Heidenheim Last Night: Am Ende donnerte nur der Applaus

Wetter gut, alles gut: Wolken über dem Rittersaal, aber kein Regen bei der ersten „Last Night“ der Opernfestspiele.
Wetter gut, alles gut: Wolken über dem Rittersaal, aber kein Regen bei der ersten „Last Night“ der Opernfestspiele. © Foto: Oliver Vogel
Heidenheim / Marita Kasischke 30.07.2018
Regen am Nachmittag, Gershwin am Abend: Dass man mit der „Last Night“ am Samstag doch nach draußen in den Rittersaal ging, bereute niemand.

Summertime – and decisions ain't easy“ – mit dieser abgewandelten Gershwin-Zeile ließe sich sehr gut das Problem beschreiben, vor dem die Macher der Opernfestspiele erneut am Samstag zur „Last Night“ standen. Rittersaal oder Congress-Centrum, also: Hält das Wetter? Oder nicht? Der nachmittägliche Regenguss, der Blick zum Himmel sprachen für drinnen, die Wetter-Apps und letztlich auch der Anruf beim Flughafen Frankfurt, wie Marcus Bosch sehr heiter von der sicher gar nicht heiteren Entscheidungsphase berichtete, sprachen für draußen und gaben letztlich den Ausschlag. Im Rittersaal also, der schon stand, als Amerika noch gar nicht entdeckt war, wurde einem der größten amerikanischen Komponisten gehuldigt, denn das Programm dieser ersten „Letzten Nacht“ widmete sich voll und ganz George Gershwin.

Ouvertüren-Ohrwürmer

Freilich: „Let's call the whole thing off“, der Schreckenssatz der diesjährigen Opernfestspiele, erklang dann doch noch, aber glücklicherweise nur auf der Bühne, wo der gleichnamige Gershwin-Hit aus dem Film „Shall we dance“ von Bariton Derrick Lawrence interpretiert wurde. Nur? Es war großartig, wie Lawrence hier schon mit seiner Riesenstimme mitriss.

Eröffnet, ja geradezu einmarschiert in den Abend wurde mit der Ouvertüre zum Musical „Strike up the band“, mit der die Stuttgarter Philharmoniker unter der Leitung von Marcus Bosch bereits bewiesen, dass sie „nicht nur Verdi können, sondern auch Gershwin“, wie Marcus Bosch es ausdrückte. Das Musical mag vergessen sein, die Ouvertüre ist es nicht, zu Recht, wie dieser Abend bewies. Auch das Musical „Oh, Kay!“, das die „Roaring Twenties“ aufleben lässt und die Prohibition thematisiert, spielt heute, obwohl seinerzeit ein großer Erfolg, keine Rolle mehr, allein der Hit „Someone to watch over me“ ist heute noch bekannt. In der „Last Night“ gespielt wurde die Ouvertüre, die das Publikum jene reichhaltige Vielfalt Gershwins bescherte, für die der „Dieter Bohlen der amerikanischen Musik“ (Bosch über Gershwin) so geschätzt wird.

Noch mehr gilt dies für den „Amerikaner in Paris“, mit dem Gershwin der seinerzeitigen Kunsthauptstadt der Welt und letztlich auch sich selbst ein Denkmal setzte. Die Hupen waren gestimmt – pardon: in diesem Fall natürlich die Stradivaris der Hupen, wie Bosch launig erklärte -, und so durfte sich das Publikum in das Weltstadtgetümmel stürzen, das Gershwin so bunt und schillernd nachempfunden hatte. Es verfehlte auch hier seine Wirkung nicht, gerne folgten die Zuhörer dem schmissigen touristischen Streifzug und gab sich der wechselhaften Schönheit des Werks hin.

Hit auf Hit

Und schließlich das Werk, mit dem Gershwin den Jazz in die Oper brachte: „Porgy and Bess“. An diesem Abend geboten war die Suite, die George Gershwin zusammengestellt hatte, nachdem die Oper selbst zunächst kein Erfolg war, viele Lieder daraus jedoch umso mehr. Der Besuch in der Catfish Row setzte den krönenden Schlusspunkt an diesem hinreißenden Abend: Sopranistin Melba Ramos, Derrick Lawrence und der zu Recht vielgerühmte Chor aus Brünn beeindruckten mit makelloser Strahlkraft und zeigten einmal mehr, warum der eigens für diese Oper geschriebene „American Folk“ seinerzeit wie heute so beliebt ist. „I got plenty o’ nuttin’“, „It ain't necessarily so“, „Bess, you is my woman now“, und wie sie alle heißen, die bis heute zugkräftigen Hits aus dieser Oper, sie wurden vom Publikum begeistert gefeiert.

Besonders galt dies für das Zusammenspiel von Derrick Lawrence und dem Chor, die hier in bester Call-and-Response-Manier agierten. Melba Ramos schließlich, die zuvor bereits mit „The man I love“ aus dem Musical „Girl crazy“ beeindruckt hatte, sprach dem Publikum aus dem Herzen mit ihrem „Summertime, and the livin' is easy“. Dieser zu den meistgecoverten Werken gehörende Song beschrieb bestens die Stimmung, die im Rittersaal nach diesem Konzert herrschte. Mehr als gelungen dieser Abend, kein Tröpfchen trübte die Freude. Und am Ende donnerte an diesem Abend nur eines: der lange Applaus der 850 Besucher.

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