Bau Landeszentralbank bleibt erhalten

© Foto: Sabrina Balzer
Hendrik Rupp 23.06.2016
Die Zukunft der einstigen Landeszentralbank treibt viele Heidenheimer um. Sie können aufatmen: Der Bau bleibt erhalten und wird hergerichtet.

Wie genau der denkmalgeschützte Bau an der Ploucquetstraße künftig genutzt werden soll, ist noch nicht klar – doch die wohl wichtigste Nachricht kann man jetzt schon verkünden: Das genau 112 Jahre alte stattliche Haus bleibt vollständig erhalten und soll ein Hingucker in der künftigen Neubebauung nördlich des Ploucquet-Areals werden. Dafür erhält der Bau auch den nötigen Freiraum – die Neubauten sollen genügen Abstand lassen, damit das Haus zur Geltung kommt.

„Wir stehen aktuell mit drei sehr guten Investoren in Gesprächen und haben uns noch nicht entschieden“, sagt Dieter Steck, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse und damit Eigentümer des Gebäudes: „Klar ist aber, dass der Bau in jedem Fall erhalten, saniert und schön hergerichtet wird“. Abgerissen werden sollen auf jeden Fall die drei Garagen im Hinterhof, die in den 1960er Jahren gebaut wurden. Unklar ist auch, was aus dem ebenfalls lange nach dem Zweiten Weltkrieg an das Gebäude angefügte, quadratischen Tresor-Anbau wird: „Eigentlich stört er das Bild des historischen Gebäudes“, sagt Dieter Steck – doch der Abbruch des bunkerartig massiven Bauteils sei extrem teuer – und nicht wenige der Kaufinteressenten liebäugelten mit der Idee, auf dem Anbau eine weitere Terrasse zu haben.

Von der aus wird man auch einen schönen Brenzblick genießen können – denn nach dem Fall der früheren Kreissparkasse nebenan soll der LZB kein Neubau mehr so nahe auf den Leib rücken dürfen: „Unsere Pläne sehen vor eine komplette Sichtachse bis zum Brenzufer frei zu lassen, damit man den Bau auch von dort sehen kann“, sagt Oberbürgermeister Bernhard Ilg für die Stadt, die zweite entscheidende Akteurin für die Entwicklung des Geländes: Südlich der LZB soll auf der Freifläche bis zum Ploucquet-Areal jenes Projekt einer neuen Form von Seniorenwohnen entstehen, für das die Stadt und die Evangelische Heimstiftung Stuttgart seit über einem Jahr in engem Austausch stehen. Der mehrgeschossige Bau an der Ploucquetstraße soll aber gebührenden Abstand zum LZB-Gebäude wahren, eine mögliche Neubebauung im Norden, an der Stelle der heutigen Kreissparkasse, soll ebenfalls höfliche Distanz wahren. Ebensoviel Grün soll in Richtung Osten bleiben, wo im südlichen Teil der heutigen Freiflächen zwei weitere Punkthäuser wie auf dem Ploucquet-Areal entstehen sollen – allerdings nicht zwischen LZB und Brenz, wo die Sichtachse in Richtung des Flusses erhalten bleiben soll.

„Die Idee, die LZB in einen Neubau zu integrieren oder mit einem Neubau zu verbinden, hat sich nicht als gangbar erwiesen“, sagt Ilg. Man werde dem Bau mehr gerecht, wenn er für sich selber stehen könne.

Auch sonst wollen Stadt und Sparkasse dem künftigen Eigner der LZB entgegen kommen: Klar ist, dass der äußerlich hübsche, im Inneren aber kaum noch ansehnliche Bau mit erheblichem Aufwand saniert und hergerichtet werden muss. „Es ist kein Geheimnis, dass wir allerhand abgeschrieben haben, um den Preis für die LZB zu drücken“, sagt Dieter Steck – nach dem Abzug der Zentralbank nach Aalen hatte die Kreissparkasse den Bau einst vor allem wegen des gewaltigen Tresors erworben. OB Ilg wiederum verspricht Hilfe der öffentlichen Hand: „Wir werden sehen, dass der Erhalt der LZB aus den staatlichen Städtebauförderungen unterstützt werden kann“. Dies auch, weil sowohl dem OB als auch dem Sparkassen-Chef an einer nachhaltigen und gute Nutzung des historischen Baus gelegen ist: „Ein Schnellimbiss mit Neonschildern käme da natürlich nicht infrage“.

Dem baldigen Verkauf des Landeszentralbankgebäudes an einen der drei Interessenten haben die Gremien der Kreissparkasse bereits zugestimmt, über die Pläne der Entwicklung des Areals und der Zukunft der LZB wurde jetzt auch der Gemeinderat unterrichtet. Wann geht es also los am Areal? „Wie immer in Heidenheim“, sagt Ilg: „So bald wie möglich“.

Vom Rathaus-Ärger bis zum Interesse der Investoren: Abriss-Aufregung hatte offenbar auch gute Seiten

Für mächtig Wirbel und eine öffentliche Presseschelte des Oberbürgermeisters hatten im Februar HZ-Berichte über ein Abbruchgesuch für die LZB gesorgt. Es hagelte empörte Leserbriefe, aber auch Lokalpolitiker kritisierten den möglichen Abbruch - nicht zuletzt, weil der Gemeinderat zuvor klar für den Erhalt der Bank votiert hatte.

„Es war immer klar, dass wir das Haus erhalten wollen“, sagt OB Bernhard Ilg: „Aber wenn wir die LZB zum Beispiel mit einem Neubau hätten verbinden wollen, hätten wir aus Denkmalschutzgründen auch eine Genehmigung gebraucht“. Soll heißen: Auch für kleinere Eingriffe braucht es die komplette Abbruchgenehmigung.

„Dass wir das Haus ja gar nicht abbrechen wollten, haben viele nicht verstanden - auch die HZ nicht“, sagt Ilg heute: „Darüber habe ich mich wirklich sehr geärgert“.

Freilich scheint der Wirbel und das große öffentliche Echo auch positive Seiten gehabt zu haben: „Die wirklich guten Interessenten für den Bau meldeten sich erst nach den ganzen Artikeln“, sagt Kreissparkassen-Vorstandschef Dieter Steck. OB Ilg: „Am Ende hat der ganze Ärger vielleicht doch etwas genützt“.