Heidenheim / Manfred F. Kubiak

Es geht um relativ viel Geld und eine bemerkenswerte Geschichte: „Lernende Kulturregion Schwäbisch Alb“ lautet der etwas kryptisch anmutende Name eines Projekts, an dem auch die Stadt Heidenheim und der benachbarte Ostalbkreis mit ihren kulturelle Aushängeschildern, den Opernfestspielen und der Jungen Philharmonie Ostwürttemberg, beteiligt sind.

Die „Lernende Kulturregion Ostalb“ ist dabei ein kleiner Teil des groß und auf fünf Jahre bis Ende 2020 angelegten Projekts „Trafo – Modelle für Kultur im Wandel“, hinter dem die Kulturstiftung des Bundes steht und das sich gezielt an ländliche Regionen sowie kleinere Gemeinden und deren Kulturangebot wendet, um dort Transformationsprozesse anzustoßen.

Aus einer Vielzahl von Bewerbern wurden insgesamt vier Regionen in Deutschland ausgewählt: der Oderbruch, Südniedersachsen, die Saarpfalz und – die Schwäbische Alb. Dort soll ein Netzwerk von Kultureinrichtungen entstehen, in dem größere Institutionen mit kleineren Einrichtungen, ehrenamtlich Tätigen und einzelnen Kulturschaffenden kooperieren. Dadurch soll ein gemeinsamer Lernprozess in Gang gesetzt werden, bei dem die Transformation des kulturellen Lebens in der gesamten Modellregion im Mittelpunkt steht.

Befeuert werden auf der Schwäbischen Alb mit dem Geld der Kulturstiftung vier verschiedene Projekte: eine Museumswerkstatt rund um das Feederseemuseeum in Bad Buchau (Landkreis Biberach), eine Theaterwerkstatt mit dem Landestheater Tübingen und dem Regionaltheater Lindenhof in Melchingen (Zollernalbkreis) als Mittelpunkte, eine Werkstatt für interdisziplinäre Kunst mit der Villa Rot (Landkreis Biberach) im Zentrum – und schließlich eine Musikwerkstatt mit Heidenheims Opernfestspielen als Aushängeschild. Alle vier Alb-Projekte werden von einer beim Ostalbkreis in Aalen eingerichteten Geschäftsstelle koordiniert. Die ostwürttembergische Musikwerkstatt erhält 460 000 Euro aus den Mitteln der Kulturstiftung zur Verfügung gestellt.

In dieser Werkstatt wiederum planen die Opernfestspiele eine Öffnung in den ländlichen Raum und eine Ausrichtung auf die Zielgruppe Kinder und Jugendliche in der Region Ostwürttemberg; in einem späteren Stadium auch in angrenzenden Regionen. Die Festspiele wollen dabei einerseits zeigen, dass die Inhalte aus Oper und Konzert universell sind und auch und gerade Kinder und Jugendliche ohne entsprechenden Bildungshintergrund ansprechen können.

Darüber hinaus wollen die Festspiele aber auch Kinder und Jugendliche besser erreichen, die von ihrer Sozialisation her zwar vom Klassikbetrieb berührt werden, die aber dennoch zum Erstaunen nicht weniger eben nicht den Weg in die Opern- und Konzertveranstaltungen des Festivals vor ihrer Haustür finden.

Ganz konkret wollen die Opernfestspiele, die dazu mit einem ihrer Orchester, der „Cappella Aquileia“, auch eine Kooperation mit der Jungen Philharmonie Ostwürttemberg (JPO) eingehen, also kulturelle Pionierarbeit leisten und auf neuen Wegen gleichzeitig neue Zielgruppen gerade in strukturschwachen ländlichen Gebieten ansprechen. Die inhaltliche Arbeit schließt Arbeit mit Hochbegabten (gemeinsame Projekte von „Cappella“ und JPO) und gleichermaßen Basisarbeit mit ein, die von Akteuren der Opernfestspielen in Zusammenarbeit mit Partnerinstitutionen im ländlichen Raum wie Kindergärten, Schulen, Musikschulen und dergleichen mehr geleistet werden soll.

Noch steht man zwar ganz am Anfang. Die Entschlossenheit allerdings ist groß. „Das muss ein Erfolg werden“, sagte gestern in Heidenheim bei der Vorstellung des Projekts Klaus Pavel, der Landrat des Ostalbkreises. Und Heidenheims Oberbürgermeister Bernhard Ilg ist sich aus Erfahrung sicher, „dass im ländlichen Raum mehr als nur frische Luft erzeugt wird“.