wahlkreis:Heidenheim (24) Martin Grath: Aus der Backstube in den Landtag

Kreis Heidenheim / Hendrik Rupp 13.03.2016
Er ist der neue, direkt gewählte Abgeordnete des Kreises Heidenheim in Stuttgart – und trotz seinen 56 Jahren ganz neu im Metier der Berufspolitiker: Martin Grath will seinen neuen Job angehen – und künftig nicht kleinere, aber sicher seltener Brötchen backen.

Hoch her ging es im Heidenheimer „Mohren“, wo die Grünen gestern Abend schon jubelten, als die eigentliche Sensation noch gar nicht klar war: Das Direktmandat für Martin Grath spiegelt die neuen Machtverhältnisse auch vor Ort wieder. „Das ist wirklich sensationell“, so Grath gestern – nicht im Traum habe er damit gerechnet, als er sich im vorigen Jahr als Kandidat habe aufstellen lassen. Mulmig ist dem neuen direkt gewählten Kandidaten für den Kreis Heidenheim aber nicht: „Ich bin bereit“.

 

Die Grünen feiern im Mohren, und dunkel ist auch die Ausleuchtung. Doch die Stimmung ist heiter, und Kandidat Martin Grath spickt schon auf das Direktmandat

Posted by Heidenheimer Zeitung on Sonntag, 13. März 2016


Für Grath ein ganz neues Terrain. Seit 2004 sitzt er für die Grünen im Heidenheimer Gemeinderat, in dem die Familie Grath (Vater Anton war und Bruder Uli ist bei den freien Wählern) sozusagen eine Familienloge hat, seit 2009 ist Grath auch Kreisrat. Doch all das war bislang nie der beherrschende Teil von Martin Graths Leben. Noch am Samstag verklaufte er morgens wie immer Wecken auf dem Wochenmarkt, noch am Wahlsonntag stand er morgens in der Backstube und schob Croissants und Laugenwecken in die Öfen.

Bogenschießen und Schauspielen im Naturtheater, Einsatz für gesunde Lebensmittel und Bio-Produkte ebenso wie ein Engagement für das Bäckerhandwerk, das ihn schon bis nach Indien führte: Grath, 1960 in Thalfingen geboren, ist ein Tausendsassa, der sich künftig weit stärker auf die Politik konzentrieren muss. „Das wird klappen“, sagt er. Aus dem operativen Geschäft in der Bäckerei hat er sich schon länger zurückgezogen, bäckt und verkauft mehr zum Spaß als aus Zwang: „Ich kann da ideal in das Mandat wechseln“, sagt er.

Die Überraschung über sein Abschneiden bleibt: „Mindestens 15 bis 20 Prozent verdanken wir sowieso Winfried Kretschmann“, sagt Grath über sein Vorbild: Schwäbisch, kein Öko-Spinner. So hat sich Grath immer gezeigt, ganz so wie Kretschmann. Und Grath hat auch ganz eigene Erfolgserlebnisse: Dass er sogar im traditionell tiefschwarzen Dischingen fast 15 Prozent holen konnte, ist ihm ein Beweis für die potenzielle bürgerliche Zugkraft der Grünen.
 

 

Und das ist das erste Statement von Grünen-Kandidat Martin Grath, der womöglich in den Landtag einzieht:

Posted by Heidenheimer Zeitung on Sonntag, 13. März 2016

Für Grath ist darum auch klar, dass es keine Regierung ohne den grünen Ministerpräsidenten geben kann: „Eine Deutschland-Koalition Schwarz-Rot-Gelb wäre ein Betrug am Wählerwillen“, sagt Grath: „Die Menschen wollen Kretschmann“. Also Grün-Schwarz? „Das wird nicht heute abend im Mohren entschieden“, sagt Grath.

Ein bitterer Beigeschmack bleibt bei Grath trotz des Jubels: „Dass die AfD in unserem Kreis noch weit mehr Stimmen bekam als im Landesschnitt, ist absolut erschreckend“, sagt Grath. „Damit müssen wir uns in allen Gremien auseinandersetzen, hier im Kreis und auch in Stuttgart“.

Gestern Abend ist es für viele Eventualitäten noch zu früh. Was wird aus den Mandaten im Gemeinderat und im Kreistag? Braucht es eine Wohnung in Stuttgart, wo Grath Anfang der 1980er schon einmal arbeitete (damals lernte er das Bio-Backen)? „Eins nach dem anderen“, sagt der künftige Abgeordnete: „Morgen fange ich erst einmal mit dem Abhängen der Plakate an“.

Über die Reaktionen und Stimmen  der anderen Kandidaten zur Wahl berichten wir hier. 
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