Energiegespräche Energiegespräche: Ideen für ein Bauen der Zukunft

Volles Haus: Überwiegend Architekten und Planer interessierten für die Beispiele energieeffizienten Bauens.
Volles Haus: Überwiegend Architekten und Planer interessierten für die Beispiele energieeffizienten Bauens. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Karin Fuchs 08.11.2018
Wie Häuser zu Kraftwerken werden können, zeigten zwei Profis in Sachen Bauen und Architektur.

Wie können Architekten die Umwelt verantwortungsbewusst gestalten? Können sie gar einen Beitrag leisten, den Klimawandel zu stoppen? Prof. Dr. Martina Klärle ist überzeugt, dass das geht. Sie selbst hat es vorgemacht, indem sie ein altes Bauernhaus umgebaut hat in ein sogenanntes Plus-Energie-Haus, also ein Gebäude, das in der meisten Zeit des Jahres Energie ins allgemeine Netz einspeist. Und das, obwohl dort mehr als 50 Menschen arbeiten und wohnen.

Klärle war eine der beiden Gastrenderinnen bei den Heidenheimer Energiegesprächen, die mit nahezu 200 Besuchern so viele Gäste in den Lokschuppen lockten, dass die Stühle ausgingen. Aufgezeigt werden sollten Ideen für ein Bauen der Zukunft. „Es ist wichtig, die Weichen richtig zu Stellen, da Bauen weit in die Zukunft reicht“, sagte Wolfgang Sanwald von der Architektenkammergruppe Heidenheim, die neben der Landesgruppe und der VDI-Brenzgruppe jährlich dieses Forum organisiert.

Der zweite Gast kam aus der Schweiz. Dietrich Schwarz, Professor für Nachhaltiges Bauen, stellte den Umbau einer Industriehalle in der Züricher Innenstadt in ein Appartementhaus vor, wo vor allem der Platz eine Rolle spielte. „Wir wollten ein Passivhaus hinstellen, man kann aber kein Haus, das nur 12 Meter Breite hat, mit einem Meter dicken Wänden verstärken“, beschrieb er die Herausforderung. Gelöst hat er es, indem er als Dämmung ein neuartiges, nur acht Zentimeter dickes Material einsetzte. Auch sonst steckt viel Technik in Sachen Energiegewinnung im Haus, dem man das High-Tech jedoch nicht ansieht.

Nachhaltiger Bauernhof

Parallelen zu Heidenheim ließen sich im Vortrag von Martina Klärle erkennen, die als Vermessungsingenieurin und Umweltwissenschaftlerin in Frankfurt lehrt, aber in einem 700-Einwohner-Dorf im Norden Baden-Württembergs wohnt und den ländlichen Raum, wie man ihn auch im Landkreis Heidenheim findet, wertschätzt. Und das nicht nur wegen der guten Lebensqualität: „Der ländliche Raum ist das Rückgrat des Ballungsraums.“ Ihre Überzeugung ist: „Wir können jede neue ländliche Siedlung zu einem Kraftwerk für den Ballungsraum machen.“ Denn dort werde im Vergleich zu Großstädten wenig Energie verbraucht, die Möglichkeiten für erneuerbare Energie jedoch sind sehr groß.

Wie das geht, hat sie bei ihrem eigenen Haus vorgemacht. Für den sanierten Bauernhof „Hof 8“ in Schäftersheim im Main-Tauber-Kreis erhielt sie den deutschen Nachhaltigkeitspreis. Eingebaut ist dort ein Energiemanagement-System, das das Gebäude zu einem Energielieferanten macht. „Damit zeigen wir, wie Häuser zu Kraftwerken werden und wir damit gegen den Klimawandel kämpfen.“ Das sei, so ihre Überzeugung, eine große Chance für den ländlichen Raum, der schlechter geredet werde, als er ist. Vor allem im Hinblick darauf, dass durch die Digitalisierung Arbeitsplätze auf dem Land immer bedeutender würden.

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