Heidenheim Mehr Hauptschüler wählen die Realschule

Am Montag beginnt die Schule wieder – mit einer knappen Lehrerbesetzung vor allem in den Grundschulen und sonderpädagogischen Einrichtungen.
Am Montag beginnt die Schule wieder – mit einer knappen Lehrerbesetzung vor allem in den Grundschulen und sonderpädagogischen Einrichtungen. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Von Silja Kummer 07.09.2018
43 Lehrer wurden zu Beginn des Schuljahres im Landkreis Heidenheim neu eingestellt. Trotzdem gibt es noch offene Stellen, vor allem in den Grundschulen. Der Pflichtunterricht ist laut Schulamt aber gesichert.

Von Jahr zu Jahr verschärft sich die Personalsituation an den staatlichen Schulen im Landkreis noch ein bisschen mehr: Während vor einem Jahr zwar noch die Unterrichtsversorgung gedeckt war, aber keine Krankheitsvertretung mehr vorhanden, sieht es zu Beginn des neuen Schuljahres am kommenden Montag noch düsterer aus: Der Pflichtunterricht sei nicht überall im Schulamtsbezirk sicher abgedeckt, so das Staatliche Schulamt Göppingen in einer Pressemitteilung. Zwar gebe es so viele Planstellen für Lehrer wie nie zu vor, aber es fehlen schlichtweg die Bewerber für die freien Stellen.

„Die Personalsituation ist angespannt, insbesondere im Bereich der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren“, sagt Amtsleiter Jörg Hofrichter. Die Schulen im Landkreis seien aber zu Schuljahresbeginn so versorgt, dass der Pflichtunterricht erteilt werden könne.

Sonderpädagogen gesucht

43 Lehrer konnten im Landkreis neu und unbefristet angestellt werden, im Vorjahr waren es zu Schuljahresbeginn 67 unbefristete und 18 Anstellungen auf Zeit. Besonders im Bereich der kleinen Grundschulen stelle die Unterrichtsversorgung eine große Herausforderung dar, so das Schulamt. Ein weiterer Mangel ist im Bereich der inklusiven Bildungsangebote entstanden: Beim gemeinsamen Unterricht für behinderte und nichtbehinderte Kinder fehlen Sonderpädagogen.

Das Kultusministerium weist auf seiner Homepage zwischen elf und 20 offene Lehrerstellen im Grundschulbereich und bis zu fünf offene Stellen im Sekundarbereich für den Landkreis Heidenheim aus, die im Nachrückverfahren noch besetzt werden sollen. Damit zählt der Landkreis nicht zu den größten Problemgebieten im Land: In manchen Schwarzwald-Landkreisen fehlen zum Schuljahresbeginn zwischen 50 und 100 Lehrer.

Weiterbildung steht für die Haupt- und Werkrealschullehrer an: Da das neue Realschulkonzept vorsieht, dass dort bald auch der Hauptschulabschluss erworben werden kann, sollen dort auch Hauptschullehrer unterrichten. Die Tendenz geht schon jetzt stark in Richtung Real- oder Gemeinschaftsschulen – mit einer kleinen Abweichung im Landkreis Heidenheim: Während im gesamten Schulamtsbezirk (Landkreise Heidenheim, Göppingen und Ostalb) die Haupt- und Werkrealschulen 14,6 Prozent weniger Schüler in Klasse 5 haben als im vergangenen Jahr, ist diese Zahl im Kreis Heidenheim leicht gestiegen: 78 Kinder starten an einer Haupt- und Werkrealschule in den Sekundärbereich, im Vorjahr waren es 76.

Die Realschulen haben insgesamt 439 Fünftklässler, sechs weniger als im Vorjahr. Die Gemeinschaftsschulen haben zugelegt von 125 auf 138 Schüler in Klasse 5, ein Zuwachs um 10,4 Prozent. 423 Kinder wechseln aufs Gymnasium.

Interessant ist auch der Blick auf die Grundschulempfehlungen und die tatsächlichen Anmeldungen für die fünfte Klasse: Von 1105 neuen Fünftklässlern hatten 29,1 Prozent eine Empfehlung für die Haupt- und Werkrealschule. Von diesen 322 Kindern wurden aber nur 67 tatsächlich auf einer Haupt- und Werkrealschule angemeldet.

Mit einer Realschulempfehlung schlossen 27,7 Prozent der Schüler die Grundschule ab, dies entspricht 306 Schülern. Tatsächlich wurden aber 40,8 Prozent der Kinder an Realschulen im Landkreis angemeldet. Der starke Zulauf von Hauptschülern an die Realschulen liege daran, dass diese dort in Zukunft auch den Hauptschulabschluss machen können, so die Erklärung des Schulamtes.

Wie viele Lehrer fehlen im Landkreis tatsächlich?

Mit der Antwort auf obige Frage tut sich das Staatliche Schulamt schwer. Dessen Leiter Jörg Hofrichter erläutert, dass das Kultusministerium die im Land fehlenden Lehrkräfte in Deputaten, also vollen Lehraufträgen, zählt. „Wir arbeiten aber nicht mit Deputaten, sondern mit echten Menschen“, so Hofrichter. Auf einem Deputat könnten bis zu vier Teilzeitbeschäftigte oder eben nur eine Vollzeitlehrkraft arbeiten. Andererseits würde eine längerfristig erkrankte Lehrkraft in der Statistik des Landes als vorhandene Lehrkraft gezählt werden, weil ein Gehalt ausbezahlt werde. Tatsächlich fehle aber die Stelle an der Schule.

Um fehlende Lehrer zu ersetzen, werden befristete Verträge abgeschlossen, das Schulamt bedient sich der teilweise noch vorhandenen Ausfallreserve oder Teilzeitkollegen werden gebeten, ihr Deputat aufzustocken.

In dramatischen Fällen, wenn mehrere Lehrkräfte in einem Kollegium fehlen, werden Lehrer von anderen Schulen abgeordnet, Gruppen zusammengelegt (etwa im Sportunterricht) oder es fallen Stunden aus.

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