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Zeitarbeitskräfte im Landkreis Heidenheim verdienen 1800 Euro weniger als der durchschnittliche Vollzeitbeschäftigte.

Die Leiharbeit soll Auftragsspitzen der Wirtschaft abfedern und Arbeitslosigkeit senken. Das war eines der Ziele der Agenda 2010. Doch ganz ohne Kritik war die Leiharbeit nie. Vor allem die Gewerkschaften starteten immer wieder Kampagnen zur Leiharbeit, bei der sie die ungleichen Arbeitsbedingungen und Bezahlung der regulären Belegschaft und der Leiharbeiter anprangerte.

Diese deutliche Lohn-Differenz zwischen Leiharbeitern und dem durchschnittlichen Vollzeitbeschäftigten bestätigte nun auch die Bundesagentur für Arbeit, die eine Anfrage einer Bundestagsabgeordneten beantwortet hatte. Demnach verdienen eine durchschnittliche Zeitarbeitskraft Ende 2015 im Schnitt monatlich 1285 Euro brutto weniger als ein Vollzeitbeschäftigter. Allerdings wird auch darauf verwiesen, dass Leiharbeiter oftmals im Helferbereich tätig sind, wo grundsätzlich weniger verdient wird als im Facharbeiterbereich.

Kreis besonders betroffen

Das verhält sich auch im Landkreis Heidenheim nicht anders. Hier ist die Differenz zwischen Leiharbeiter in Vollzeit und regulär Beschäftigtem sogar noch höher. 1800 Euro sind es laut Statistik der Bundesagentur Ende 2015. Ein durchschnittlicher Vollzeitbeschäftigter verdiente demnach 3471 Euro, ein Leiharbeiter hingegen 1661 Euro. Im Ostalbkreis, der ebenfalls zum hiesigen Arbeitsagentur-Bezirk gehört, verhält es sich ähnlich, wobei hier insgesamt mehr verdient wird. Ein Vollzeitbeschäftigter bekommt dort im Mittel 3511 Euro, ein Leiharbeiter 1723 Euro. Beschäftigt waren zum Jahresende 2015 im Landkreis Heidenheim 1137 Leiharbeiter, das waren 3,4 Prozent aller Vollzeitbeschäftigter.

Generell erkenne man an der Zeitarbeit die wirtschaftliche Lage, so Pressesprecherin Karina Deininger. In wirtschaftlich starken Zeiten gehe die Leiharbeit zurück. Die Nachfrage nach Leiharbeitern ist im vergangenen halben Jahr im Landkreis leicht angestiegen. Im Januar vor einem Jahr waren der Agentur für Arbeit 432 Stellen in der Personalüberlassung gemeldet im Januar dieses Jahres waren es knapp 200 mehr. Bewerten kann man den Anstieg allerdings nicht.

Agentur seht zu Leiharbeit

Elmar Zillert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Aalen, bezeichnet die Leiharbeit als festen Bestandteil des regionalen Arbeitsmarktes. Auf der einen Seite fungiere sie als Möglichkeit für die Betriebe im Land, sich flexibel dem weltweiten Wettbewerb zu stellen. Denn sie verfügten damit über ein gewisses Maß an personeller Flexibilität, ohne die Stammbelegschaft größeren Risiken auszusetzen. Andererseits stelle Zeitarbeit für viele Menschen den Einstieg in den Arbeitsmarkt, auch aus Arbeitslosigkeit heraus, dar. „Berufseinsteiger, aber auch Ausbildungsabbrecher, können über Zeitarbeit den Weg in die Arbeitswelt finden und mehrere Berufsfelder testen“, so Zillert. „Für Arbeitslose ohne Berufsabschluss und für Langzeitarbeitslose kann Zeitarbeit eine Chance auf Arbeit und auf soziale Teilhabe sein.“

Ab 1. April tritt ein Gesetz in Kraft, das Leiharbeiter finanziell besser stellen soll: Nach neun Monaten müssen sie dasselbe bekommen wie die Stammbelegschaft.