Heidenheim / Thomas Zeller  Uhr
Während bundesweit lokale Betäubungsmittel knapp sind, gibt es im Klinikum Heidenheim keine Engpässe.

Das Klinikum Heidenheim ist von den bundesweiten Engpässen bei lokalen Betäubungsmitteln zurzeit nicht betroffen. „Unsere Apotheke hat noch einen ausreichend großen Vorrat an diesen Medikamenten,“ sagt die Leiterin Unternehmenskommunikation des Krankenhauses, Lisa Köder. Nach Angaben des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten gibt es bei Kliniken in Deutschland seit Beginn des Jahres massive Lieferengpässe bei Lokalanästhetika. Nach ARD-Recherchen führen diese Lieferprobleme zu vielen unnötigen Vollnarkosen, da lokale Betäubungsmittel fehlen. An Kliniken in Baden-Württemberg seien aus diesem Grund mehrere hundert Patienten unter Vollnarkose operiert worden, obwohl eine lokale Betäubung völlig ausreichend gewesen wäre.

Selbst kleine Eingriffe und ambulante Operationen konnten nur unter Vollnarkose oder mit einem Medikament der zweiten Wahl vorgenommen werden, sagte Dr. Thomas Iber, Chefarzt der Anästhesie am Klinikum Mittelbaden. Im Interview mit dem Magazin „Report Mainz“ sagt er: „In unserer Klinik war es sicherlich eine dreistellige Anzahl an Patienten. Bundesweit geschätzt einige tausend Patienten, die anstatt einer Teilnarkose eine Vollnarkose erhalten haben.“ Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erklärte auf Nachfrage, das aktuell nur zwei lokale Betäubungsmittel von den Herstellern als nicht lieferbar gemeldet worden seien. „Report Mainz“ liegen Listen vor, die zeigen, dass deutlich mehr Präparate nicht lieferbar waren oder sind. Die meisten stammen vom südafrikanischen Pharmakonzern Aspen.

Bestätigte Schwierigkeiten

Der Konzern hat mittlerweile Lieferschwierigkeiten bestätigt und teilt mit, die Ursache seien „produktionstechnische Probleme und limitierte Produktionskapazitäten“. „Wir wissen seit Anfang des Jahres von diesen Lieferschwierigkeiten“, sagt Lisa Köder vom Klinikum. Sollte es irgendwann doch zu Engpässen kommen, gebe es im Krankenhaus Pläne auf vergleichbare Substanzen auszuweichen. Das sei im Augenblick aber noch nicht nötig.

Der Berufsverband Deutscher Anästhesisten fordert nun die knappen Lokalanästhetika auf die Liste der versorgungsrelevanten Medikamente zu setzen. Arzneimittel dieser Liste müssen immer vorrätig beziehungsweise lieferbar sein, damit eine dauerhafte Versorgung in Deutschland garantiert ist.