Heidenheim / Karin Fuchs  Uhr
Die Stadt will das Gelände des ehemaligen Schlachthofes kaufen. Möglich wäre dort eine Wohnbebauung oder sogar ein Kulturzentrum. Über dies und andere Ideen sprach Oberbürgermeister Bernhard Ilg beim ersten Stadtteilspaziergang mit den Bürgern in der Oststadt.

Rund 4000 Menschen wohnen in dem Gebiet, das Sanierungsgebiet „Soziale Stadt Oststadt“ wird. Rund 1,7 Millionen Euro stehen vorerst zur Förderung der Sanierungen zur Verfügung. Falls mehr Geld nötig ist, scheint eine Aufstockung jedoch aufgrund der Erfahrungen in den vorangegangenen Sanierungsgebieten nicht ausgeschlossen. Aufgrund der Größe des Gebiets, das von der Bahnlinie bis zum Bühl reicht, hat die Stadtverwaltung die Begehung auf zwei Etappen aufgeteilt. Am Samstag nachmittag war der nördliche Teil an der Reihe. Rund 80 Interessierte liefen gemeinsam mit Oberbürgermeister Bernhard Ilg, Mitarbeitern der Stadtverwaltung sowie den beiden Ansprechpartnerinnen der Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH durch die Siedlung. Während der OB den Bürgern die Pläne der Stadt vorstellte, gaben die Bürger ihrerseits Anregungen und wiesen auf Probleme hin.

Schlachthof-Gelände: Laut Oberbürgermeister will die Stadt den ehemaligen Schlachthof samt der Nebengebäude von der Fleiga kaufen. Die Kaufverhandlungen laufen bereits, über den Preis sei man sich noch nicht einig. Konkrete Vorschläge zur Nutzung des Geländes gibt es laut Ilg noch keine, doch hält er nach einem Abriss unter anderem eine Wohnbebauung für möglich. Der Vorschlag vonseiten eines Bürgers, dort ein Kulturzentrum als Treffpunkt für die Oststadt einzurichten, stieß bei Ilg auf offene Ohren. „Das passt gut zur sozialen Stadt“, sagt er und verwies auf die Bemühungen der Stadt, in den Stadtteilen Begegnungs- und Familienzentren zu schaffen.

Zebrastreifen und Poller: Eltern wünschen sich an der Querung der Hermann-Poppe-Straße über die Seestraße einen Zebrastreifen, damit Kinder auf dem Weg zu Schule und Kindergarten sicheren Fußes über die ihres Erachtens viel befahrene Straße kommen. Ilg verwies darauf, dass man für die Einrichtung eines Zebrastreifens ein gewisses Verkehrsaufkommen brauche. Eine Messung habe dies nicht erbracht. Ilg versicherte jedoch, dass die Stadt noch einmal messen werde in einem 12- oder 24-Stunden-Zeitraum, um nicht zur falschen Zeit zu messen. An anderen anderer Stelle wie etwa der Neunhoefferstraße wurden vonseitern der Bewohner Raser bemängelt. Doch Poller schließt Ilg als Bremse aus. „Da wird kurz runtergebremst und danach wieder beschleunigt.“ Und auch der DRK lehne diese ab.

Ostplatz und Spielplätze: Im Zuge der Sanierung könnte auch der Ostplatz ein schöneres Gesicht bekommen, was vonseiten der Stadt notiert wurde. Ein Anwohner schlug vor, die Straßen ringsum zu entsiegeln und bei der Gestaltung die Bürger mit einzubinden. Und auch die Verkehrsführung rund um den Platz sollte in diesem Zuge geprüft werden. Da die Oststadt gerade für junge Familien ein interessantes Wohngebiet sei, stieß bei Ilg auch die Anregung für weitere Spielplätze auf offene Ohren. Gerade im Bereich der Schülestraße wird ein solcher sehnlich vermisst, da der Weg zur Ostschule als nächsten Spielplatz für Kinder doch recht weit sei. „Das Thema ist uns bewusst in diesem Quartier“, so Ilg.

Erhard-Gelände: Weil die Firma Erhard den Eingang zum Stadtteil prägt, wünschen sich manche Anwohner eine schönere Abgrenzung als die bislang bestehenden Fronten aus Garagen und alten Zäunen. Ilg versicherte, mit Erhard in Kontakt zu sein. Doch Pläne, Teile des Werksgeländes aufzugeben, gebe es momentan nicht. „Wir wäre nicht unfroh gewesen, wenn hier etwas passiert wäre. Ein Altenpflegeheim hätte mir schon gefallen“, sagte Ilg.

Gagfah-Wohnungen: Angesprochen auf den Sanierungsrückstand bei manchen Wohnblöcken, rechnet auch Ilg, die Gagfah das Signal des Sanierungsgebietes aufgreift. Die Stadt achte darauf, dass die Gagfah zumindest den Betrag in die Sanierung steckt, der Vertraglich festgeschrieben sei. Abgesehen von den zwei Anfangsjahren habe der Wohnungskonzern dies auch getan, so Ilg.

Aussichtsturm: Bis 1968 stand auf dem Schmittenberg ein Aussichtsturm, den sich manch alteingesessener Anwohner zurück wünscht. Das sei eine schöne Idee, so Ilg, der sich hier eine Bürgerinitiative wünschen würde. Stadtrat Rudi Neidlein, aufgewachsen direkt am Fuße des Schmittenbergs, berichtet davon, dass die SPD dabei sein, eine Initiative zu gründen.

Wie geht's weiter? Der Gemeindrat legt im Mai oder spätestens im Juni die genauen Abgrenzungen des Sanierungsgebietes fest und fasst einen Satzungsbeschluss. Darin sind dann auch die Sanierungsziele samt der von den Bürgern eingebrachten Rückmeldungen festgeschrieben. Die Wüstenrot richtet dann ein Stadtteilbüro ein für Beratungen von Privatleuten. Das Sanierungsgebiet wird vorerst bis zum Jahr 2024 bestehen.