Heidenheim Albrecht Briz eröffnet seine Ausstellung im Türmle

Holzschnitte, die nie gedruckt wurden: Albrecht Briz will mit seiner Ausstellung im Türmle, die mehr einer Kunstsammlung gleicht, nicht nur die Besucher, sondern auch sich selbst überraschen.
Holzschnitte, die nie gedruckt wurden: Albrecht Briz will mit seiner Ausstellung im Türmle, die mehr einer Kunstsammlung gleicht, nicht nur die Besucher, sondern auch sich selbst überraschen. © Foto: Joelle Reimer
Heidenheim / Joelle Reimer 12.06.2018
Der Steinheimer Albrecht Briz zeigt ab Freitag, 15. Juni, seine Ausstellung „Alles muss rein“ im Türmle in Heidenheim. Der Titel darf dabei wörtlich genommen werden.

Auf der linken Seite im Erdgeschoss lehnen mehrere Bilder an der Wand. Übereinander, hintereinander, nebeneinander. Albrecht Briz steht daneben und betrachtet seine Werke – er ist mitten im Aufbau seiner Ausstellung, die ab Freitag, 15. Juni, im Türmle zu sehen sein wird. „Das hier unten bleibt so, das ist schon fertig. So kommen die Besucher gleich beim Eintreten in die richtige Stimmung“, erklärt Briz die etwas chaotisch wirkende Anordnung seiner Bilder.

Allein der Titel der Ausstellung – „Alles muss rein“ – verrät, dass genau das genau so gewollt ist. Lieber mehr als weniger ist hier die Devise, und wenn nötig wird eben auch gestapelt. Briz überrascht gerne: nicht nur die Betrachter seiner Werke, sondern auch sich selbst. So nimmt er dieses Mal Abstand von Gewohnten; klassisch gerahmte und gehängte Bilder an der Wand kommen fast nicht vor, und wenn doch, dann nur im Kombination mit zusätzlichen Elementen.

Mut zum Unfertigen

„Diese Kaltnadelradierungen hier, das ist ein klassisches Medium und deshalb werde ich sie auch klassisch gerahmt hängen“, sagt Briz. Doch direkt daneben bringt er seine aus Spanplatten ausgesägten Würste an, als Ergänzung dazu ein Leporello und zwei gerahmte Kunstwerke aus Tusche, die allerdings auf dem Boden stehen. „Ich finde es unheimlich langweilig, wenn alles ganz geordnet und perfekt hängt. Spannend ist es doch, den Mut zu haben, etwas scheinbar unfertig zu lassen – und das kann sich dann als ideale Lösung herausstellen“, so Briz.

Dass der geborene Steinheimer überhaupt im Türmle ausstellt, war anfangs für ihn undenkbar. „Ich wollte nie dahin, weil ich dachte, ich bekomme meine Sachen dort gar nicht unter. Aber ich habe mich umentschieden und die Herausforderung angenommen“, erzählt Briz. Und er geht noch weiter: Nicht nur, dass er den vorhandenen Platz nutzt – nein, er packt viel mehr in die Räume, als eigentlich hineinpassen würde. So entwickelte sich aus der anfänglichen Abneigung die Lust, es auszuprobieren, und nun erinnert das Ganze weniger an eine Ausstellung, sondern vielmehr an eine Kunstsammlung.

„Ich habe alles auf Verdacht einmal mit hier her genommen und erst vor Ort geschaut, was wo passt und welche Werke ich kombinieren kann. Das ist zwar viel mehr Arbeit, aber so sind ganz neue Dinge entstanden“, sagt Briz. Diese Art der Auseinandersetzung mit der eigenen Kunst bringe ihn auch selbst einen Schritt weiter.

Und an Vielfalt dürfte ihn so schnell niemand übertreffen: Da reihen sich große Bleistiftzeichnungen an auf Glas vorgemalte Monotypien, Collagen finden sich neben Ölgemälden wieder und die Foliendrucke, die Briz bei der letztjährigen „Open“-Ausstellung im Klinikum gezeigt hatte, hängen überlappend an der Wand und geben so ein ganz neues Bild ab. Und das farbige Leporello aus Holz, das an der Wand nebenan hängt? Mit einer überdimensionalen Bettflasche aus Styropor darunter? „Tja, das müssen wir jetzt aushalten. Dazu gebe ich keine Erklärung“, so Briz.

Im obersten Stockwerk warten ganz besondere Werke des Steinheimers auf die Besucher: Holzschnitte, die niemals gedruckt wurden. „Ich habe hier nur die Rohlinge nebeneinander gehängt. Die Originale fand ich tausendmal interessanter“, so Briz; es geht ihm dabei nicht um das gedruckte Endergebnis, sondern um das Zeichnen mit dem Dremel auf Holz. Dazu Monotypien verschiedener Körper, umrahmt von einem mit Buntstiften gemalten Rand. „Ich habe immer Phasen, in denen ich mich ganz einer Technik widme. Und dann, irgendwann, ist es genug und ich probiere wieder etwas anderes“, erklärt Briz. Bis allerdings die Besucher der Ausstellung genug davon haben, dürfte es angesichts der Fülle an Kunstwerken eine Weile dauern. Mindestens aber bis 21. Juli – so lange nämlich dauert die Ausstellung im Türmle.

Die Vernissage findet am Freitag, 15. Juni, um 19 Uhr statt. Geöffnet ist donnerstags und freitags von 16 bis 18 Uhr und mittwochs und samstags von 11 bis 13 Uhr.

Kunstverein Heidenheim

Gegründet wurde der Kunstverein Heidenheim im Jahr 1973. Aktuell hat er rund 160 Mitglieder. Im Bürgerturm, dem sogenannten Türmle, zeigt der Verein auf vier Ebenen und etwa 150 Quadratmeter Ausstellungsfläche Gegenwartskunst von hiesigen Künstlern, Künstlern aus Deutschland und aus Europa.

Das Türmle ist als Ausstellungsraum eher ungewöhnlich: Viel Fachwerk, kleine Räume, verwinkelte Gänge. Das Türmle ist der letzte von einst sechs Wach- und vier Tortürmen der mittelalterlichen Stadtbefestigung, der heute noch steht. Der Turm war bis Ende des 18. Jahrhunderts von einem Halbkegeldach bedeckt, anschließend erhielt er den heutigen Fachwerkaufsatz.

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