Heidenheim / Erwin Bachmann Die Opernfestspiele sind Teil der „Lernenden Kulturregion Schwäbische Alb“, ein Projekt der Kulturstiftung des Bundes. Es soll demonstrieren werden, dass kulturelle Leuchttürme nicht nur im urbanen Raum erstrahlen.

Dass sich Kunst selbst und bisweilen auch selbstgefällig inszeniert, gehört zum Geschäft. Dass sich Kultur als ein sich öffnender Experimentierraum versteht, in dem Kultureinrichtungen modellhaft nach ihrem Platz und neuen Arbeitsweisen speziell in einem sich wandelnden ländlichen Raum suchen, ist eher eine Besonderheit.

Der Heidenheimer Schlossberg, ohnehin längst Kulturgipfel, ist am zurückliegenden Wochenende zur großen Bühne dieses Bemühens geworden. Im Congress-Centrum kamen mehr als 80 Kulturakteure sowie Repräsentanten von Bund, Land und Kommunen zusammen, um sich der Frage zu widmen, wie Kulturanbieter mehr in die Fläche wirken können, um mehr Menschen auch abseits der in den Ballungsräumen gepflegten Hochkultur anzusprechen. Diesem Austausch diente die erste Kulturplattform der „Lernenden Kulturregion Schwäbische Alb“: ein Projekt, das Teil einer bis 2020 angelegten Initiative ist, die sich „Trafo – Modelle für Kultur im Wandel“ nennt, hinter dem die Kulturstiftung des Bundes steckt, das sich gezielt an ländliche Regionen sowie kleinere Gemeinden und deren Kulturangebot wendet, um dort Transformationsprozesse anzustoßen.

Das Konstrukt ist komplex, und das Ganze mutet kompliziert an, ist aber mehr als nur die Show eines landläufig eher elitär wahrgenommenen Kulturbetriebs. Neben konkreten Inhalten geht's nämlich auch habhaft ums Geld. 3,6 Millionen Euro fließen aus den Töpfen von Bund und Land in diese Kulturregion, zu der auch der Kreis Heidenheim und die Leader-Brenzregion zählen. Zudem: Projektträger ist der benachbarte Ostalbkreis und damit Landrat Klaus Pavel, der Kultur als einen harten Standortfaktor verstanden wissen will und den Gästen des Kultur-Kongresses am Samstag denn auch kurz und knapp erklären konnte, was mit diesen Fördermitteln eigentlich geschieht. „Es geht darum, die kulturellen Leuchttürme, die wir haben, in den ländlichen Raum hinein zum Strahlen zu bringen, sie mit den Angeboten in der Fläche zu verbinden.“

Gefördert werden Kultureinrichtungen, die sich für die Interessen und Bedürfnisse der Menschen vor Ort öffnen wollen und bereit sind zu lernen – sagte Hortensia Völckers, die aus Berlin angereiste Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, die sich mit ihrem Anliegen in bester Gesellschaft weiß. Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, zählt zusammen mit ihrer Kollegin Friedlinde Gurr-Hirsch vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz zu den Protagonisten der Initiative. In Heidenheim machten beide deutlich, dass es darum geht, die Kultureinrichtungen im ländlichen Raum angesichts des demographischen Wandels gut aufzustellen und weiterzuentwickeln. Dabei dürfe der Fokus nicht nur auf junge Leute, sondern müsse auch auf Ältere gelegt werden, deren kulturelle Ansprüche heute anders seien als früher, mahnte Gurr-Hirsch, die bei dieser Gelegenheit weiteren Geldsegen in Aussicht stellte: Ihr Ministerium werde Landesmittel für die Leader-Förderung Kultur geben.

Das dürften auch Oberbürgermeister Bernhard Ilg und Matthias Jochner, Leiter des städtischen Kulturbereichs Kultur, mit Interesse vernommen haben, denn von dem in die „Lernende Kulturregion Schwäbische Alb“ fließenden Geld profitieren auch die Heidenheimer Opernfestspiele. Die haben nach Einschätzung des kultur- wie sportbegeisterten Rathaus-Chefs mindestens Landeshauptstadt-Niveau und dienen zusammen mit dem Naturtheater als Beispiel für Einrichtungen, die sich in vielfältiger Weise auf Kultur einlassen.

Ein Aushängeschild für das Trafo-Projekt ist speziell die OH-Musikwerkstatt, mit der die Opernfestspiele eine Öffnung in den ländlichen Raum praktizieren und die in diesem Jahr so richtig in Schwung kommt. Als Beispiel dient die hier betriebene Basisarbeit. Sie verfolgt das Ziel, Kindern und Jugendlichen, die bislang kaum Zugang zu Kunst, Theater oder Musik hatten, über das eigene Tun einen Weg zu den universalen künstlerischen Inhalten der Opernfestspiele zu ermöglichen. In der ersten OH–Musikwerkstatt, einem konzertpädagogischen Programm zu den Meisterkonzerten, arbeitet eine Königsbronner Grundschulklasse in einem sechswöchigen Schulprojekt praktisch zum Thema des Meisterkonzerts „Sinfonisches Vermächtnis“ und trifft dabei auf die Profis des Opernfestspiel-Orchesters Cappella Aquileia – kulturelles Crossover-Projekt par excellence.