Heidenheim Marco Graša fordert mehr Theater im Stundenplan

Marco Graša ist Lehrer und Theaterbeauftragter und wünscht sich eine bessere Vernetzung von Schule und Theater.
Marco Graša ist Lehrer und Theaterbeauftragter und wünscht sich eine bessere Vernetzung von Schule und Theater. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Von Joelle Reimer 24.08.2018
Der 35-jährige Marco Graša unterrichtet am Heidenheimer Werkgymnasium – und setzt sich mit Leidenschaft dafür ein, Schule und Theater stärken miteinander zu vernetzen.

Wie er zu seinem neuesten Titel kam, das weiß Marco Graša selbst nicht so genau. Sei's drum: Theaterbeauftragter – das klingt doch gar nicht schlecht. Graša lacht. „Ich habe eigentlich erst jetzt von Ihnen gehört, dass man mich bei der Stadt so bezeichnet“, sagt der 35-Jährige, der hauptberuflich am Heidenheimer Werkgymnasium unterrichtet. Im Kulturausschuss war er vor Kurzem als „Theaterbeauftragter der Heidenheimer Lehrerschaft“ vorgestellt worden.

Schon nach ein paar Sätzen wird aber klar, dass Graša nicht zu denen gehört, die Wert auf einen gut klingenden Titel legen. Im Gegenteil. Ihm ist es wichtig, diesen Titel mit Inhalt zu füllen. Genauer gesagt: mit Theater. Das nämlich schaut, spielt und lehrt er leidenschaftlich gerne, und um zu verstehen, wie der gebürtige Herrenberger zu dieser Leidenschaft kommt, blickt man am besten ein paar Jahre zurück.

Theaterarbeit braucht Zeit

„Eigentlich bin ich unfreiwillig in Heidenheim gelandet. Ich habe in Tübingen studiert und kam dann für mein Referendariat hier her“, erzählt Graša. Hier her, das heißt ans Werkgymnasium, und dort hat ihn die rege Theaterarbeit schließlich überzeugt – und in der Stadt gehalten. „Ich war überrascht, wie viel an der Schule und auch in Heidenheim insgesamt geboten ist. Parallel zum Referendariat habe ich dann eine Ausbildung zum Theaterpädagogen gemacht“, sagte der 35-Jährige.

Am Werkgymnasium ist Graša nicht nur für die Theater-AG, sondern auch für den Literatur- und Theaterkurs zuständig. Quasi nebenher und zusätzlich zu seinem Volldeputat mit 25 Stunden. Dazu kommt seine Tätigkeit als freier Theaterpädagoge; als solcher gibt er immer wieder Workshops im Naturtheater, der Volkshochschule oder der Theaterspielgruppe Königsbronn.

Dabei, das zeitlich alles auf die Reihe zu bekommen, hilft ihm sein zweiter Titel: der als Theatermultiplikator des Regierungspräsidiums Stuttgart. „Hierdurch kann ich 72 Stunden meines Deputats im Schuljahr für die Theaterarbeit verwenden“, so Graša. Dazu gehört, Fortbildungen für Lehrer zu geben, beratend in Sachen Schultheater tätig zu sein, Hilfestellungen für den Unterricht zu geben oder auch mal Sozialkompetenz anhand von Schauspiel zu trainieren.

Und da Graša seine Aufgabe ernst nimmt und die Theaterarbeit nicht im alltäglichen Trott versacken lassen will, wie es an Schulen nun mal oft der Fall ist, setzt er sich in Heidenheim nachdrücklich dafür ein. „Ich bin an die Stadt herangetreten und habe mich mit den Kulturbeauftragten darüber beraten, wie man beispielsweise mehr Schüler für die Veranstaltungen des Theaterrings begeistern könnte“, sagt der 35-Jährige – so kam er zum Titel des Theaterbeauftragten. Als solcher entwickelte er gemeinsam mit Oliver von Fürich, Leiter des Festspiel- und Kulturbüros, und Kulturamtsleiter Matthias Jochner ein Konzept, wie man Theater und Schulen zusammen bringen könnte. „Ich denke, dass bisher viele Lehrer vor dem Zusatzaufwand zurückschrecken und Probleme mit der Vor- und Nachbereitung haben, weil sie den Theaterbesuch immer mit dem Unterricht verknüpfen wollen“, sagt Graša.

Genau hier will er Unterstützung bieten und Hemmungen abbauen. Ein Versuch war seine Teilnahme an der Schulleiterkonferenz, auf der er eine entsprechende Fortbildung für Lehrer angeboten hat – „leider kamen zu wenige Anmeldungen zusammen und es musste ausfallen. Aber dadurch lassen wir uns nicht entmutigen, wir bieten es nächstes Jahr einfach nochmal an.“

Außerdem will der 35-Jährige mehr über persönliche Netzwerke gehen. „Das soll keine Kritik sein, aber Schulleiter müssen oft aus einer Flut an Informationen das Wesentliche herausfiltern. Dass dann das Theater eher hinten überkippt als Mathe oder Deutsch, ist klar – aber schade“, so Graša. Schade deshalb, weil oft unterschätzt werde, welche Auswirkung die kulturelle Bildung auf die Entwicklung junger Menschen haben kann. „Die Kultur ist nicht messbar, nicht belegbar – und deshalb nehmen sich viele nicht die Zeit dafür.“

Programm stetig erweitern

Dabei hält sich der Aufwand für die Lehrer mit entsprechender Unterstützung sogar in Grenzen. Viele Bühnen, die im Rahmen des Theaterrings nach Heidenheim kommen, haben eigene theaterpädagogische Abteilungen; sprich: das Unterrichtsmaterial ist bereits vorgefertigt. „Diese Kooperationen kann man nutzen. Dann bleibt maximal noch die Nachbereitung“, so Graša.

Einen kleinen Erfolg kann der Theaterbeauftragte bereits für die kommende Spielzeit des Theaterrings verbuchen: Mit „Auerhaus“, „Faust“ und „Der talentierte Mr. Ripley“ werden drei Stücke gezeigt, die ganz auf das junge Publikum zugeschnitten sind. Und für die Zukunft? Da denkt Graša gleich etwas größer. „Wir müssen das Programm erweitern. Vielleicht Veranstaltungen der Stadtbibliothek mit rein nehmen, und mittelfristig auch das Naturtheater und die Junge Oper“, sagt er. Sein Wunsch: Dass jeder Heidenheimer Schüler mindestens zweimal in seiner Schullaufbahn im Theater war.

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