Heidenheim / Thomas Zeller Mieten, wohnen, kaufen: Der Mietmarkt in Heidenheim ist angespannt. Gerade Geringverdiener haben nach Angaben des Kreismietervereins Probleme eine bezahlbare Bleibe zu finden.

Wenn Mieter Schwierigkeiten mit undurchsichtigen Nebenkostenabrechnungen oder Streit mit dem Vermieter haben, wenden sie sich zumeist an den Kreismieterverein. Dessen Mitgliederzahl schwankt seit Jahren zwischen 1500 und 2000. Doch der Beratungsbedarf steigt deutlich an, meinen der Vorsitzende des Vereins Dieter Ruppe und seine Stellvertreterin Elli Nerz im Interview.

Wie schätzt der Mieterverein die Situation auf dem Wohnungsmarkt in Heidenheim ein?

Ruppe: Die Lage ist schwierig. Aktuell liegen die Kaltmieten in der Stadt zwischen 5,65 und 6,35 Euro pro Quadratmeter für einfachste Wohnungen, für gut ausgestattete Wohnung werden rund sieben Euro verlangt. Aber es gibt auch Gebiete wie das Ploucquet-Areal, da werden schon um die zehn Euro erreicht.

Solche Preisspannen gibt es doch auch in anderen Städten. Was ist denn da das Besondere in Heidenheim?

Ruppe: Hier geht es um die historische Preisentwicklung. Ich bin vor rund 30 Jahren in eine 100-Quadratmeter-Wohnung der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GBH am Siechenberg gezogen. Damals habe ich rund 460 D-Mark gezahlt. Als ich vor zehn Jahren dort ausgezogen bin, lag die Miete bereits bei 560 Euro und diese Entwicklung geht natürlich weiter. Die Miete hat sich in diesem Zeitraum also mehr als verdoppelt, das Gehalt aber nicht. Und diese Entwicklung beschleunigt sich gerade.

Woran liegt das?

Nerz: Die GBH hat noch Sozialwohnungsbau betrieben. Die Stadt hat aber vor mehr als zehn Jahren entschieden, ihren Wohnungsbestand an gewinnorientierte Unternehmen zu verkaufen. Jetzt gehören beispielsweise der Vonovia viele Wohnungen in der Stadt. Und dieses Unternehmen hebt die Mieten systematisch an, zuletzt sogar im 18-Monats-Rhythmus. Dadurch hat sich das Wohnen in ganzen Straßenzügen in diesem Zeitraum um bis zu 15 Prozent verteuert.

Hat die Vonovia deshalb Probleme ihre Wohnungen zu vermieten?

Ruppe: Im Gegenteil. Die Vonovia könnte deutlich mehr renovieren als bisher, macht es aber nicht, um das Angebot zu verknappen. Nach unseren Schätzungen lässt die Firma rund zehn Prozent ihres Bestandes leer stehen. Das wird ihnen das Unternehmen aber garantiert nicht offiziell bestätigen.

Was bedeutet denn die angespannte Lage für sozial Schwächere in der Stadt?

Nerz: Die Vonovia sagt ganz klar, dass sie keine Leistungsempfänger in ihren Wohnungen haben möchte, also keine Hartz-IV-Empfänger aber auch ältere Menschen, die von Grundsicherung leben. Das Unternehmen hat zwar noch Wohnungen, die in einem sehr schlechten Zustand sind, aber normal renovierte Wohnungen liegen preislich immer über den Arbeitslosengeld-2-Satz. Darunter leiden beispielsweise auch Frauen aus dem Frauen- und Kinderschutzhaus. Sie haben große Probleme überhaupt eine Wohnung zu finden.

Neben der Vonovia gibt es noch ein zweites größeres Wohnungsunternehmen in der Stadt, Peach Property. Wie zufrieden sind denn die Mieter dieser Firma?

Ruppe: Ich persönlich habe mich schon gefragt, mit welcher Absicht Peach Property das Wohnungspaket gekauft hat. Denn darin sind nicht gerade Vorzeigeobjekte enthalten. Von der Struktur erinnert das Paket eher an einen Flickenteppich, der sich durch die ganze Stadt zieht. In einigen Häuser gehört der Gesellschaft nur eine Wohnung, in anderen Gegenden aber auch mal ein ganzes Haus. Dazu gehören aber viele Stellflächen, Parkplätze und freie Flächen. Inzwischen ist aber auch klar, welche Strategie Peach Property verfolgt.

Welche wäre das denn?

Nerz: Die Firma legt den Schwerpunkt zurzeit auf den Verkauf. So sind fast allen Mieter ihre Wohnungen zum Kauf angeboten worden, was für große Unruhe gesorgt hat. Die Menschen kommen zum Mieterverein, weil sie Angst davor haben, dass ihre Wohnungen nun erneut verkauft werden und sie dann ausziehen müssen. Die meisten Mieter, die sich an uns wenden, sagen, dass sie die aufgerufenen Preise nicht zahlen können.

Wie könnte denn ihrer Meinung nach, die Lage auf dem Wohnungsmarkt entschärft werden?

Ruppe: Es gibt viel zu wenige Wohnungen in Heidenheim. Mit dem Verkauf der GBH hat sich die Lage für Mieter in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Die Stadt muss sich endlich wieder ihrer sozialen Verantwortung bewusst werden.

Nerz: Genau. Die Stadt muss mehr Angebote für Geringverdiener schaffen und dieser Wohnraum muss an den öffentlichen Nahverkehr angebunden werden. Es bringt nichts diese Menschen in Gegenden unterzubringen, von denen sie nicht zur Arbeit kommen. Eigentlich muss die Stadt auch eigene Wohnungen besitzen, nur so kann sie Ghettos vermeiden. Schauen sie nur mal den Mittelrain an. Dort gibt es Blöcke, da stehen an jeder Klingel vier Namen, die vermutlich nicht deutschen Ursprungs sind. Das ist so geballt, da kann keine Integration gelingen. Ich hätte da lieber Viertel, in dem alles gemischt ist – alt, jung, verschiedene soziale Schichten und Herkunftsländer.

Zur Person:

Dieter Ruppe ist 61 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Seit 2005 übt er das Ehrenamt als erster Vorsitzender des Kreismietervereins aus. Bis Ende 2017 war Ruppe bei Voith Turbo beschäftigt und befindet sich seitdem im Vorruhestand.

Elli Nerz ist 62 Jahre alt, verwitwet und Mutter von zwei Kindern. Ihr verstorbener Ehemann Horst Mack war als Anwalt auch stark im Mieterverein engagiert. Die Arbeitsvermittlerin bei der Arbeitsagentur berät seit über 15 Jahren ehrenamtlich im Mieterverein. Dort liegt ihr Schwerpunkt auf Betriebskostenabrechnungen.