Idee Medizin, Therapie, Pädagogik und Kultur in einem Haus

August-Lösch-Straße 26: Adresse des neuen integrativen Gesundheitshauses.
August-Lösch-Straße 26: Adresse des neuen integrativen Gesundheitshauses. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / hz 08.12.2016
An der August-Lösch-Straße entsteht mit einem integrativen Gesundheitshaus ein Begegnungsraum, der Medizin, Therapie, Pädagogik und Kultur vereint.

Das Gebäude mit der Hausnummer 26 steht in der August-Lösch-Straße, weist vom äußerlichen Schein kaum Besonderheiten auf, hat's aber in sich. Die neuen Eigentümer sind dabei, dem Anwesen einen ganz neuen Inhalt zu geben – und eine gute Adresse für generationenübergreifendes Miteinander und zivilgesellschaftliches, also abseits vom Staat gesteuertes Engagement zu schaffen: Das Bauwerk wird zu einem integrativen Gesundheitshaus.

Die Initiatoren sind Menschen verschiedener Professionen, die sich in einer gemeinsamen Idee gefunden und im Mai dieses Jahres den Verein Therapie-Raum gegründet haben. Sie wollen sich mit ihren beruflichen Tätigkeiten und ihrem ehrenamtlichen Tun für die Gesundheit der Bürger in Heidenheim einsetzen. Ihr Ansatz ist ein ganzheitlicher und geht dahin, den Gesundheits-Begriff weiter zu fassen, und mit dem Kauf der zentral gelegenen Immobilie haben sie einen Ort gefunden, an dem sich verschiedene Kompetenzen unter einem Dach versammeln lassen: Ärztlich-Therapeutisches, Pädagogisches und Kulturelles kommt mit anderen Elementen der Lebensgestaltung wie der Ernährung und sportlichen Bewegung zusammen.

Vielfältige Bürgerwerkstatt

In diesen Bereichen will das Mehrgenerationenhaus als offene Begegnungsstätte ehrenamtliches Engagement bündeln. Es soll ein Raum sein, in dem Bürger aller Altersgruppen und Kulturen die Belange ihrer Gesundheit selber in die Hand und gemeinsam aktiv werden können. Die Gründer sprechen an dieser Stelle von der „Bürgerwerkstatt Gesundheitskompetenz“ und meinen einen Treffpunkt unterschiedlicher Lebensbereiche und eine Bühne, auf der sich konkrete Initiativen und Kursangebote abspielen werden – darunter eine Malwerkstatt, Chorprojekte, Yoga, motorische Frühförderung, ein Familienforum, Angehörigenberatung zu Demenzerkrankungen, Achtsamkeits- und Sinnesschulung, dazu regelmäßige Vorträge.

Eine der Initiatorinnen ist die Heidenheimer Frauenärztin Carmen Eppel, die Gesundheit als Voraussetzung für die Teilhabe an der gesellschaftlichen Mitgestaltung sieht. „Gesundheit kann nur in der Gemeinschaft, im Miteinander und im konkreten Lebensraum gestaltet werden,“ sagt sie und beschreibt damit den Arbeitsschwerpunkt des Mehrgenerationenhauses, dessen Inhalte noch nicht festgelegt sind. Die Koordination übernimmt Sarah Oran. „An diesem Ort ist vieles möglich, hier können viele Gedanken zusammenkommen,“ sagt sie am Beginn der als Entwicklungsprozess verstandenen Netzwerkarbeit, an der sich auch das Haus der Familie, das Bürgerhaus, der Stadtseniorenrat und der Kinderschutzbund beteiligen: Für Projekte und Initiativen stehen Räume zur Anmietung zur Verfügung.

Neben dem ehrenamtlichen Angebot besteht eine eng vernetzte interprofessionelle Zusammenarbeit. Hausärztliche und frauenheilkundliche Medizin mit integrativem anthroposophisch erweitertem Ansatz, ganzheitliche Hebammenbetreuung und therapeutische Arbeit wie Osteopathie/Krankengymnastik, Ergotherapie nach dem Affolter Modell und Körpertherapie verbinden sich mit dem gestalterischen Arbeiten der argentinischen Künstlerin Romina Ferrarotti und den Konzerten, Filmen und Gesprächsforen des Heidenheimer Theaters „Schattendasein“. Zudem wird eine Kleinkindgruppe der Freien Waldorfschule mit Eltern-Kind-Gruppen eröffnet.

Über so viel Zusammenarbeit „von Mensch zu Mensch auf Augenhöhe“ freuen sich insbesondere die Heidenheimer Allgemeinärztinnen Dr. Urte Riggers und Dr. Christine Bussinger. Als Ziel des Gesamtprojekts formulieren sie einen „salutogenetischen,“ also auf Gesundheitsentstehung ausgerichteten Raum, in dem Impulse gesetzt werden und so „ein Wachwerden für echte Gesundheit und für ein gesundes menschliches Miteinander stattfinden kann“.

Politische Anerkennung

Mit wachem Auge und offener Hand wird das außergewöhnliche Konzept auch auf politischer Seite begleitet. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter zeigt sich sehr angetan, dass der Bund Fördermittel für das Mehrgenerationenhaus gewährt: „ein bewundernswertes Projekt, das eine sehr breite Zielgruppe anspricht.“ Auch Annette Sawade, die SPD-Betreuungsabgeordnete für den hiesigen Wahlkreis, sieht die Fördermittel bestens angelegt, weil damit eine bedarfsorientierte Infrastruktur geschaffen werde, die generationenübergreifendes soziales Miteinander ermögliche.

Mit in die Finanzierung ist die Stadt Heidenheim eingestiegen. Die flankierende Unterstützung gewähre man um so lieber, so Oberbürgermeister Bernhard Ilg, als die Stadt selbst schon vor zehn Jahren im Verbund mit Medizinern und gesundheitsnahen Dienstleistern eine ähnliche Einrichtung ins Leben rufen wollte: „Wenn der Privatinitiative nun mehr Glück beschieden ist, profitiert davon die Stadt genauso.“

Aktionstag vor dem Umbau des Mehrgenerationenhauses

Ein Spatenstich der öffentlichen Art steht am Beginn des Umbaus des Hauses Nr. 26 in der August-Lösch-Straße. Er findet zusammen mit Oberbürgermeister Bernhard Ilg am Sonntag, 10. Dezember, 11 Uhr, statt.

Dem offiziellen Akt folgt dann ein mit „Aufbruch“ betitelter Aktionstag, bei dem die interessierte Öffentlichkeit die Möglichkeit hat, die Baustelle sowie die Initiative und die Menschen aus dem integrativen Gesundheitshaus kennenzulernen. Das damit verbundene Programm dauert bis 16.30 Uhr.

Die Eröffnung der neuen Einrichtung kann erst nach umfangreichen Umbaumaßnahmen erfolgen. Diese werden aus heutiger Sicht im Laufe des Sommers 2017 abgeschlossen sein.

Die Finanzierung des Vorhabens, das auch von der Mahle- und der Christophorus-Stiftung - beide mit Sitz in Stuttgart- unterstützt wird, ist noch nicht abgeschlossen.

Unterstützt werden kann das Projekt auch über das Spendenportal der Heidenheimer Zeitung „Unsere Hilfe zählt“ unter www.unsere-hilfe-zaehlt.de.

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