Heidenheim / Silja Kummer Ab 2020 tritt die Pflegeberufereform in Kraft. Damit entfällt die Aufteilung in Alten-, Kinderkranken- und Krankenpflege. Auch die Krankenpflegeschule am Heidenheimer Klinikum bereitet sich auf diese Umstellung vor.

Das Pflegeberufereformgesetz, das 2017 verabschiedet wurde, ist dafür verantwortlich, dass auch in der Gesundheits- und Krankenpflegeschule des Klinikums Heidenheim alles neu gedacht werden muss: Bisher gab es unterschiedliche Ausbildungen für Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege. Ab 2020 gibt es die generalistische Pflegeausbildung, also eine Ausbildung, die für alle drei Tätigkeitsfelder gleich ist. „In allen anderen EU-Ländern ist das schon jetzt so“, sagt Brigitte Rubin, Leiterin der Krankenpflegeschule. Für sie kommt das neue Gesetz nicht überraschend, es sei schon Jahre in der Schublade gelegen. Trotzdem stehen die Vorbereitungen für die neue Ausbildung jetzt an: Während sich rein organisatorisch für die Krankenpflegeschüler wenig ändern wird, müssen die Lehrkräfte die Ausbildungsinhalte den neuen Anforderungen anpassen. „Der Rahmenlehrplan kommt aber erst im Juni“, so Barbara Stahl, Lehrerin an der Krankenpflegeschule. Die Vorarbeiten für das neue Curriculum liefen jedoch bereits.

93 Ausbildungsplätze bietet die Krankenpflegeschule derzeit an, daran soll sich auch nichts ändern. Die Unterrichtsräume sind über dem Hallenbad auf dem Klinikgelände gelegen. Dreieinhalb Lehrerstellen stehen für die Ausbildung zur Verfügung, in Zukunft müssten es wohl fünf sein, meint Brigitte Rubin. Ein Mehraufwand wird entstehen, da von den 2500 Praxisstunden, die die Pflegeschüler künftig leisten, zehn Prozent unter Praxisanleitung stattfinden müssen. Für diese klinische Anleitung brauchen die Lehrer künftig mehr Zeit.

Mehr Pflegeschüler werden ab 2020 wahrscheinlich im Klinikum tätig sein: Zu den eigenen Schülern aus der Krankenpflegeschule kommen in Zukunft auch noch die Schüler, die beispielsweise an der Maria-von-Linden-Schule die Ausbildung absolvieren. „Es gibt auch jetzt schon Kooperationen, aber die Praxisanfragen werden sicherlich mehr werden“, sagt Pflegedirektor Klaus Rettenberger. „Es wird eng werden“, meint er, denn vor allem in der Kinderkrankenpflege stehen nur 24 Betten auf den Kinderstationen zur Verfügung.

Unklar ist laut Rettenberger auch, wie die Finanzierung der generalistischen Pflegeausbildung abgewickelt werden soll. „Das Gesetz sieht eine Gegenfinanzierung vor, es weiß aber noch niemand genau, wie das funktionieren soll“, sagt er. Für das Klinikum ist die Pflegeschule von zentraler Bedeutung: „Ohne sie könnten wir unsere freien Stellen gar nicht besetzen“, meint Rettenberger. Im Oktober werden beispielsweise vom aktuellen Abschlusskurs 24 Schüler in eine Festanstellung übernommen.

Der Kern der Ausbildung werde auch in Zukunft gleich bleiben, sagt Barbara Stahl: „Es geht darum, Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen“, meint sie. Nur würden künftig alle Altersgruppen in den Fokus genommen und unter verschiedenen Rahmenbedingungen betrachtet. „Die Grundlogiken der Pflege müssen auf andere Rahmenbedingungen übertragen werden können“, so Stahl. „Dies ist auch dem demographischen Wandel geschuldet“, sagt Schulleiterin Rubin: Die Patienten im Klinikum würden immer älter werden, andererseits sei die Verweildauer so kurz, dass medizinische Kenntnisse auch in der Pflege vonnöten sind.

Ebenfalls möglich ist es bereits jetzt, nach der dreijährigen Pflegeausbildung noch eineinhalb Jahre Studium anzuhängen. „Dabei werden die Inhalte der Ausbildung aufs Studium angerechnet“, sagt Brigitte Rubin. Auch hier nähere sich Deutschland erst langsam an Standards an, die in anderen Ländern schon gelten, meint Klaus Rettenberger: „Pflege ist in allen Ländern bereits akademisch“, sagt er.

Generalistische Pflegeausbildung: Finanzierung über einen Fonds

Die Kosten der künftigen Pflegeausbildung werden aus einem Ausgleichsfonds finanziert. Der Gesamtfinanzierungsbedarf wird durch Einzahlungen von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sowie von der Pflegeversicherung und vom Land gedeckt. Die Träger der praktischen Ausbildung und die Pflegeschulen erhalten entsprechende Ausgleichszuweisungen aus dem Fonds.

Ab 2020 tritt in Baden-Württemberg die Pflegeberufereform in Kraft. Alle künftigen Pflegekräfte erlernen dann in den ersten beiden Jahren ihrer Ausbildung die gleichen Inhalte in Theorie und Praxis. Die alte Aufteilung in Alten-, Kinderkranken- oder Krankenpflege von Ausbildungsbeginn an entfällt. Möglich bleibt eine Vertiefung in den Bereichen Altenpflege und Kinderkrankenpflege im dritten Ausbildungsjahr. Dies wird jedoch im Klinikum Heidenheim nicht angeboten werden, da die Kurse mit jeweils ca. 30 Schülern dafür zu klein sind.