Heidenheim Macht Sparen überhaupt noch Sinn?

Wer hatte nicht schon mal ein Sparschwein?
Wer hatte nicht schon mal ein Sparschwein? © Foto: BillionPhotos.com
Heidenheim / Karin Fuchs 02.11.2018
Die Deutschen gelten als ein Volk der Sparer. Da machen auch die Heidenheimer keine Ausnahme, was ein Blick in die Sparbücher bei der Kreissparkasse und der Volksbank zeigt.

Während der Woche des Weltspartags gibt es bei diversen Banken kleine Geschenke für Kinder, wenn sie ihr Erspartes auf ihr Sparbuch oder Konto einzahlen. Doch das Sparschwein füllen in der Niedrigzinsphase – lohnt sich das überhaupt noch?

Bei der Kreissparkasse hat man da eine klare Meinung: „Geld bewusst bei Seite zu legen, lohnt sich auch in Zeiten niedriger Zinsen“, sagt Pressesprecherin Eva Keller und verweist auf den Hintergrund des Weltspartags, der am 31. Oktober 1925 das erste Mal stattfand. „Ziel dabei war es, mit kleinen Beträgen über die Jahre ein Vermögen aufzubauen und den Wert des Geldes schätzen zu lernen.“ Und das tun die Heidenheimer anscheinend auch heute noch: „Trotz des schwierigen Zinsumfeldes merken wir, dass die Bevölkerung auch weiterhin spart. Und das ist gut so.“

Dass das klassische Sparen weiterhin in ist, zeigt der Blick auf die Sparbücher. Der Anteil der Spareinlagen sei weiterhin hoch, so Eva Keller. Bei der Kreissparkasse Heidenheim haben die Kunden mehr als 60000 Sparbücher. Darauf lagen zum Jahresende 2017 473,1 Millionen Euro.

Sparbuch-Millionäre

Bei der Heidenheimer Volksbank und Raiffeisenbank Steinheim hat Sonja Waber einen Blick auf die gesamten Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist geworfen, also überwiegend die Sparbücher. 38691 gab es zum Stichtag 31. Dezember 2017 mit einem Volumen von rund 277 Millionen Euro.

Der Trend lässt nicht nach. 1173 Sparbücher wurden bei den beiden genossenschaftlichen Banken im vorigen Jahr neu eröffnet. Bei der Kreissparkasse sind es laut Eva Keller im jährlichen Schnitt rund 2500 neue Sparbücher.

Was sind das für Menschen, die heutzutage ein Sparbuch anlegen? Eigentlich alle. Eltern, Großeltern und Paten möchten, so Keller, häufig etwas für die finanzielle Zukunft der Kinder tun.

Sicherheit und Rendite

Gleichzeitig sparen auch viele große und kleine Kunden für ihre eigenen Wünsche und Ziele. Am gestrigen Weltspartag und auch an den Tagen davor und danach ist der Andrang bei den Banken jedenfalls groß. Bei der Heidenheimer Volksbank und Raiffeisenbank Steinheim wurde einmal nachgezählt, was an diesen Spartagen an Geld an den Schaltern auf die Sparkonten eingezahlt wurde, abgesehen von den Chash-Automaten, die vorwiegend von Einzelhändlern zur Einzahlung genutzt wurden. 6,2 Millionen Euro waren das im vorigen Jahr bei 2160 Einzahlungen.

Auch bei der Sparkasse merkt man den Andrang, wenn auch der Trend zum digitalen Sparen zunehme, so Keller und nennt die Taschengeld-App und das Klicksparen in der Sparkassen-App. „Aber für viele Kinder ist es ein schönes Erlebnis, am Schalter das eigene Sparschwein zu leeren“, so Keller.

Angesichts der niedrigen Zinsen hält so manch einer aber auch Ausschau nach anderen Anlageformen mit mehr Rendite. Doch ganz so einfach ist das nicht. „Wer hohen Wert auf Sicherheit legt, muss auch eine niedrigere Rendite in Kauf nehmen. Umgekehrt gibt es Anlagen mit höheren Ertragschancen, die dafür gleichzeitig weniger Sicherheit bieten“, bringt es Eva Keller auf den Punkt. „Grundsätzlich merken wir, dass die Bereitschaft deutlich zunimmt auch Wertpapieranlagen zu tätigen.“ Gefragt seien daneben auch Wertpapiersparverträge ebenso wie Bausparen und Versicherungen.

Und für was sparen die Heidenheimer?

In Heidenheim wie überall in Deutschland seien Themen wie die Altersvorsorge und die eigenen vier Wände, der Notgroschen oder das Sparen für allgemeine Anschaffungen beliebte Sparmotivationen.

Schwaben sind fleißige Sparer - trotz Niedrigzins

Das Sparbuch ist deutschlandweit die beliebteste Sparform und wird mit 52,7 Prozent von jedem Zweiten genutzt. Das zeigt das Income-Barometer 2018 von J.P. Morgan Asset Management an. Die fleißigsten Sparer sind in Baden-Württemberg zu finden, wo 59,9 Prozent der Bewohner ein Sparbuch besitzen - in Berlin wird es dagegen nur von 38,5 Prozent genutzt.

In den Hochzinszeiten um 1970 bis 1980 gab es teilweise Zinsen von mehr als zehn Prozent. Damals verdoppelte sich das angelegte Kapital innerhalb von acht Jahren allein durch die Zinsen. Allerdings lag aber auch die Inflationsrate auf einem deutlich höheren Niveau.

Aktuell liegt der durchschnittliche Spareckzins bei 0,2 Prozent. Das Geld zu verdoppeln, würde 346 Jahre lang dauern.

Grund für die niedrigen Zinsen ist die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Derzeit gibt es sogar Anlageformen, die gar nicht verzinst werden.

Deshalb lautet der Wunsch von Kreissparkassenchef Dieter Steck auch: „Damit die Inflation nicht das Sparvermögen angreift, sollte die EZB die Nullzinspolitik rasch beenden.“

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