Heidenheim / Günter Trittner Beim Unterhalt muss der Landkreis bei mehr Fällen in Vorleistung gehen. Der Bund hat das Gesetz geändert.

Im Fachbereich Jugend und Familie der Landkreisverwaltung hatte man mit mehr Arbeit gerechnet, aber nicht in diesem Maße. Und auch die finanziellen Aufwendungen schlagen alle Prognosen. Die Rede ist von den Unterhaltsvorschussleistungen. 2017 hat der Bund die Höchstbezugsdauer von bislang 72 Monaten gestrichen und gleichzeitig die Altersgrenze auf 18 Jahre angehoben. Alle betroffenen Kinder von null bis 18 Jahren haben somit Anspruch auf Unterhaltsvorschuss, wenn Väter oder Mütter ihrer Unterhaltspflicht nicht nachkommen.

Eine Flut von Anträgen

Fachbereichsleiterin Karin Romul sprach von einer Flut an Anträgen, welche die Verwaltung erreicht habe, und machte dies mit Zahlen deutlich. 2016, im Jahr vor der Reform, hatte die Verwaltung noch in 459 Fällen Geld bezahlt, 2018 waren es 905 Fälle. „Das ist fast eine Verdoppelung.“

Noch stärker sind die Geldleistungen in die Höhe gegangen. Von 1,05 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 2,51 Millionen Euro im vergangenen Jahr. 30 Prozent davon bleiben am Landkreis hängen, 70 Prozent tragen Bund und Land.

Im Hinblick auf die Gesetzesänderung war dem Fachbereich bereits eine zusätzliche Arbeitsstelle in der Unterhaltsvorschusskasse zugeschlagen worden. Romul bezweifelte, dass dies ausreichen wird. Für 2020 werde der Fachbereich eine weitere Personalaufstockung beantragen.

Land zahlt vielleicht etwas mehr

Hoffnung auf eine Änderung gibt es bei den Ausgaben. Das Land, so Romul, stelle einen Ausgleich in Aussicht, sollte bis Ende 2019 die Mehrbelastung mehr als zehn Prozent ausmachen.

Hausintern, so Erster Landesbeamter Peter Polta zu den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses, werde man die Rückgriffsquote besonders in den Blick nehmen. Denn bei den Rückforderungen der Unterhaltsleistungen hinkt der Landkreis dem Landesdurchschnitt hinterher. 2017 lag die Rückgriffsquote im Landkreis bei 19,04 Prozent, im Land bei 32,51 Prozent.

Kreisrat Dr. Stephan Bauer (CDU) schickte angesichts dieser Nachrichten einen ironisch gemeinten Dank an die Bundesregierung für diese Nachbesserung des Gesetzes. Den Blickwinkel der Betroffenen nahm dagegen SPD-Kreisrätin Birgit Koepsel. Es sei eine beeindruckende Summe, welche bisher den Alleinerziehenden vorenthalten wurde. Günter Trittner