Heidenheim Bühnenbild: Bei der Oper gibt’s Lochblech im Rittersaal

Bald kommen die Gäste: Zwei Wochen vor der „Nabucco“-Premiere sitzt Bühnenbildner Harald B. Thor noch allein am Tisch auf der Bühne des Rittersaales.........
Bald kommen die Gäste: Zwei Wochen vor der „Nabucco“-Premiere sitzt Bühnenbildner Harald B. Thor noch allein am Tisch auf der Bühne des Rittersaales......... © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Manfred F. Kubiak 15.06.2018
Harald B. Thor ist der Bühnenbildner für den Heidenheimer „Nabucco“. Der Österreicher ist ein Star der Szene und will die Geschichte mit heutigen Mitteln erzählen.

In zwei Wochen wird man's schon ganz genau wissen. Bis dahin aber mag das Bühnenbild der Opernfestspiele gern noch ein paar Rätsel aufgeben und darf spekuliert werden, was womöglich wie gemeint sein und worin wohl welche Bezüge schlummern könnten. Vor der Premiere ist die Zeit der Mutmaßungen. Denn wüsste man bereits alles, fiele das gespannte Warten ja aus. Und am besten lässt man sich immer noch überraschen.

Aus diesem Grund soll auch Harald B. Thor nicht so viel von dem verraten, was hinter seinem Bühnenbild für „Nabucco“ in Heidenheim steckt. Das allerdings, was im Rittersaal ohnehin nicht zu übersehen ist, könnte man aber durchaus mal näher beleuchten.

Das Spiel mit der Mauer

Viel Stahl ist im Spiel. Viel Lochblech aus Stahl. Man findet es nicht nur als Verblendung der Gerüste an den Seitenwänden der Bühne, sondern es gibt auch einem riesigen Tisch vor der Mauer Form. „ Regisseurin Helen Malkowsky und ich erzählen die Geschichte mit heutigen Mitteln und Materialien, sagt Thor. Eine Fährte ist also schon mal gelegt. „Und wir spielen mit der Mauer, denn es gibt Orte, die man nicht zubauen sollte, weil sie auch von der Naturkulisse leben.“

Viel mehr will man gar nicht wissen, denn, es war schon davon die Rede, dass man sich am besten immer noch überraschen lässt. So wie Harald B. Thor davon, wie lange schon es die Heidenheimer Opernfestspiele gibt. „Das war mir nicht klar, als ich Marcus Bosch zugesagt habe, hier den „Nabucco“ zu machen.“

Weil er Heidenheims Opernfestspieldirektor schon eine ganze Weile kennt, war Harald B. Thor allerdings von vornherein klar, dass der Etat für die Ausstattung „nicht so gigantisch sein würde wie zum Vergleich bei Produktionen in der Schweiz“. Oder in Pompeji.

Auch dort hat Harald B. Thor schon Oper gemacht. Denn im Grunde genommen ist er sein Star der Szene, auch wenn außerhalb dieser die Namen der eher hinter den Kulissen und höchstens zum Premierenapplaus auf die Bühne strebenden künstlerisch Tätigen nicht übermäßig bekannt klingen dürften. Ein Sänger hat's das leichter. Oder schwerer. Je nachdem, ob einer gern im Rampenlicht steht oder eher nolens volens.

Harald B. Thor jedenfalls ist ein entspannter Salzburger, der in Sachen Oper tatsächlich beinahe alles erlebt hat und schon fast überall gearbeitet hat. Das lässt sich auch zwischen den Zeilen seiner Antworten auf die Frage lesen, ob es Wunschort gibt, wo er gerne mal als Bühnenbildner noch in Aktion treten würde. Harald B. Thor hat da ganz konkrete Vorstellungen: „Bayreuth, was beinahe schon mal geklappt hat, und dann die Met in New York und Covent Garden in London.“ Zur Zeit aber Heidenheim. Wo es ihm auch sehr gut gefällt. Das ist nicht nur so dahin gesagt. Insbesondere die Atmosphäre der Proben behagt ihm sehr. „Ein Open-Air ist eben doch noch einmal etwas anderes als Oper im Theater. Die Leute sind ganz anders drauf.“ Deshalb genießt Harald B. Thor ganz bewusst, auch wenn „Nabucco“ in Heidenheim für ihn bereits die neunte Produktion in diesem Jahr darstellt. „Ich mache eigentlich immer zu viel.“

Und das, wie bereits angemerkt, in der Regel auf hohem Niveau. Was im Prinzip gleich nach dem Studium am Mozarteum daheim in Salzburg begonnen hatte, da Thor sofort an ein Haus wie die Bayerische Staatsoper nach München verschlagen wurde, wo er es bald darauf mit 28 Jahren zum Ausstattungsleiter gebracht hatte. „Ich hatte Glück, denn an einem Haus wie München knüpft man selbstverständlich auch leichter Kontakte, die einem Türen öffnen, die sonst womöglich verschlossen geblieben wären. Und man lernt Leute kennen, auf die man anderswo kaum getroffen wäre. Jean-Pierre Ponnelle, Kent Nagano, Kirill Petrenko, Daniel Barenboim, Rolando Villazón . . . Namen wie diese fallen wie selbstverständlich, wenn Thor von seiner Arbeit erzählt.

Der Traum vom Tanztheater

Doch obwohl der Österreicher überall gefragt ist, so singt der Bühnenbildner dennoch ohne zu zu zögern ein Loblied auf Deutschland und dessen „nach wie vor weltweit einzigartige Theaterlandschaft“, von der man anderswo träume. Und von was träumt Harald B. Thor? Vom Ballett. „Ich habe als Bühnenbildner noch nie fürs Tanztheater gearbeitet, das würde ich wahnsinnig gerne mal machen.“

Noch zwei Wochen

Premiere hat Giuseppe Verdis „Nabucco“ bei den Heidenheimer Opernfestspielen am Freitag, 29. Juni. Neun weitere Vorstellungen werden folgen. Im Vorverkauf gibt nur noch wenige Karten im Ticketshop des Pressehauses.

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