Heidenheim Land erhört die Brenzbahn-Bitten zur Elektrifizierung

Durch dieses Tunnel muss sie kommen: Die Elektrifzierung der Brenzbahn birgt auch Herausforderungen, wie etwa die Verlegung durch das alte Tunnel zwischen Aufhausen und Itzelberg.
Durch dieses Tunnel muss sie kommen: Die Elektrifzierung der Brenzbahn birgt auch Herausforderungen, wie etwa die Verlegung durch das alte Tunnel zwischen Aufhausen und Itzelberg. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Karin Fuchs 05.06.2018
Das Verkehrsministerium stuft nach etlichen Protesten die Schienenstrecke Aalen-Ulm im Ausbauplan hoch: Doch das heißt nicht, dass die Elektrifizierung bis zum Jahr 2025 auch kommt.

Die Papierflut an Briefen und Resolutionen war groß, die im Verkehrsministerium aus der Region Ostwürttemberg, Ulm und dem Alb-Donau-Kreis eintraf. Alle hatten das gleiche Ansinnen: Die Brenzbahn darf in der Elektrifizierungsoffensive des Landes nicht Schlusslicht sein, sondern muss vorgezogen werden.

Verkehrsminister Winfried Hermann reagierte prompt und stufte die Brenzbahn hoch. Das heißt: bis 2025 soll die Strecke elektrifiziert werden. Als erstes erfuhr es die SPD als Antwort auf eine Anfrage und verkündete die Neuigkeit vorige Woche.

Minister steht zur Brenzbahn

Warum diese Kehrtwende? „An uns soll es nicht liegen“, versichert Ministeriumssprecher Edgar Neumann, dass das Land hinter einen schnellen Elektrifizierung der Brenzbahn steht. Aus der Region habe es zuvor andere Signale gegeben dahingehend, dass der zweigleisige Ausbau Vorrang habe. Dass das zusammen mit der Elektrifizierung einher gehen soll, da habe der Verkehrsminister nichts dagegen. „Wir lassen uns nicht jeden Tag in der Zeitung verprügeln, wenn wir doch gleicher Meinung sind.“

Neumann weist darauf hin, dass das Land die Brenzbahn zwar vorschlagen kann, jedoch nicht über den Ausbau entscheidet. Deshalb sucht der Minister Unterstützung bei den Bundestagsabgeordneten des Landes, den Verkehrs- und Haushaltssprechern der Fraktionen. In diesen Briefen von Ende Mai nennt er explizit die Brenzbahn als „überregionale Verbindungsachse“, die als Ausbaustrecke favorisiert werde.

Von den drei Bundestagsabgeordneten aus dem Wahlkreis kann Hermann Unterstützung erwarten. Leni Breymaier (SPD) und Margit Stumpp (Grüne) begrüßen die Hochstufung (wir berichteten) ebenso wie Roderich Kiesewetter (CDU), der aber auch mahnt, dass es zu keiner Verzögerung beim zweigleisigen Ausbau kommen dürfe, und die Frage aufwirft, wer die Planungskosten tragen wird.

Für Landrat Thomas Reinhardt kam das Einlenken vom Land nicht überraschend. „Die gesamte Brenzbahn-Region hat sich für die Elektrifizierung in Stufe 2 ausgesprochen. An solch einem Gewicht kommen das Land und der Verkehrsminister nicht vorbei“.

„Zweites Gleis first“ kein Widerspruch zur Elektrifizierung

Das er vor einigen Wochen die Devise „zweites Gleis first“ ausgegeben hatte, steht für ihn in keinem Widerspruch zur Elektrifizierung. Das zweite Gleis sei unabdingbar zur Angebotsverbesserung, doch die Elektrifizierung ebenso wichtig. Denn E-Loks liefen stabiler als die Dieselloks. Zudem blickt Reinhardt auf die anstehende Kosten-Nutzen-Analyse für die Strecke, für die der elektrische Antrieb von Vorteil sein könnte.

Der Landrat warnt jedoch: Die parallele Elektrifizierung dürfe den zweigleisigen Ausbau nicht bremsen. „Es wäre schlecht, wenn wir mit den Planungen wieder von Null beginnen müssten“ Überhaupt wisse man nicht, welche Kosten auf die kommunale Seite zukomme. Auch den Zeitplan sieht Reinhardt skeptisch: „Wenn es im Konzept des Landes Fertigstellung bis 2025 heißt, dann nehme ich das mit Schmunzeln zur Kenntnis“, sagt er und verweist auf die drei Jahrzehnte Wartezeit bei der Südbahn.

Oberbürgermeister Ilg: Die Brenzbahn ist das Rückgrat

Es sei bedauerlich, „dass wir Kommunalpolitiker ständig gezwungen sind, entsprechende Forderungen zu erheben“, schickt Oberbürgermeister Bernhard Ilg seiner positive Stellungnahme zum Elektrifizierungserfolg vorneweg. „Denn wie soll es eine Stadt wie Heidenheim mit ihren geografischen Verflechtungen in den ländlichen Raum schaffen, den motorisierten Individualverkehr in Teilen zu ersetzen, wenn nicht einmal das Rückgrat des öffentlichen Personenverkehrs ausgebaut wird, das ist nun mal die Brenzbahn.“

Zweite Brenzbahn-Gleis ist bereits in Planung

Neben der Elektrifizierung wird bereist seit 2014 am punktuellen zweigleisigen Ausbau der Brenzbahn gearbeitet. Damit könnten mehr Züge fahren und 40 Prozent mehr Bahnfahrer in die Züge bringen.

Der Plan für die Zweigleisigkeit

Auf zwei Abschnitten bei Langenau-Rammingen (5 Kilometer) und Sontheim-Bergenweiler (1,3 Kilometer) soll die Brenzbahn zweigleisig ausgebaut werden. Die Ausbaukosten werden auf 17 Millionen Euro geschätzt.

Die Sontheimer Erklärung unterzeichnen im Februar 2014 in Brenzer Schloss viele Politiker und Vertreter der Region. Darin wird der zweigleisige Ausbau und mittelfristig auch die Elektrifizierung gefordert.

Im Herbst 2014 sagt Verkehrsminister Hermann die Finanzierung zu – mit der Vorgabe, dass der Brenzbahn-Ausbau bis 2019 fertig sein soll. Die Kosten liegen jetzt schon bei 24 Millionen Euro.

Ende2015 wird der Verein Regio-S-Bahn Donau-Iller gegründet, unter dessen Federführung die Planun gläuft.

Der Kostenschock: Es wird viel teurer als geplant

Im Mai 2017 zeigt eine genauere Vorplanung durch die Bahn,dass die Investitionsund Planungskosten auf 66,2 Millionen Euro steigen.

Momentan prüft die Bahn den Fahrplan nach dem Ausbau, um abzusichern, dass der Ausbau auch das gewünschte Ergebnis bringt. Danach folgt bis Mitte 2019 eine Kosten-Nutzen-Analyse, bevor 2020 dann die Bauphase beginnen könnte.

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