Heidenheim / Karin Fuchs  Uhr
Wie zwei Schauspielerinnen im Auftrag der Krankenkasse alten Menschen helfen, ein Stück vom Glück zu finden: eine Clownvisite im Altenpflegeheim Stiftung Haus Lindenhof.

Das Glück kommt mit einer roten Knollennase daher. Es trägt Tupfen, Rüschen und Sommersprossen. Und verhält sich zugegebener Maßen etwas sonderbar. „Ich bin s’Liesel und das ist Lotti, oder andersherum? Komm lass uns die Plätze tauschen.“

Katrin Strazzeri (Liesel) und Hanna Münch (Lotti) machen ihre Sache perfekt. Ihnen gegenüber sitzt ein älterer Herr, der sofort auf das Gespräch eingeht, als wäre es das Normalste der Welt, mit einem Clown zu sprechen.

Die beiden Clowns sind auf Visite im Pflegeheim Stiftung Haus Lindenhof. Sie gehören zum gemeinnützigen Verein Rote Nasen Deutschland. Liesl und Lotti klopfen an die Türen und werden meist mit offenen Armen empfangen.

Heimleiter bemerkt positive Effekte

Seit Ende 2017 wird die Clownerei von der BKK Verbund Plus gefördert als Präventivleistung. „Das ist eine große Anerkennung für unsere Arbeit“, sagt Annika Seiffert, Rote-Nasen-Pressesprecherin. „Wir sind mehr als bunter Streusel auf dem Kuchen“, betont sie.

„Die Visite bewirkt mehrere Veränderungen bei den Menschen.“ Sie habe einen physiologischen Effekt, egal ob die Clowns auf Freude und Ablehnung stoßen. Der Atem werde erhöht, die Zellen würden mit mehr Sauerstoff versorgt, die Aufmerksamkeit steige. „Die Visite hat Auswirkungen auf Körper und Geist“, sagt Willi. Der positive Effekt gehe sogar so weit, dass manchmal ein Teil der Medikamente weggelassen werden könne.

Clowns statt Medikamente

Eine Studie speziell für den Effekt bei alten Menschen gebe es zwar noch nicht, darfür aber eine für OP-Begleitungen bei Kindern. Und diese besagte, dass die Kinder weniger Medikamente bräuchten, sagt Annika Seiffert.

„Das tut mir gut, ein bisschen Spaß und Musik“, sagt Werner Breyer, der soeben mit Clown Liesel ein Tänzchen aufs Parkett gelegt hat. Begleitet wurden sie von Opa Alfred, wie Lotti ihr kleines Schifferklavier nennt. Das hat sie in einem der beiden Koffer, die sie wie eine Arzttasche bei der Visite mit dabei hat.

Schaf statt Stethoskop

Statt Stethoskop oder Blutdruckmessgerät ist im anderen Koffer Schaf Olaf, das sie als Handpuppe benutzt, um mit den Heimbewohnern zu kommunizieren. Es klappt. Olaf macht einer Seniorin Komplimente. Und diese lacht und stimmt in ein Lied mit ein.

Warum gerade Clowns?

„Clowns gehen runter auf Augenhöhe mit den Menschen“, sagt Maria Gundolf, künstlerische Leiterin der Roten Nasen. „Sie purzeln aus dem Leben raus, sind mit dem Leben verwoben und leben im Moment.“ Genau das sei es, was die Menschen auf der Herzensebene anspreche.

Der Vertrag mit der Krankenkasse wird bis 2020 verlängert, heißt es vonseiten der BKK, der speziell die Förderung in der Region wichtig ist. Besucht werden Bewohner unabhängig davon, zu welcher Krankenkasse sie gehören.

380 Clowns im Auftrag der Gesundheit

Der Verein Rote Nasen gehört zur Organisation Red Noses Clowndoctors international, 380 Clowns sind in zehn Ländern tätig. Nach eigenen Angaben besuchen die Clowns rund 600 000 Menschen jährlich.

In Heidenheim sind die speziell ausgebildeten Clowns nur bei der Stiftung Haus Lindenhof tätig. Dort haben sie wöchentlich Kontakt zu bis zu 30 Bewohnern. In Deutschland sind rund 60 Clown-Künstler tätig. kf