Heidenheim / Manfred F. Kubiak Das Heidenheimer Kunstmuseum präsentiert ab Samstag Großformate aus der hauseigenen Sammlung mit zeitgenössischer Kunst.

Etwas Großes zu versprechen, ist relativ leicht. Die Kunst ist, das Versprechen zu halten. Und so betrachtet, muss man sich im Heidenheimer Kunstmuseum mitnichten den Vorwurf der unlauteren Werbung machen lassen, weil man seit geraumer Zeit auf Plakaten und am Haus selbst für „Großes“ trommelt. So lautet der Titel der nächsten Ausstellung. Und wo Großes draufsteht, ist auch Großes drin im Kunstmuseum. Sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne übrigens – und inhaltlich wie in der Form.

So groß ist das Große, das ab dem morgigen Samstag im Kunstmuseum zu sehen sein wird, dass, wie es in der Einladung zur Vernissage um 17 Uhr heißt, kleinformatige Arbeiten dort nicht zu finden sind. Und zwar „aus Platzmangel“. Mal ganz abgesehen davon, dass diese Begründung auch als wunderbare Schmonzette taugt, leuchtet sie bei genauerer Betrachtung allerdings auch ein. Denn Großformate, die nicht ihrer Wirkung beraubt werden sollen, müssen luftig hängen, umgeben von großzügig gewährtem Raum.

Wobei es nun an der Zeit wäre zu erklären, von was für Großformaten denn überhaupt die Rede ist. Nun, von den Großformaten aus der Sammlung des Kunstmuseums. Aus deren Sammlung mit zeitgenössischer Kunst, um genauer zu sein. Bei der es sich, um es noch genauer zu beschreiben, um eine Sammlung aus Ankäufen aus den diversen Ausstellungen in der bald 30-jährigen Kunstgeschichte des früheren Volksbades handelt.

Eine Art Retrospektive

Insofern könnte man die Ausstellung auch als eine Art Retrospektive der Arbeit im Kunstmuseum betrachten. Folgerichtig stellt sich beim Rundgang mehr als nur einmal mitunter das vage und ganz oft das bestimmte Gefühl ein, das ein oder andere Exponat schon einmal gesehen zu haben. Und einer kennt sie selbstverständlich alle: Dr. René Hirner, der Direktor des Kunstmuseums, der in 28 Jahren fast sämtliche Ausstellungen dort verantwortet und nahezu auch jeden Ankauf dieser Sammlung getätigt hat. Weshalb man die Frage, welches Exponat denn sein Favorit sei, auch eher rhetorisch an ihn richtet. Denn die Antwort liegt ja auf der Hand: „Mir gefallen alle.“

Die durch private Zustiftungen und Gaben des Förderkreises des Museums ergänzte Sammlung mit zeitgenössischer Kunst wuchs gewissermaßen im Schatten der großen Picasso-Erwerbungen des Kunstmuseums heran, gekauft in unregelmäßigen Abständen und mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln. Wobei besonders auch darauf geachtet wurde, Künstlerinnen und Künstler aus der Region zu berücksichtigen.

Im Zentrum der ersten öffentlichen Präsentation einer durchaus sehr repräsentativen Auswahl dieser Sammlung stehen nun also vom 13. April bis zum 30. Juni großformatige Werke in unterschiedlichen Materialien und Techniken. Sie reichen von Malerei auf Leinwand über die Objektkunst und die Holzbildhauerei bis hin zur Medienkunst. Auch was die Darstellungsweisen anbelangt, zeigt sich die Schau von einer umfassenden Seite und beinhaltet abstrakt-gestische Malerei genauso wie streng geometrische Kompositionen, raffinierte Abstraktionen, bewusst primitivistische Figurationen und höchst artifizielle Computerzeichnungen.

Hängung mit Augenzwinkern

Viel Freude macht auch die sinn- und inhaltsbezogene Hängung der Heidenheimer Großformate, die René Hirner mitunter auch mit einem selbstverständlich nie am künstlerischen Bezug vorbeiblinzelnden Augenzwinkern vorgenommen hat. Jedenfalls macht es, nur zum Beispiel, einen Heidenspaß, zu betrachten, wie Horst Antes’ ja auch in eindeutiger erotischer Absicht gelb auf blau daherkommender Kopffüßler sich scheinbar hoch erfreut und absichtsvoll Jürgen Stimpfigs rosiger, einem Abenteuer nicht abhold scheinender, dem berühmten „Interieur mit Totenkopfstehlampe“ innewohnender Dame zuwendet.

Eröffnet wird die Ausstellung „Großes“ im Heidenheimer Kunstmuseum am morgigen Samstag um 17 Uhr.

Eine Vielzahl von Künstlern

Zahlreich sind die in der Ausstellung „Großes“ im Heidenheimer Kunstmuseum vertretenen Künstler. Zu sehen sind Werke unter anderem von Horst Antes, Frank Badur, Sabie Berr, Friedemann Blum, Albrecht Briz, Thomas Deyle, Margret Eicher, Friedhelm Falke, Beate Gabriel, Thomas Heger, Albert Hien, Bim Koehler, Paul Morrison, Camill Leberer, Gerold Miller, Horst Pommerenke, Ulrike Rosenbach, Jürgen Stimpfig, Rudi Weiss, Andreas Welzenbach, Thomas Witzke, Ernst Wolf, Bernd Zimmer und Jeanette Zippel.