruch und einen Bruch der Kieferhöhlenvorderwand fest. Wer ihn derart brutal attackiert, vermag der Geschädigte nicht zu erkennen. Nur so viel: „Ein einziger Schlag aus dem Nichts, und mein Gesicht dröhnt, ich sehe nichts mehr.“

Mehrere Umstehende drängen sofort darauf, keine Anzeige zu erstatten. Alles sei nicht so gemeint gewesen, stattdessen falsch rübergekommen, erinnert sich die Freundin des 20-Jährigen. Sie hat den Schlag genau gesehen und ordnet ihn „mit fast 100-prozentiger Sicherheit“ einem 19-Jährigen zu, der jetzt angeklagt ist. Es ist der Bruder des der jungen Frau gegenüber aus der Rolle gefallenen Jugendlichen.

Der Angeklagte machte gestern von seinem Recht Gebrauch, sich nicht zu äußern. Das half ihm allerdings nicht, aus der Nummer herauszukommen. Denn weshalb sonst hätte er vor Ort sein Bedauern gegenüber dem verletzten 20-Jährigen äußern und ihm vor Zeugen die Hand reichen sollen?

„Er könnte sich ja auch für das Verhalten einer anderen Person entschuldigt haben“, gab der Verteidiger zu bedenken. Ein Beweis für die Tatbegehung sei daraus jedenfalls nicht abzuleiten.

Der Staatsanwalt hingegen erkannte sehr wohl ein starkes Indiz und sprach von einer brutalen Tat, die noch viel schlimmer hätte ausgehen können. Auch Amtsrichter Jens Pfrommer zweifelte nicht daran, dass der Angeklagte buchstäblich auf einen Schlag der Geburtstagparty ein unschönes Ende gesetzt hatte. Er verurteilte den 19-Jährigen nach Jugendstrafrecht wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einem zweiwöchigem Dauerarrest und auferlegte ihm zudem die Kosten des Verfahrens.

Nicht genug gelernt

Bereits vor drei Jahren hatte der Angeklagte wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vor Gericht gestanden. Das Verfahren wurde im Zuge eines Täter-Opfer-Ausgleichs gegen Zahlung eines Schmerzensgelds eingestellt. Mit Blick auf das erneut brutale Vorgehen, für das es nicht den geringsten Anlass gegeben habe, sagte Pfrommer: „Erst schlagen, dann fragen – Sie haben aus dem letzten Fall offensichtlich nicht genug gelernt.“

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