Heidenheim Max Mutzke jazzte im Rittersaal

Stargast im Rittersaal am Donnerstagabend: Sänger Max Mutzke, links Gitarrist Paul Brändle.
Stargast im Rittersaal am Donnerstagabend: Sänger Max Mutzke, links Gitarrist Paul Brändle. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Hans-Peter Leitenberger 13.07.2018
Sänger Max Mutzke und das Christian-Elsässer-Orchester boten mit Humor und Temperament gewürztes hohes künstlerisches Niveau bei der Jazz-Gala im Rittersaal.

Ideales Open-Air-Wetter trotz mäßig warmer Temperaturen gab es im Rittersaal bei der Jazz-Gala mit dem Christian-Elsässer-Jazz-Orchestra. Der feine Ensembleklang mit reichen Klangfarben beeindruckte gleich zu Beginn bei „It Don't Mean A Thing“. Der herrliche Ellington-Standard aus dem Jahre 1943 war aber weitgehend der einzige „richtige“ Jazz-Beitrag.

Die Solobeiträge etwa von Lukas Jochner auf der brillant gespielten Posaune oder Bettina Maiers luftige Linien auf dem Sopransaxofon zeigten das hohe künstlerische Niveau der Truppe. Bandleader Christian Elsässer konnte mit sparsamer Zeichengebung arbeiten, wohl wissend um das Können seiner Band. Seine Eigenkompositionen wie etwa „Sloppy Joe“ hatten noch den swingenden Touch, der mit Humor und Temperament von allen Beteiligten umgesetzt wurde.

Beziehungskisten

Schnarrende Baritonsax-Linien und ein markanter Bass von Henning Sieverts, der dem Konzert dezent seinen Stempel aufdrückte, begeisterten ebenso wie die Piano-Rasereien von Chris Gall und die virtuos gehandhabte Gitarre von Paul Brändle. Alles kam mit feuriger Energie, zündender Rhythmik und melodischem Charme.

Sehnlichst und mit Beifall erwartet kam Max Mutzke auf die Bühne und legte mit seinem kräftigen Organ los mit dem „Telefon“-Song. Der „Joe Cocker von Waldshut“ bot Texte mit schlagerhaftem Charakter, bei denen es hauptsächlich um „Beziehungskisten“ ging. Er machte das glänzend, obwohl er manchmal an einen Stimmungssänger erinnerte. Seine Klasse zeigte sich bei schier endlosen Haltetönen, glasklar und mit sangestechnischer Brillanz. Die Kopfstimmen-Partien zeigten einen versierten Sänger, der den teilweise banalen Texten unterschiedliche Empfindungen verleihen konnte: „Du bist magisch.“ Da erhoben sich die ersten Zuhörer auch schon von ihren Plätzen.

Christian Elsässer nahm seine kurzzeitige „Arbeitslosigkeit“ gelassen und besaß die Größe, sich zurückzunehmen und so die Entertainer-Qualitäten Mutzkes richtig wirksam werden zu lassen. Das Orchester spielte fast ohne Dirigat diese Melodien voller Schwung und mitreißender Rhythmik.

Auf die Vielfalt komme es ihm an, so Mutzke, die Vielfalt an Menschen und Kulturen. Seine Lieder boten angesichts der „Flüchtlingsdebatten“ den Kontrast der Humanität. Er wirkte glaubwürdig und engagiert, auch bei Texten mit durchsichtiger Alltagsphilosophie wie „Die Sonne scheint“, was ja zunächst noch stimmte. Der „Sommerregen“ blieb zum Glück aus.

Demokratie in der Musik

Der Humor kam nicht zu kurz, und das Energiebündel Max Mutzke überzeugte mit seiner inspirierenden Präsenz, etwa bei dem krachenden Billy-Paul-Hit „Me and Mrs. Jones“. Heiße Bass-Synkopen und rauschhafte Saxofonlinien, dazu mitunter richtig jazzige Trompeteneinwürfe, machten das Konzert zu einem Erlebnis. Max Mutzke lieferte eine durchaus ansprechende Mischung aus Pop, Soul und Soft-Rock mit Charme und Können.

Christian Elsässers Truppe erfreute mit präzisem, temperamentvollem Spiel bei diesem bewegenden Abend, der allerdings bis auf wenige Ausnahmen nicht an Jazz erinnerte. „Jazz ist Demokratie in der Musik“, soll Altmeister Louis Armstrong gesagt haben. Dies sollte auch für Elsässer und Mutzke gelten. Die große Begeisterung der 505 Besucher im Rittersaal auf Schloss Hellenstein sprach ohnehin für sich.

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